Sparkurs bei Print-Medien Gruner + Jahr streicht 400 Arbeitsplätze

Gruner + Jahr in Hamburg: Das Medienhaus kämpft mit rückläufigen Marktentwicklungen bei Print-Produkten.

(Foto: dpa)

Das Verlagshaus Gruner + Jahr mit Zeitschriften wie "Stern", "Brigitte" und "Geo" will in den kommenden drei Jahren 75 Millionen Euro einsparen. Dafür sollen circa 400 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen.

  • Das Medienhaus Gruner + Jahr streicht in den kommenden drei Jahren circa 400 Arbeitsplätze in Deutschland.
  • Angesichts rückläufiger Marktentwicklungen im Printgeschäft sollen in diesem Zeitraum 75 Millionen Euro eingespart werden.
  • Die Einsparungen betreffen alle Bereiche von Gruner + Jahr Deutschland.
  • Der Verlag beschäftigte 2013 insgesamt 10 800 Mitarbeiter, davon 5600 in Deutschland.

Sozialverträglicher Stellenabbau

Gruner + Jahr will in den kommenden drei Jahren 75 Millionen Euro einsparen. Bis zu 400 Mitarbeiter könnten ihre Arbeitsplätze verlieren, teilte der Verlag am Mittwoch in Hamburg mit. Dieser Schritt sei vor dem Hintergrund rückläufiger Marktentwicklungen im Print-Geschäft notwendig. Die Einsparungen betreffen der Mitteilung zufolge alle Bereiche von Gruner + Jahr in Deutschland.

Der Stellenabbau werde sozialverträglich und im Dialog mit den Arbeiternehmervertretern umgesetzt. Offene Stellen sollen nach einer Prüfung nicht wiederbesetzt werden, aber auch betriebsbedingte Kündigungen schloss der Verlag nicht aus. Erste konkrete Maßnahmen soll es im Herbst geben.

"Haus der Inhalte"

Das Verlagshaus, das unter anderem "Stern" und "Geo" herausgibt, hatte vor einem Jahr angekündigt, sich in ein "Haus der Inhalte" zu wandeln, um Print- und Digitalangebote besser zu verzahnen. In den vergangenen Monaten verkaufte Gruner + Jahr das US-Druckgeschäft und den Fachverlag Entertainment Media. Der Verlag beschäftigte 2013 insgesamt 10 800 Mitarbeiter, davon 5600 in Deutschland.

Sowohl im Vertriebs- als auch im Anzeigenmarkt entwickele sich Gruner + Jahr bei vielen Titeln besser als der Markt, berichtete Vorstandschefin Julia Jäkel. "Trotzdem müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass sich die Marktbedingungen grundlegend verändert haben." Geschäftszahlen zum Jahresverlauf 2014 wurden nicht veröffentlicht.

"Effiziente Aufstellung"

Ein Jahr nach Start der Umstrukturierung sei das Unternehmen im Plan, teilte Jäkel mit. Zu den weiteren Vorhaben - wie neue Magazine zu lancieren und das Digital-Geschäft deutlich auszubauen - gehört nach ihren Worten auch eine "effiziente Aufstellung". Jäkel hatte 2013 die Wende geschafft: Nach einem Verlustjahr gab es wieder einen Gewinn von 81 Millionen Euro. Das operative Ergebnis war jedoch rückläufig, ebenso der Umsatz mit 2,07 Milliarden Euro (2012: 2,2 Milliarden Euro).

Damals war ein Investitionsbudget für fünf Jahre über mehrere hundert Millionen Euro angekündigt worden. Davon flossen bereits Mittel in weitere Magazine wie "Chefkoch Magazin" und "Flow" sowie in digitale Geschäfte. Neue Internetauftritte zum Planen von Wohneinrichtungen und Kindergeburtstagen kamen hinzu, ebenso Technologie- und Marketing- Dienstleister.

"Innovativer und kreativer sein als alle Wettbewerber"

Mittlerweile erziele Gruner + Jahr mehr als 30 Prozent seiner Printumsätze mit Magazinen und Sonderheften, die es vor zehn Jahren noch nicht gegeben habe, berichtete Vorstandsmitglied Oliver Radtke (Operations). "Wenn wir in einem rückläufigen Printmarkt besser abschneiden wollen als unsere Konkurrenz, müssen wir innovativer und kreativer sein als alle Wettbewerber."

Ziel sei es, Marktanteile zu gewinnen. Dazu soll es weiterhin strategisch passende Zukäufe geben. "Wir müssen uns auf die wirtschaftlich stärksten Felder mit der größten Zukunftsperspektive fokussieren und klare Prioritäten setzen", sagte Radtke.

Nicht einbezogen in das Sparprogramm sind die Mehrheitsbeteiligungen von Gruner + Jahr: die Motor Presse Stuttgart sowie das Dresdner Druck- und Verlagshaus (Sächsische Zeitung). Im Ausland sind "länderspezifische Effizienzmaßnahmen" eingeleitet worden, die nach Unternehmensangaben unverändert weiterlaufen. Der Umsatzanteil des Auslandsgeschäfts beträgt rund 55 Prozent.