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Serien-Revival:Neuauflage von "Akte X": Ein Monster geht immer

Die neuen Folgen 'Akte X' ab Montag auf ProSieben

Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny) haben sich bei ihrem Wiedersehen nicht viel zu sagen - das verwundert angesichts der gemeinsamen Geschichte.

(Foto: obs)

Scully und Mulder sind zurück. Doch "Akte X" hat 2016 ein Problem: Verschwörungstheorien rund um dunkle Regierungsmachenschaften sind überstrapaziert.

Manchmal können einem Fernsehsender wie düstere Labore vorkommen, in denen ethisch fragwürdige Experimente stattfinden. Sogenannte Crossovers, Reboots oder Spin-Offs - unterambitionierten TV-Machern stehen eine ganze Menge Instrumente zur Verfügung, um eine Seriengeschichte über ihr natürliches Ende hinaus am Leben zu erhalten. Zahllose Serien werden so der Restaurierung unterzogen. Egal, ob 24, Twin Peaks oder die Gilmore Girls; zuletzt hat es sogar den 80er-Jahre-Haudegen MacGyver erwischt.

Unter all diesen Reanimierungs-Verfahren ist das Revival mit Sicherheit das ehrlichste - man arbeitet so weit wie möglich mit der gleichen Besetzung. Und zugleich ist es am schwierigsten durchzuführen. Wie gut haben sich die Original-Darsteller gehalten? Ist das Original-Setting noch zeitgemäß?

Im Falle von Akte X, das nun als sechsteilige Miniserie zurück ins deutsche Fernsehen kommt, gesellen sich zu diesen Fragen noch ein paar weitere: Wie überbrückt man mal eben die 14 Jahre, die seit der letzten Staffel vergangen sind? Und wie zeitgemäß ist der Ausgangspunkt einer Serie, deren erste Episode vor bald einem Vierteljahrhundert lief? Was ja auch bedeutet, dass ein nicht unerheblicher Teil der werberelevanten Zielgruppe von heute damals entweder noch nicht geboren war oder von seinen Eltern das Anschauen der kaum grusligen Serie verboten bekam.

Duchovny ist ähnlich derangiert wie in Californication

Man wollte "der vergangenen Zeit Rechnung tragen", sagte Serienerfinder Chris Carter vor der Premiere der neuen Pilotfolge. Und so sieht man Dana Scully (Gillian Anderson) in der Jetztzeit, wie sie sich als verhärmte Krankenhaus-Chirurgin verdingt. Ihr ehemaliger Partner Fox Mulder (David Duchovny) ist gänzlich abgetaucht. Duchovny sieht dabei ähnlich derangiert aus wie zuletzt in der Serie Californication, wenn auch aus gänzlich anderen Gründen.

Als sie wieder aufeinandertreffen, haben sie sich zunächst wenig zu sagen. Was ein bisschen seltsam ist, schließlich haben die beiden Rollen nicht nur neun TV-Staffeln und zwei Kinofilme zusammen überstanden, sondern auch diverse Schicksalsschläge: Depressionen, eine Krebserkrankung, eine Affäre und außerdem noch ein gemeinsames Kind, das Scully, um es zu schützen, zur Adoption freigab.

In gar nicht mal so eleganten Rückblenden wird die Roswell-Geschichte erzählt

Bei so viel emotionaler Altlast ist es deshalb vielleicht kein Wunder, dass Scully auf die Frage "Vermissen Sie es nicht, die X-Akten" zunächst nur einen müden Blick übrig hat. Es gibt aber auch so viel narrative Altlast, dass die Autoren für Mulder erst mal einen mehrminütigen Monolog geschrieben haben, der noch mal kurz die Dinge darlegt: Ufos, Regierungsverschwörung, alles so weit bekannt.

Einmal wiedervereint treffen Scully und Mulder auf Geheiß ihres ehemaligen Chefs Skinner (Mitch Pileggi) auf den ultrarechten Online-Populisten Tad O'Malley (Joel McHale). Der ist sogar noch paranoider als Mulder selbst. Als Inspiration für die Figur dient wohl zu gleichen Teilen Fox-Moderator Bill O'Reilly und die 9-11-Truth-Bewegung. Dieser geschniegelte Untergangsprophet O'Malley, den seine eigene Version der Wahrheit ganz nebenbei reich gemacht hat, präsentiert den abgehalfterten Agenten einmal mehr ein vermeintliches Opfer außerirdischer Entführungen. In gar nicht mal so eleganten Rückblenden wird gleich nochmal die Roswell-Geschichte erzählt.