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Skinny-Norris-Sprecher tot:Einer, der Menschen aus Worten formen konnte

Brigitte Böttrich mit Freund Andreas von der Meden PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY AUFNAHMEDATUM GE

Andreas von der Meden

(Foto: imago/APress)

Der "Drei-???"-Sprecher Andreas von der Meden ist tot. Er synchronisierte David Hasselhoff und Kermit. Vor allem als Skinny Norris zeigte er aber, wie man mit ein paar Sätzen Charaktere erschafft.

Wenn große Stimmen sterben, ist das nicht nur traurig, es ist auch immer etwas unfair. Weil der Mensch nun mal eher in Bildern denkt. Bilder sind das, was in Erinnerung bleibt. Normalerweise. Man muss also - aber nur einmal, und nur kurz - "David Hasselhoff" sagen, damit jeder weiß, wer Andreas von der Meden war. Quasi jeder hat die Stimme des Synchronsprechers, Schauspielers und Musikers schließlich schon gehört. Bei Baywatch, bei Knight Rider. Oder in der Muppet Show, in der von der Meden Kermit den Frosch sprach.

Um zu verstehen, warum von der Meden so gut und so wichtig war, muss man die Welt der Filmbilder aber schnell wieder verlassen. Man muss zum Hörspiel greifen, zu den Drei ??? am besten, und da dieser sonderbar sanften Stimme noch mal nachspüren, der man ihre Vielschichtigkeit und ihre Flexibilität beim ersten Hören gar nicht zutraut. Von der Meden, 1943 in Hamburg geboren, sprach in den Kinderkrimis zwei Rollen: Zum einen war er Skinny Norris, der düster geifernde Antagonist der Jungdetektive. Eine Nebenrolle, wenn man die reine Sprechzeit stoppt und die Anzahl der Auftritte. Ein Halbstarker, in die Plots geschrieben, damit die drei Detektive schlauer wirken. Und doch - nicht nur für Fans der Reihe - so viel mehr.

Zwei Nebenrollen, zwei Publikumslieblinge: ziemlich gute Quote.

Weil die Art, wie von der Meden diesen Skinny Norris sprach, so spürbar war. Weil die Figur sich im Kopf sofort materialisierte. Der Hörer sah den Speichel bei den ständigen Wutausbrüchen jedes Mal förmlich umherfliegen. Hörte, spürte und ja: verfiel in Mitleid über die Minderwertigkeitsgefühle, unter denen dieser Bösewicht litt. Er tölpelte, bei aller Wut und Ambition und Durchtriebenheit, die von der Meden ihm gab, der Handlung ja doch auch immer nur hinterher. Es ist gewaltig, all das in nur wenigen Sätzen zu transportieren.

Und noch ein bisschen gewaltiger, wenn man weiß, dass von der Meden - oft in ein und derselben Folge - auch noch den Chauffeur Morton sprach. Und das auf eine Art, dass es selbst Hörspiel-Enthusiasten erst spät merkten. Oder nie. Die steife Noblesse, die stets überakkurate Sorge um Etikette und Höflichkeit der Rolle - auch hierfür hatte der Sprecher immer nur wenige, kurze Sätze. Auch Morton war eine Nebenrolle. Auch er war ein Liebling der Fans. Ziemlich gute Quote.

Von der Meden, der neben seinen Sprecherjobs auch lang in der bekannten Dixieland-Band Old Merry Tale Gitarre und Banjo spielte, hatte sein Handwerk früh gelernt. Bereits 1948 debütierte er als Kinderdarsteller am Thalia Theater in Hamburg. Nach einer Ausbildung bei Hildburg Frese spielte er am Luzerner Theater und am Schauspielhaus Zürich. Später auch in TV-Serien wie der Kriminalfilmreihe Straßenfeger 01 oder in Hamburg Transit.

Am allerbesten war er aber, wenn er nur mit ein paar Sätzen Charaktere erschuf. Denn das war er ja: ein Charakter-Erschaffer. Einer, der Menschen aus Worten formen konnte. Und das ist dann vielleicht doch noch ein Trost. Wer Menschen erschafft, der gibt ihnen ja immer auch etwas von sich selbst mit. Andreas von der Meden, der nach Angaben seiner Band schon vor ein paar Tagen im Alter von 74 Jahren gestorben ist, wäre dann ja immer noch ein bisschen da. Als Stimme. Als Charakter. Das wäre schön.

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