Süddeutsche Zeitung

WDR:Im Streit getrennt

Der WDR trennt sich von der Moderatorin Simone Standl. Sie hatte sich öffentlich beschwert, dass sie nicht länger die "Lokalzeit aus Köln" moderieren darf.

Von Aurelie von Blazekovic

Als Moderatorin einer Sendung wie der Lokalzeit aus Köln muss man für jeden Spaß zu haben sein. In Karnevals-Kostüm bei der Büttenrede auftreten, dann einen Beitrag zu Gartenbeet-Ideen ankündigen, dann Wetterbericht. Moderation vor besoffenen Fußballfans beim Public Viewing am Heumarkt, ein Beitrag zum lärmenden ICE-Werk in Köln-Longerich, Wetterbericht. Die Beiträge plätschern allabendlich vor sich hin, genau wie der gut gelaunte Einsatz der Moderatorin. 17 Jahre lang war das Simone Standl, nun endet ihre Zusammenarbeit mit dem WDR, und zwar mit schlechter Laune, mit einem großen Streit zwischen Sender und Moderatorin.

Angefangen hat alles vor einigen Monaten. In der Pandemie habe Standl vom Sender erfahren, dass für sie Ende Juni Schluss sei bei der Lokalzeit. Aussortiert und ausgetauscht, obwohl sie gerne weitergemacht hätte. Mit 59 stand sie bis dahin voll in Lohn und Brot und sei bei den treuen Zuschauerinnen und Zuschauern beliebt gewesen, sagte sie in mehreren Interviews, die sie daraufhin gab. Dass der Abgang alles andere als einvernehmlich ist, hat die Moderatorin also öffentlich gemacht. Sie warf dem WDR im Kölner Stadtanzeiger Jugendwahn und Altersdiskriminierung vor, und legte in der aktuellen Bild am Sonntag noch mal nach, der Sender wolle "krampfhaft diverser" werden. Man vergraule die älteren, treuen Stammzuschauer, wenn man ihnen das Vertraute und Liebgewonnene wegnehme. Freut man sich beim WDR also gerade auf eine große Zukunftsoffensive?

WDR: "Das Alter hat bei der Entscheidung im Fall von Simone Standl keine Rolle gespielt."

Nun, auf Twitter beeilte man sich mitzuteilen, die Vorwürfe, die Standl "seit Wochen und auch heute in der BamS gegen den WDR erhebt, sind Unsinn und schlichtweg falsch", heißt es da, "Frau Standl kennt die Gründe, warum sie die Lokalzeit aus Köln nicht mehr moderieren wird." Tut sie? Auf SZ-Nachfrage sagte Standl, ihr seien keine konkreten Gründe genannt worden, weshalb sie gehen müsse.

Eine Sprecherin des WDR erklärt der SZ dazu: "Einen Wechsel unter den Lokalzeit-Moderator:innen gibt es immer wieder. Das ist normal und das wissen die Moderator:innen auch. So ein Wechsel hat viele Gründe. Das Alter hat bei der Entscheidung im Fall von Simone Standl keine Rolle gespielt." Ebenso wenig sei "mehr Vielfalt" Anlass gewesen.

Für Simone Standl geht es ohnehin weniger darum, dass man sich von ihr getrennt habe. "Der Umgang und die fehlende Wertschätzung" sei der Kern des Ganzen, ein Umgang mit Frauen vor der Kamera, der auch kein Einzelfall sei. "Stellvertretend für viele andere habe ich nun den Mund aufgemacht", sagt die Moderatorin der SZ.

Ihr sei zunächst angeboten worden, hinter der Kamera weiter zu arbeiten, im Hörfunk ab August bei WDR 2 Lokalnachrichten zu sprechen, was sie auch angenommen habe. "Der WDR hätte gerne mit Simone Standl weitergearbeitet", twittert auch der WDR. Doch "das Vertrauensverhältnis" sei inzwischen "so schwer gestört, dass der WDR sein Angebot zur Weiterbeschäftigung zurückgezogen hat. Frau Standl bekommt eine faire Abfindung nach den Regeln des WDR-Tarifvertrages. Damit ist aus unserer Sicht alles gesagt."

Simone Standl möchte kein weiteres Öl ins Feuer gießen, sagt sie der SZ, nun müsse sie erst mal durchatmen. In ihrer letzten Sendung wünschte sie ihrer Nachfolgerin viel Erfolg, "sie soll genauso viel Spaß haben wie ich hier". Die gebürtige Duisburgerin Sümeyra Kaya, 38, ist nun seit Mitte Juli die neue Moderatorin der Lokalzeit aus Köln.

Von feinem Umgang und Benehmen mal abgesehen: Schaut man die Moderationsriege im WDR-Fernsehen an, lässt sich bisher kein Jugend- und Diversitätswahn erkennen.

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