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Serien und Journalismus:2017 sollen allein in den USA 500 Serien produziert werden

Aus heutiger Sicht, da große Zeitungen, Magazine und Onlineseiten die Aufarbeitung neuer Serien mit großen Ernst betreiben, ist das kaum vorstellbar, tatsächlich aber besetzte das Portal von Mariano Glas damals eine Lücke, die unbesetzt war. Heute ist die Frage "Was schaust du gerade?" von kaum einer Party mehr wegzudenken, in den USA ist mittlerweile sogar vom Peak TV, also von einem Gipfel der Serienproduktion, die Rede. 2015 wurden von den dortigen Fernsehsendern 419 Serien produziert, für 2017 wird nochmals ein Anstieg auf mehr als 500 Serien erwartet. Viele davon in Hochglanzoptik und mit anspruchsvollen Inhalten.

Und während die etablierten Medien langsam die Serie als Kulturgut entdeckten und im Frühjahr 2016 mit dem Phänomen Game of Thrones anfingen, ebenfalls regelmäßig nach Ausstrahlung jeder neuer Folge "Recaps" zu veröffentlichen, waren die Serienjunkies schon lange da. Ausgestattet mit einer Datenbank, in der man eben auch alles über die vergangenen sechs Game of Thrones-Staffeln nachlesen kann inklusive aktueller Verschwörungstheorien und diversen Neuigkeiten von den Darstellern.

Unabhängiges Bewerten und Kritisieren ist den Machern von "Serienjunkies" wichtig

Das Angebot ist kostenlos und finanziert sich vor allem über Werbung und sogenannte "provisionsbasierte Verkäufe". Das heißt: Kauft jemand bei Amazon die Staffelbox Game of Thrones über den von Serienjunkies bereitgestellten Link, bekommt das Portal eine Provision. Ein großes Medienhaus oder einen Investor haben sie nicht im Rücken. "Das ist uns aber auch wichtig - nur so können wir weiterhin unabhängig bewerten und auch mal einen Verriss schreiben", sagt Huge. Die mit viel öffentlichem Interesse in Berlin gedrehte letzte Staffel von Homeland wurde bei Serienjunkies etwa durchaus kritisch bewertet. Das geht nur, wenn man nicht auf die Liebe der Szene angewiesen ist.

Die wirtschaftliche Nähe etwa zum Serienverkäufer und -macher Amazon zeigt trotzdem die Grenzen der Unabhängigkeit. Mittlerweile hat das Webportal neun festangestellte Redakteure und verzeichnet Huge zufolge zwischen zwei und drei Millionen Unique User im Monat, also Menschen, die unter verschiedenen IP-Adressen auf die Seite zugreifen. Zum Vergleich: Die Fußballseite Kicker hat vier Millionen Unique User im Monat. Die meisten dieser Besucher sind zwischen 24 und 39 Jahren alt, etwas mehr Männer als Frauen. Für diese Zielgruppe schreiben Serienjunkies-Redakteure wie Axel Schmitt.

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