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Serienfiguren werden real:Mein Leben als Mensch

medien 4.2.

Tipps für harte Männer von Barney (r.), Tweets über das Leben als Anwalt von Mike (l.) Boshaftes aus Washington von Frank Underwood (Mitte) und Nonsense aus Berlin von Ole Peters.

(Foto: RTL/Filmpool AP/Netflix, Melinda Sue Gordon Vox CBS SZ-Collage)

Serienfiguren aus dem Fernsehen benehmen sich neuerdings, als gäbe es sie wirklich. Sie twittern, sind bei Facebook und manche schreiben sogar Ratgeber. Warum ist das so?

Mike Ross nimmt persönlich Kontakt auf, nur ein paar Stunden nachdem man beginnt, auf Twitter seine Meldungen zu abonnieren. Der Anwalt aus New York City wüsste gerne, schreibt er an seine neue Online-Bekanntschaft aus Deutschland, mit wem er da künftig zusammenarbeite: "Are you a bike or limo to work kind of lawyer?" Fährst du lieber mit dem Fahrrad oder der Limousine in die Kanzlei?

Mike Ross hat inzwischen 3400 Follower bei Twitter, und soweit man das überblicken kann, hat er mit allen persönlich Kontakt aufgenommen und über die Vorzüge des Anwaltsdaseins und seine eigenen Vorzüge berichtet. Bemerkenswert ist das alles aber nur aus einem Grund: Mike Ross gibt es gar nicht. Der hübsche Anwalt der Kanzlei Pearson Darby ist eine Figur aus dem Fernsehen, aus der US-Serie Suits über einen hochbegabten jungen Mann, der ohne einen Uniabschluss ein sehr erfolgreicher Anwalt wurde.

Wie im wahren Leben

Er ist nur eine von vielen Fernsehfiguren, für die eine Existenz außerhalb ihrer Serien geschaffen wurde. In den vergangenen Jahren ist so eine vollkommen neue Form des Geschichtenerzählens entstanden: Die Fernsehgeschichten werden ins wahre Leben hineinerzählt, zumindest in jenen elektronischen Bereich, der mit Tweets von Freunden und real existierenden Politikern eine Illusion des wahren Lebens ist. In dieser Illusion ist sogar Raum für Figuren, die es gar nicht gibt.

Ende vergangenen Jahres erschien in Deutschland ein Buch mit dem mäßig intelligenten Titel Wir. geil . . . und du so?. Geschrieben hatte das Werk ein gewisser Ole Peters, einer der Charaktere aus der RTL 2-Trash-Pseudo-Doku Berlin Tag und Nacht, seit 2011 verkörpert von dem Schauspieler Falko Ochsenknecht.

Geile Regeln für das WG-Leben

Ole beginnt sein Buch mit dem Satz "Hey Leute, hier ist der Ole aus Berlin" und gibt danach auf knapp 200 großzügig bebilderten Seiten Tipps für das perfekte Leben in der perfekten WG, wofür der Ole aus Berlin natürlich quasi amtlicher Experte ist, weil er bei RTL 2 auch in einer WG wohnt. Und obwohl das Buch so überraschende Regeln vorgibt wie "Im Stehen pinkeln ist tabu" und "An den Putzplan halten", stieg Wir. geil . . . und du so? im Dezember auf Platz vier in die Spiegel-Bestsellerliste ein.