"Sexy Beasts" auf Netflix:Demaskiert

"Sexy Beasts" auf Netflix: Heuschrecke trifft Hai oder: Wie man sich bei Netflix diverse Blind-Dates vorstellt.

Heuschrecke trifft Hai oder: Wie man sich bei Netflix diverse Blind-Dates vorstellt.

(Foto: Netflix)

"Sexy Beasts" löste einen Internethype aus, dem die Datingshow nicht gerecht wird. Für Netflix wird die Rechnung vermutlich trotzdem aufgehen.

Von Dennis Müller

Gehen ein Biber, ein Leopard, ein Zombie und eine Elfe in eine Bar. Was wie der Anfang eines Witzes klingt, ist in Wahrheit die neue Netflix-Datingshow Sexy Beasts. "Eigentlich war es nicht so verrückt, wie man denken würde", sagt die Frau mit der Leopardenmaske nach ihrem Date mit dem Biber. Damit hat sie das Format gut beschrieben.

Sexy Beasts ist der nächste Abstecher des Streaming-Diensts in die Dating-Welt. Zuletzt hat Netflix Gefallen am Verkuppeln gefunden - und am Verzicht: Bei Finger weg! durften sich die Teilnehmer nicht berühren, bei Liebe macht blind nicht sehen. Auch bei Sexy Beasts bleiben die Gesichter der Singles verborgen. Zumindest ihre echten. Sie tragen hochwertige Hollywood-Masken, die sie erst abnehmen dürfen, wenn sich das Gegenüber für oder gegen sie entscheidet. The Masked Singer lässt grüßen.

"Das sieht aus wie ein kranker, abgedrehter, dystopischer Horrorfilm"

Der Trailer zu Sexy Beasts löste vor drei Wochen einen Hype in den sozialen Netzwerken aus. Zwei Millionen Aufrufe, so viele Klicks holte seitdem kein Video auf dem YouTube-Kanal des Streaming-Anbieters. "Das sieht aus wie ein kranker, abgedrehter, dystopischer Horrorfilm", kommentiert ein Nutzer. Der Vorgeschmack bot alles, was sich online schnell verbreitet: Skurrile Bilder von Leuten in skurrilen Kostümen, die skurrile Sachen sagen. Oder wie man im Netz sagt: Meme-Gold.

Tatsächlich ist die britische Produktion weitaus unspektakulärer, als es der Trailer vermuten ließ. Die Episoden sind so kurz, die einzelnen Dates so abgehetzt, dass man den Eindruck hat, die Show habe noch etwas Dringendes vor. Hat sie aber nicht. Auch Erzähler Rob Delaney, bekannt aus Catastrophe, seiner bezaubernden Dramedy-Serie aus 2015, möchte man jedes Mal am liebsten befreien, wenn er die finalen Entscheidungen von Panda, Teufel und Co. in der "Sexy Beasts Mansion" groß aufblasen muss.

Erneut setzt Netflix auf eine Besetzung, die den gängigen Schönheitsidealen entspricht

Wie Liebe macht blind lässt auch Sexy Beasts die Gelegenheit aus, Blind-Dating endlich ernst zu nehmen, das Aussehen der Singles also wirklich auszuklammern. Denn erneut setzt Netflix auf eine Besetzung, die den gängigen Schönheitsidealen entspricht: Muskeln, Make-Up, makellose Haut. Wirklich innovativ wäre es, wenn man die Möglichkeit des blinden Kennenlernens den Menschen gäbe, denen ihr Äußeres wirklich im Weg steht. Dass es auch anders geht, bewies zuletzt die lesbische Datingshow Princess Charming.

Deshalb ergibt die Anfangsfrage, ob man sich in jemanden verlieben könne, wenn man "nur die Persönlichkeit" sieht, gleich auf mehreren Ebenen keinen Sinn. Einerseits verbergen die aufwendig hergestellten Masken natürlich nur einen kleinen Teil des Körpers, das Gesicht. Andererseits erzählen die Kostüme nichts über die Teilnehmer, anders als zum Beispiel bei The Masked Singer. So ist Student Archie nicht der "Stone Man", weil er so hart zu knacken ist, sondern weil das Kostüm scheinbar gerade herumlag.

Ob sich die Leute die Show wegen der Romantik ansehen oder weil sie die Monster abfotografieren und die Bildchen bei Twitter posten, wird Netflix egal sein. Lässt man dort einen Titel für zwei Minuten laufen, zählt er als angesehen.

Sexy Beasts, bei Netflix

© SZ/freu
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