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Serie "Helden der Nation" bei Disney+:Im Kosmos weißer Alphamänner

Nur einer kann der Erste im All werden: Szene aus "Helden der Nation".

(Foto: Gene Page; Disney/National Geographic)

"Helden der Nation" basiert auf dem gleichnamigen Reportage-Roman von Tom Wolfe rund um das Thema Raumfahrt. Die Serie taucht ein in das biedere Amerika der späten Fünfzigerjahre.

Von Stefan Fischer

"Wo sind die Flugzeuge?", wundert sich einer der forschen Testpiloten, als er einen leeren Hangar betritt. "Welche Flugzeuge?", antwortet ein vorlauter Jungspund der neu gegründeten Nasa. Es geht für sieben auserwählte Flieger-Asse fortan darum, für den ersten bemannten Flug ins All zu trainieren. Kampfflugzeuge waren gestern, Raketen sind die Zukunft. Sie soll für die Amerikaner unbedingt früher beginnen als bei den Sowjets. Die Jungs mit Drang ins All sind jetzt keine Piloten mehr. Sie sind Mercury Astronauts.

Dafür, dass Die Helden der Nation im Pilotenmilieu spielt, tauchen tatsächlich wenige Flugzeuge auf. Am Beginn steht eine - tödliche - Hasardeurnummer am Himmel, nur der bessere, der kaltschnäuzigere der beiden Piloten überlebt. Ansonsten spielt die Serie vor allem in Offizierscasinos, Kasernen - und zunehmend auch in Hotels. Die Helden der Nation basiert auf dem gleichnamigen Reportage-Roman von Tom Wolfe, im Original The Right Stuff, von 1979. Den Titel Fegefeuer der Eitelkeiten sparte Wolfe sich noch auf für seinen großen Roman, der acht Jahre später erschienen ist. Er hätte aber auch hier schon sehr gut gepasst.

"Fegefeuer der Eitelkeiten" hätte auch hier schon gepasst.

(Foto: Disney/National Geographic/Gene Page)

Nach außen werden die sieben Flieger als propere Jungs verkauft, als sympathisch, integer, charmant. Und vor allem: als ein Team. Aber die Journalistenmeute weiß natürlich - und die Mercury Astronauts wissen es erst recht -, dass nur einer von ihnen der erste Mensch oder zumindest der erste Amerikaner im All sein wird. Ein Name wird in die Geschichte eingehen, die übrigen sechs Namen werden wieder vergessen werden.

Die Mercury Astronauts ahnen, dass nicht nur interne Bewertungen der Nasa den Ausschlag geben werden, auf wen die Wahl fällt. Sondern auch, wen die Bevölkerung am liebsten im All sehen möchte. Bald haben sie einen PR-Berater und exklusive Medienverträge. Die Nasa inszeniert das Septett, als hätten die Männer die Mission bereits erfüllt. Sie braucht die öffentliche Begeisterung, damit die zögerliche US-Regierung die notwendigen Gelder freigibt. Noch ist Kennedy nicht Präsident, der zwei Jahre später, 1961, das Ziel ausgeben wird, binnen eines Jahrzehnts Menschen auf den Mond zu bringen. Noch gibt es Zweifel am Sinn der Mission. Jeder der sieben Mercury Astronauts nutzt diese Propaganda-Plattform vor allem nach Kräften für Werbung in eigener Sache.

Die Serie taucht ein in einen Kosmos weißer Alphamänner, in das biedere Amerika der späten Fünfzigerjahre. Und ist dabei selbst ziemlich brav, jedenfalls in den ersten beiden Folgen. Die Rivalitäten der Männer untereinander haben etwas sehr Unschuldiges. Als hätte es sich die Serie zur Aufgabe gemacht, ihrerseits noch einmal polierte Helden der Nation zu erschaffen.

Die Helden der Nation, bei Disney+*

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© SZ/ebri
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