"Shitstorm" gegen ProSieben-Magazin Unterhaltung geht vor

Immer wiederkehrende Fixpunkte sind etwa "Jumbo", ein Übergewichtiger, der in seinen "XXL-Tests" beispielsweise die größte Bulette sucht und isst, der "Fake-Check" in dem populäre Internetvideos ("Menschenkatapulte, Tsunami-Surfing, unglaubliche Würfeltricks - Wahrheit oder geschickte Fälschung?") auf ihre Echtheit geprüft werden und hübsche Blondinen (zumeist: "Studentinnen"), die irgendwas testen.

Dass es nicht um die Berichterstattung über aktuell diskutierte Themen des Wissenschaftsbetriebes geht, ist klar, aber ist die Sendung, wie in der Eigenbeschreibung behauptet, überhaupt ein "Wissensmagazin"? Momentan befasst sich "Galileo" mit den "Top 7 Sex-Mythen", der Last-Minute-Rettung für die Gartenparty, einen Mensch mit übernatürlichen Kräften, weil er Kleinwägen auf dem Kopf balanciert und "9 Fakten über Selbstbefriedigung".

Bezüglich des Shitstorms bei Facebook nimmt ProSieben für sich in Anspruch, dass der Auslöser der Empörungswelle sein Posting inzwischen aus eigenem Antrieb gelöscht habe. Das "Galileo"-Team veröffentlichte eine Stellungnahme, in der auf die 1,2 Millionen Facebook-Fans, den Erfolg der Sendung und die Bereitschaft der Redaktion zu Selbstkritik hingewiesen wird, aber auch darauf, dass man sich Beleidigungen nicht gefallen lassen möchte. Auf Nachfrage, ob denn durch die große Aufregung aus den Reihen der Zuschauer Veränderungen geplant seien, kam allerdings eine Standardantwort: Die Redaktion würde sich ständig weiterentwickeln.

Objektiv betrachtet, ist es nicht die Aufgabe von ProSieben, eine Wissenssendung zu produzieren, die nur eine kleine Zielgruppe hätte. Denn das Privatfernsehen unterliegt keinem Programmauftrag. Die Anbieter sind an die Werbeindustrie gebunden und müssen deshalb versuchen, möglichst hohe Einschaltquoten zu erzielen. Am einfachsten funktioniert das über ein stark unterhaltungsorientiertes Programm, weniger über trocken wissenschaftliche und andere Nischenthemen.

Das zeigt der Vergleich von Marktanteilen deutlich. In diesen Tagen, die durch die Olympia-Berichterstattung beeinflusst werden, kommt "Galileo" auf eine Einschalt-Quote von 8,5 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen. Die ARD-Wissenschaftssendung "W wie Wissen" musste sich hingegen mit einer Quote von 3,4 Prozent begnügen.

Man kann "Galileo" als Humbug abtun oder sich mit Halbwissen unterhalten lassen. Fakt ist, dass das Format eher ein Infotainment-Magazin ist als eine Wissenssendung - doch damit erfüllt es seinen Auftrag: starke Quote, Erfolg bei jungen Menschen. Insgesamt verfolgen im Schnitt 1,68 Millionen Zuschauer die Sendung.

Am Ende des "Galileo"-Beitrags über Kolumbien wird über den dortigen Nationalsport "Tejo" berichtet, bei dem versucht wird, mit einer Metallscheibe eine Lehmplatte zu treffen, in die eine mit Schwarzpulver gefüllte Papiertasche eingearbeitet wurde. Der Sprecher sagt, man benötige dafür "viel Bier und die richtige Haltung". Vermutlich ist das auch das Rezept, die Sendung zu genießen.