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Sky-Serie "Mrs. America":Cool, wild, einseitig

Sie selbst führt ein emanzipiertes Leben. Trotzdem kämpft Phyllis Schlafly (Cate Blanchett) gegen die ERA.

(Foto: FX Networks)

Mehrere Emmy-Nominierungen, ein aktuelles Thema und Cate Blanchett in der Hauptrolle: Die Serie "Mrs. America" erzählt vom Feminismus der Siebzigerjahre. Nur traut sie sich dabei leider wenig - und will gleichzeitig zu viel.

Von Elisa Britzelmeier

Man will diese Serie eigentlich mögen. Mrs. America erzählt von einer spannenden Zeit in der US-amerikanischen Geschichte: vom Kampf für ein Equal Rights Amendment (ERA) in den Siebzigern, einem Zusatz zur Verfassung also, der Frauen gleiche Rechte sichern sollte, und dem Widerstand dagegen. Ein Zusatz übrigens, der bis heute nicht ratifiziert ist, nicht nur das macht die für mehrere Emmys nominierte Serie aktuell. Das Ganze ist mit stimmigen Bildern, großer Ausstattung, noch größeren Frisuren und einer prominenten Besetzung inszeniert - und doch hinterlässt Mrs. America trotz all der Fülle eine merkwürdige Leere.

Im Mittelpunkt steht die Antifeministin Phyllis Schlafly, gespielt von Cate Blanchett. Schlafly war eine konservative Publizistin und Aktivistin, die sich für die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter einsetzte und unter anderem als Vorbild für die scheinheilige Figur der Serena Joy in Margaret Atwoods Dystopie Der Report der Magd gilt. Eigentlich Expertin für innere Sicherheit, erkennt sie, wie einflussreich sie als Gegnerin der Frauenbewegung werden kann, und gründet die Gegenbewegung "Stop ERA".

Die besondere Ironie: Schlafly selbst ist natürlich alles andere als Hausfrau und Mutter. Sie schreibt Bücher, tritt im Fernsehen auf, reist durchs Land und überlässt die sechs Kinder lieber den schwarzen Hausangestellten. Mit ihrem Ehemann liefert sie sich ein ständiges intellektuelles Duell; sie redet ihm rein und unterwirft sich ihm doch. Blanchett und John Slattery spielen dieses kalte, unsympathische Paar großartig, auch wenn die Serie bei aller teuren Ausstattung filmisch zu wenig wagt.

Auf der anderen Seite sind da die Feministinnen, und es ist allzu klar, wo die Sympathien liegen: bei der Journalistin Gloria Steinem (Rose Byrne), bei der ersten schwarzen Präsidentschaftsanwärterin Shirley Chisholm (Uzo Aduba), bei Autorin Betty Friedan (Tracey Ullman) und Politikerin Bella Abzug (Margo Martindale). Sie dürfen unterschiedlich sein, und sind doch alle cool und wild und wissen zu feiern, während bei den Gegnerinnen nicht mal gelacht werden kann, wenn eine Schwierigkeiten hat, den Namen Schlafly zu buchstabieren.

Neun Folgen hat die Miniserie, jede konzentriert sich auf eine andere Frau. Serienschöpferin Dahvi Waller, unter anderem Autorin bei Mad Men, wollte zeigen, welche Rolle jede in der Bewegung spielte, sagte sie in einem Interview. Und da liegt ein zentrales Problem. Nicht nur weil man nicht alle Namen und Physiognomien parat hat und sich dauernd auf Wikipedia wiederfindet. Sondern weil wenig Raum bleibt, damit die Figuren sich entfalten. Wenn eine eben erst eingeführte Anwältin eine Affäre beginnt, ist einem das herzlich egal. Sogar der Kampf ums große Ganze berührt wenig; was auch an den Dialogen liegt, die den Figuren wenig Innenleben lassen. Statt Handlung voranzutreiben, werden hier vor allem Positionen verhandelt.

Dass sowohl Schlafly als auch die Feministinnen verschiedene Formen des immer gleichen Sexismus erleben - das hätte man gern nicht nur gesehen. Sondern auch mitgefühlt.

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© SZ/tmh

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