Sicherheit für Journalisten im Netz:Jeder Reporter muss wachsam sein

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First Look Media investiert jedoch nicht nur deswegen so viel, weil Glenn Greenwald, ihr bekanntester Reporter, im Besitz der Dokumente von Edward Snowden ist. Greenwald weiß aus eigener Erfahrung, was ohne Technik-Expertise geschehen kann: Seine Kontaktaufnahme mit Snowden verzögerte sich im Winter 2013 um Wochen, weil er es nicht schaffte, eine Verschlüsselungssoftware zu installieren. Beinahe hätte Greenwald so die Geschichte seines Lebens verpasst.

Gewiss: Nur wenige Journalisten recherchieren solch brisante Themen, doch in den USA müsse jeder wachsam sein, warnt Jack Gillum von AP. Auch ein Lokalreporter, der kritisch über die Vergangenheit eines Gouverneurs schreibe, riskiere, dass dieser vor Gericht die Herausgabe der Telefon- und E-Mail-Daten verlangt - und dann ist jeder verdächtig, der mit ihm Kontakt hatte. Die Gefahr besteht, so der Konsens auf dem Podium, nicht darin, dass die NSA die E-Mails von Journalisten mitliest. Ernst wird es, nachdem ein unliebsamer Artikel erscheint und die Justizbehörden alles daran setzen, die Quelle zu identifizieren. Dann ist jeder, der mit dem Journalisten Kontakt hat, potenziell verdächtig.

Wie hart die Obama-Regierung vorgeht, um Whistleblower abzuschrecken, zeigt das Beispiel des NYT-Reporters James Risen. Nachdem er 2006 ein kritisches Buch über die CIA veröffentlicht hat, wurde er vorgeladen, um seine Informanten zu nennen (mehr über seinen Fall hier). Im Gespräch mit Süddeutsche.de sagt der NYT-Reporter, dass er eher ins Gefängnis gehe als dies zu tun: "Das bin ich dem Journalismus schuldig."

Klare Forderungen von Whistleblower Snowden

Die Bedeutung kritischer Berichterstattung betont auch ein Überraschungsgast. Per Videoschalte aus Moskau erklärt Edward Snowden, dass er sich freue, dass Google, Facebook und Apple nun mehr verschlüsseln würden. Er nennt es unbegreiflich, dass die Kongressabgeordneten ihre eigenen E-Mails nicht verschlüsseln würden, obwohl doch bekannt sei, dass ausländische Dienste in Washington aktiv seien: "Für unsere Feinde sind wir ein offenes Buch."

Dass FBI-Direktor James Comey kürzlich in einer Rede vor einem Think-Tank in Washington die großen Technik-Firmen aufgefordert hatte, seiner Behörde und anderen Diensten Zugang zu Nutzerdaten zu gewähren, hat Snowden in Moskau genau registriert. Comey hatte selbstbewusst erklärt, dies dürfe nicht nur eine "Hintertür" sein, sondern sollte eine "Vordertür" sein.

Snowden hält dies für völlig inakzeptabel: "Das FBI braucht keine Türen, es muss nur einen Haftbefehl beantragen."

Auch wenn sich nun mehr Leute in aller Welt für Verschlüsselungstechnik interessieren, darf es in Snowdens Augen nicht toleriert werden, dass Bürger und Journalisten technisch aufrüsten müssen, um ihre Privatsphäre zu bewahren. Die Chefredakteure großer Medien sollten eine Debatte anstoßen, wie die Macht der NSA gebremst werden könne, fordert er.

Bis dahin haben Journalisten genug Zeit, um zu lernen, wie sie anonym kommunizieren und ihre Quellen schützen.

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