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Skandal im US-Wahlkampf:Trumps neuer Feind: Fox News

Fox News Channel debate moderators Wallace, Kelly and Baier start the first official Republican presidential candidates debate of the 2016 U.S. presidential campaign in Cleveland

Sie soll junge, unideologische Leute an Fox News binden: Journalistin Megyn Kelly (Mitte), mit Kollegen Chris Wallace und Brett Baier.

(Foto: Aaron Josefczyk/Reuters)

Nach seiner sexistischen Attacke auf Fox-News-Journalistin Megyn Kelly distanzieren sich viele Republikaner von Donald Trump. Medientycoon Murdoch könnte es ihm bald noch viel schwerer machen.

Mexikaner sind für Donald Trump "Vergewaltiger", die nur eine große Mauer vom Sturm auf die USA abhält. Frauen, die ihm missfallen, bezeichnet der Republikaner als "fette Schweine" oder "Hunde". US-Senator John McCain ist für Trump kein Kriegsheld, weil sein Flugzeug schließlich über Vietnam abgeschossen wurde. Keine dieser Entgleisungen hat den Höhenflug des 69-Jährigen an die Spitze der konservativen Konkurrenz in allen Umfragen beenden können - bis zu diesem Wochenende.

Denn am Freitagabend beleidigte der exzentrische Milliardär die Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly nicht nur als "nicht sehr stark und nicht sehr schlau". Im CNN-Interview beschwerte er sich, dass ihn Kelly in der ersten TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber am vorigen Donnerstag auf seine frauenfeindlichen Aussagen angesprochen hatte. 24 Millionen Zuschauer hatten dies mitverfolgt. Nun legte Trump nach - und sagte in Anspielung auf den Menstruationszyklus: "Aus ihren Augen kam Blut, Blut kam aus ihr heraus . . . von wo auch immer." Mit anderen Worten: Keine professionelle Journalistin habe ihn befragt, sondern ein hormonell verwirrtes Weibchen.

Vieles spricht dafür, dass Fox nun Trump fallen lässt, um die eigene Marke zu schützen

Anders als bei Trumps früheren Beleidigungen reagieren viele konservative Konkurrenten schnell und eindeutig. "Mister Trump, dies ist nicht zu entschuldigen", schrieb Carly Fiorina bei Twitter. Jeb Bush warf ihm vor, alle Amerikanerinnen beleidigt zu haben - und das Land zu spalten. Auch Scott Walker, John Kasich, Rick Perry und Lindsey Graham distanzierten sich.

Dass die Rivalen so schnell reagieren, liegt auch an der Popularität des Ziels von Trumps Sexismus-Attacke: Megyn Kelly ist alles andere als ein "journalistisches Leichtgewicht", wie Trump bei CNN ätzte. Die 44-Jährige moderiert mit The Kelly File nicht nur eine sehr erfolgreiche Sendung beim extrem profitablen Kabelsender Fox News, sondern legt sich regelmäßig mit Spitzenpolitikern an. Sie führte im Mai das Interview, in dem Jeb Bush nicht klar sagen konnte, ob er denn wie sein Bruder in den Irak-Krieg gezogen wäre oder nicht. Und dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney sagte sie ins Gesicht: "Sir, Sie lagen so oft falsch, wenn es um den Irak-Krieg ging."

Anders als viele Fox-News-Moderatoren ist die Juristin stets bestens vorbereitet: Sie lässt ihre - fast immer männlichen und konservativen - Studiogäste auch nicht mit Standardargumenten wie "Obama ist an allem schuld, und niedrige Steuern lösen alle Probleme" durchkommen, sondern fragt unerbittlich nach.

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