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Fernsehen und Streaming:Das sind die Serien des Monats

Serien-Tipps im Januar 2021: "WandaVision", "Die Geschichte der Schimpfwörter", "Twin" und "Pretend it's a City"

"WandaVision", "Die Geschichte der Schimpfwörter", "Twin" und "Pretend it's a City" (im Uhrzeigersinn).

Neues aus dem Marvel-Kosmos, die lustige New Yorkerin Fran Lebowitz und Nicolas Cage beim Schimpfen: die Empfehlungen im Januar.

Von SZ-Autoren

Your Honor

Was passiert: Ein Richter wechselt die Seiten. Sein Sohn hat einen schrecklichen Unfall verursacht und dazu auch noch Fahrerflucht begangen. Der Motorradfahrer, den er sterbend auf der Straße zurückließ, ist ausgerechnet das Kind des Gangsterbosses von New Orleans. Bryan Cranston knüpft als Richter Desiato an seine Rolle aus Breaking Bad an und versucht mit allen Mitteln, seinen Sohn vor Strafverfolgung und Rache zu schützen. Dabei verstrickt er sich immer mehr in ein kompliziertes Netz aus Lügen, Schuld und sozialen Verpflichtungen, aus dem man auch als Zuschauer nicht mehr so leicht entkommt.

Heimlicher Star: Lamar Johnson, der in die Nebenrolle des zu Unrecht Beschuldigten Kofi Jones eine irre Tiefe und Intensität legt.

Nicht geeignet für: Alle, die Spannung und komplizierte Konflikte nicht aushalten. Beides erzeugt die Serie meisterhaft. Nicolas Freund

Bei Sky, zehn Folgen.

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WandaVision

Was passiert: Die Superhelden Wanda (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bettany) ziehen in eine US-amerikanische Kleinstadt und wollen dort vor allem nicht auffallen. Deswegen machen sie jeden Unfug mit, den die Alltagsrituale der spießigen 50er-Jahre von ihnen verlangen. Das Ganze ist Zeitreise, Satire, Marvel-Heldengeschichte und Thriller zugleich. Bald wird klar, dass sich diese Geschichte in der Geschichte nicht nur ein verrückter Drehbuchschreiber ausgedacht hat, sondern womöglich auch Wanda selbst.

Heimlicher Star: Die Tricktechniker, die moderne Computertechnik so aussehen lassen, als handele es sich um Spezialeffekte aus der Zeit von Raumpatrouille Orion.

Nicht geeignet für: Marvel-Fans, die Action lieben. Aber sehr geeignet für alle anderen Marvel-Fans. David Pfeifer

Bei Disney+, neun Folgen.

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Pretend it's a City

Was passiert: Die schlagfertige Schriftstellerin Fran Lebowitz, hauptberuflich New Yorkerin, und der Filmemacher Martin Scorsese, nebenberuflich New Yorker, unterhalten sich unter verschiedenen Aspekten über ihre Heimatstadt - Kunst, U-Bahn, herumtorkelnde Touristen. Die Exkurse der Bilder ins Kino von gestern sind zwar typisch Scorsese, aber das Ergebnis sieht dann doch nicht aus wie ein Scorsese-Film. Aber sein New Yorker Stakkato ist unverwechselbar.

Heimlicher Star: Die urkomische Misanthropin Fran Lebowitz - der offizielle Star ist ja die Stadt New York.

Nicht geeignet für: Freunde deutscher Synchronisation und Feinde langer Talkshows. Susan Vahabzadeh

Bei Netflix, sieben Folgen.

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Cobra Kai 3

Was passiert: Zwei Midlife-Crisis-Jungs verarbeiten ihre Karate-Rivalität, indem sie Kinder trainieren und dabei solange gegeneinander aufhetzen, bis jemand ernsthaft verletzt wird. Die Serie begann als augenzwinkernde Hommage an die 80er und deren Filme (Karate Kid), driftete in der zweiten Staffel ab ins Abstruse - und versucht nun, die Kurve zu kriegen, damit die Leute wirklich sechs Staffeln sehen wollen.

Heimlicher Star: Demetri, der als Nerd inmitten hormoneller Teenager die Stimme der Vernunft gibt und stets sagt, was der Zuschauer auch brüllen will. Grandios gespielt von Gianni Decenzo.

Nicht geeignet für: Leute, die glauben, dass Gewalt keine Lösung ist. Jürgen Schmieder

Bei Netflix, zehn Folgen.

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Die Geschichte der Schimpfwörter

Was passiert: Nicolas Cage sitzt als irrwitziger Gentleman in seinem Kaminzimmer und führt mithilfe von Linguisten, Wörterbuchautorinnen und hervorragenden US-Comedians (Sarah Silverman, Nick Offerman, Nikki Glaser) durch die lange Historie englischer Schimpfwörter - von fuck bis shit. Das ist temporeich, lustig und tatsächlich auch sehr informativ. Oder wussten Sie, dass Cary Grant sich in den Dreißigern ungeahnt ordinär ausdrückte?

Heimlicher Star: Die Komikerin Nikki Glaser, die das vielfältigste aller Schimpfwörter so beschreibt: "Fuck ist der Tom Hanks der Schimpfwörter, es kann alles sein und tun und geht uns dabei nie auf die Nerven."

Nicht geeignet für: Notorische USA-Skeptiker. Das ist alles wirklich sehr amerikanisch. Aurelie von Blazekovic

Bei Netflix, sechs Folgen.

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Twin

Was passiert: Die Zwillinge Erik und Adam sehen einander so ähnlich, dass nicht einmal Adams Kinder den Vater vom Onkel unterscheiden können. Doch die beiden von Kristofer Hivju gespielten Männer sind extrem unterschiedliche Charaktere - und zutiefst zerstritten. Sehr bald stirbt Adam bei einem Handgemenge. Und ohne dass Erik es wollte, kann er nicht vermeiden, dass er sich als sein Bruder ausgeben muss. Schnell werden er und ein paar weitere Figuren zu Getriebenen.

Heimlicher Star: Die Landschaft der Lofoten. Sie vereint etliche Widersprüche, etwa die Enge der Inseln und doch eine unglaubliche Weite. Berge, die schützen, aber auch Schatten werfen. Dazu die Kraft des Nordatlantiks. Das alles formt den Charakter der Menschen dort.

Nicht geeignet für: Zuschauer, die es nicht ertragen, wenn viel geschwiegen wird. Stefan Fischer

In der ARD-Mediathek, acht Folgen.

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SanPa: Die Sünden des Retters

Was passiert: Ein kleiner Ort nahe Rimini in den Achtzigern. Vincenzo Muccioli eröffnet ein Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige, das zum größten in Europa avancieren wird. Das Heroin verbreitet sich schnell im Land, immer mehr junge Menschen kommen verzweifelt zu ihm und wollen nur eins: aussteigen. Auf die Drogenkrise reagiert der Staat unvorbereitet, Muccioli hingegen widmet sich ganz seinen "ragazzi". Dabei überschreitet er Grenzen: Er demütigt sie, er toleriert Gewalt, er schweigt, als Aids bei ihnen ankommt. Am Ende lautet die Frage: Wie weit darf man gehen, um jemanden von der Sucht abzubringen?

Heimlicher Star: Der ehemalige Patient Fabio Cantelli. Keiner kann über die Heroinsucht, den schmalen Grat zwischen Leben und Tod und die innere Zerrissenheit so gut reflektieren wie er.

Nicht geeignet für: Menschen, die eindeutige Thesen brauchen. Francesca Polistina

Bei Netflix, fünf Folgen.

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Wu-Tang Clan: An American Saga

Was passiert: Rotznäsige Jugendliche, die da noch Dennis heißen oder Robert und zu klein, zu nett oder einfach zu dumm sind, um auch nur bei den mittelgroßen Crackdealern im New York der 90er-Jahre mitzumischen, werden zur zwischenzeitlich bedeutendsten Rap-Crew der Welt. "Werden" muss betont werden. Bevor Robert und Dennis nämlich tatsächlich RZA heißen oder Ghostface Killah, bevor sie also irgendwann den Wu-Tang Clan bilden, sieht man ihnen lang beim Aufwachsen zu: Liebeleien, Gangkriminalität, viel Familiensinn, noch mehr Familiendramen. Ein paar Tote. Ein paar Auftritte. Und über allem die Frage: Was bringt Essen auf den Tisch - Drogen oder Reime?

Heimlicher Star: T. J. Atoms, der einen wirklich beängstigend realistischen Ol' Dirty Bastard aufführt.

Nicht geeignet für: Rap-Fans, die verstehen wollen, wie RZA seine Marihuana-satten, verhusteten Beats produziert. Sieht man nicht. Das Ganze ist Coming-of-Age-Drama, keine Musik-Doku. Jakob Biazza

Unter anderem bei Magenta TV und über Amazon Prime, zehn Folgen.

© SZ/cag
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