Tipps im Juni:Das sind die Serien des Monats

Juli2021, Serien des Monats

"Genius: Aretha", "Loki", "Katla" und "Mare of Easttown": Die Serienempfehlungen im Juni.

(Foto: Netflix, Sky, Disney (2))

Die erste isländische Serie bei Netflix, ein "Avengers"-Spin-off bei Disney+, bei Apple TV+ und ein siebenstündiger "Schweigen der Lämmer"-Grusel bei Sky - Tipps aus der SZ-Redaktion.

Lisey's Story

Was passiert: Lisey (Julianne Moore) ist die Witwe eines berühmten Bestsellerautors, der überraschend ums Leben kam. Vor seinem Tod hat er eine Art postume Schnitzeljagd für seine Frau vorbereitet, die sie zum Geheimnis seiner Schreibkunst und ihrer Ehe führt. Gleichzeitig ist ein irrer Stalker hinter ihr her, der für die unveröffentlichten Manuskripte ihres Mannes morden würde. Die Serie basiert auf dem Roman "Love" von Stephen King, der für die Verfilmung alle Drehbücher der acht Folgen selbst geschrieben hat.

Heimlicher Star: Der tolle Vorspann, in dem zwei Marionettenversionen der Hauptfiguren den düster-melancholischen Ton der Serie vorgeben.

Nicht geeignet für: Stephen-King-Verächter und Horrorfilmverweigerer. David Steinitz

Bei Apple TV+, acht Folgen.

Katla

Was passiert: Ein Vulkanausbruch hat das Städtchen Vík im Süden Islands von der Außenwelt abgeschnitten und weil das nicht reicht, suchen auch noch Doppelgänger und längst Verstorbene die Lebenden heim. Kultregisseur Baltasar Kormákur inszeniert in beeindruckender Lava-Landschaft die erste isländische Netflix-Serie, langsam, aber spannend erzählt mit sanftem Grusel und leichten politischen Untertönen über Klimawandel und gesellschaftliche Verantwortung.

Heimlicher Star: Ausnahmsweise eine der Hauptdarstellerinnen: Guðrún Ýr Eyfjörð, die in ihrer zweiten Filmrolle überhaupt zu sehen ist und eigentlich unter dem Namen GDRN Popmusik macht.

Nicht geeignet für: Alle, die es nicht mögen, wenn Unterhaltung auch mal unangenehme Fragen stellt. Nicolas Freund

Bei Netflix, acht Folgen.

Loki

Was passiert: Loki, der Gott des Chaos, ist in einem der unzählbaren "Avengers"-Teile durch die Zeit geflohen. In einem Spin-off der Filme wird er nun angeklagt, gegen die Gesetze der Timeline verstoßen zu haben. Wer so sorglos mit den verschiedenen Ebenen der Zeit umgeht, muss bestraft werden. Doch für den ambivalenten Superschurken/-helden Loki tut sich wieder eine Lücke auf: Er soll bei der Jagd nach einem Zeitebenen-Verbrecher helfen.

Heimlicher Star: Eine der großen Stärken der Serie ist ihre exzellente Besetzung. Würden nicht so viele gute Schauspieler auftreten, könnte man den ersten Teilen nicht folgen, ohne einzunicken.

Nicht geeignet für: Alle, die auch nach Feierabend das wahre Leben sehen wollen - Loki ist beste Fantasy. David Pfeifer

Bei Disney+, sechs Folgen.

Mare of Easttown

Was passiert: Die Detektivin Mare Sheehan, gespielt von Kate Winslet, ermittelt in der Kleinstadt Easttown. Die ist keine Idylle: Teenager prostituieren sich, Mädchen verschwinden oder werden tot aufgefunden. Das Setting erinnert an "Twin Peaks", doch die Geschichte geht schnell schlimm aus und ist auch weder versponnen noch arty. Ein Whodunit, bei dem eigentlich jeder als Täter infrage kommt. Und die Lösung dann doch überrascht.

Heimlicher Star: Das Postergirl der Pandemie. Genauer, die unretuschierten Falten und der weiche Bauch von Kate Winslet, die sich, wenn sie als Detektivin strauchelt, ungeniert eine Tüte Tiefkühlfritten auf die Wollsocken packt.

Nicht geeignet für: Zartbesaitete. Stell dir vor: Der Horror vom Schweigen der Lämmer dauert siebenmal eine Stunde. Catrin Lorch

Bei Sky, sieben Folgen.

Genius: Aretha

Was passiert: Die britische Schauspielerin und Sängerin Cynthia Erivo lässt in dieser biografischen Mini-Serie Aretha Franklin aufs Hellste erstrahlen: die Queen of Soul von den Anfängen ihrer Karriere bis hinein in die Hochphase der Bürgerrechtsbewegung. Kostüme und Ausstattung sind wunderbar glamourös, die Erzählstruktur manchmal etwas zu sprunghaft. Aber neben den künstlerischen wird auch von privaten Ermächtigungsbewegungen erzählt - dem Ringen mit Vater und Ehemann, häuslicher Gewalt und Alltagsrassismus.

Heimlicher Star: Neben Erivo glänzt vor allem Courtney B. Vance, der den dominanten Vater, Reverend C. L. Franklin, als flammenden Prediger und Schwerenöter spielt, der die Samstagabende genauso liebt wie die Sonntagmorgen.

Nicht geeignet für: Zuschauer, die zwar diesen einen Song mögen, der immer im Radio läuft, sich darüber hinaus aber nicht sonderlich für die Zeit und Zusammenhänge von Franklins tiefschwarzem Sound interessieren. Annett Scheffel

Bei Disney+, acht Folgen

I'll be Gone in the Dark

Was passiert: Die Jagd nach dem brutalen Golden State Killer, der im Sommer 1976 erstmals zuschlug in Sacramento. Er drang nachts in Vorstadthäuser ein, fesselte und bedrohte die Frauen (später auch ihre Ehemänner), vergewaltigte sie, hielt sich stundenlang in den Häusern auf, bediente sich aus dem Kühlschrank. Aus reiner Lust am Terror. Erst Jahrzehnte später konnte er geschnappt und überführt werden. Eine True-Crime-Recherche, ungeheuer atmosphärisch gefilmt.

Heimlicher Star: Die Journalistin Michelle McNamara, die dem Killer Jahre lang im Internet auf der Spur war und nach deren Buch "I'll Be Gone in the Dark" die Serie entstand. Sie starb vor Erscheinen des Buches und wird von vielen lebhaft erinnert, unter anderem von ihrem Ehemann, dem Komiker Patton Oswalt.

Nicht geeignet für: Puristen, die von True-Crime-Dokus nüchterne Objektivität erwarten und sich nicht eingestehen mögen, dass Schaulust und Stalking im Kino ersatzbefriedigt werden ... Wir sind alle creatures from the black lagoon. Fritz Göttler

I'll Be Gone in the Dark, bei Sky.

Physical

Was passiert: Hausfrau Sheila Rubin, gespielt von Rose Byrne, ist unzufrieden - mit dem Eheleben im Allgemeinen, mit sich selbst im Besonderen. Die Stimme im Kopf sagt ihr, sie sei fett und hässlich. Als sie in der Shopping Mall ein Aerobic-Studio entdeckt und anfängt zu tanzen, beginnt ihre Befreiung. Nebenbei unterstützt sie ihren Mann bei seinem eher kläglichen Versuch, Lokalpolitiker zu werden. Ein großes Emanzipationsvergnügen.

Heimlicher Star: Die nostalgische Kulisse der frühen 80er-Jahre in Kalifornien, Betamax, zu große Sakkos, aufgeblasene Dauerwellen.

Nicht geeignet für: Strenggläubige Katholiken. Denn spirituelle Krisen der Protagonisten werden in Physical eher durch Masturbation als durchs Gebet gelöst. Dominik Fürst

Bei Apple+, zehn Folgen.

© SZ/hy/freu
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