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Serientipps:Fernweh für den Bildschirm

Ans Meer oder doch lieber ins Eis? Dieser Serientipps lassen zumindest den Kopf verreisen.

(Foto: Netflix (4), Joyn, Amazon, ZDF; Collage: SZ)

Ausflüge und Urlaubsreisen fallen in diesen Osterferien aus. Mit diesen Serien kann man trotzdem Japan, Finnland oder Brasilien erkunden - zumindest ein bisschen.

Von Kathrin Hollmer

Fernsehen war immer auch Eskapismus. Ein paar Mal im Jahr legt das Traumschiff ab. Früher wurde in der Klinik unter Palmen operiert, heute wird in Kroatien-, Barcelona- und Bozen-Krimis ermittelt. Serien machen es möglich, dass man wirklich eintaucht in ferne Länder, aufregende Großstädte und entlegene Flecken. Im besten Fall ist die Landschaft nicht nur Kulisse, sondern spielt auch eine Rolle, prägt und beeinflusst ihre Bewohner. Sechs Serien, mit denen man um die Welt reisen kann, solange die Kontaktbeschränkungen keine Fahrten in den Urlaub erlauben.

Ans Meer mit "The Pier"

Reiseziel: der Naturpark La Albufera in der Nähe von Valencia

Sehenswürdigkeiten: Die ganze Serie ist ein Sehnsuchtsort. Die Reisfelder in Albufera reichen bis zum Horizont, Verónicas Haare wehen im Wind, wenn sie mit dem Moped entlang der Küste fährt oder mit ihrem Geliebten Óscar auf einem Steg in der Sonne liegt. Das ultimative Freiheitsgefühl: Óscar hat seine Schwimmsachen vergessen und treibt nackt, mit ausgestreckten Armen und Beinen, in der Lagune.

Selfie-Moment: Auf Verónicas Terrasse mit Blick auf das Schilf und die Reisfelder von Albufera.

Souvenir: Die Musik von Travis Birds, eine Singer-Songwriterin aus Madrid, von der auch der Titelsong stammt.

Wer es dort mag... verreist auch gern an die Küste Südenglands mit Broadchurch (Netflix), auf die Südinsel Neuseelands mit Top Of The Lake (Maxdome, Amazon), weniger rau ist es am Strand von Malibu (die alten Baywatch-Folgen gibt's bei Amazon Prime). 8 Folgen, Joyn

Abenteuerurlaub mit "Queen Sono"

Reiseziel: Afrika, gedreht wurde an 37 Orten, unter anderem in Johannesburg, auf Sansibar, im Kongo und in Kenia.

Sehenswürdigkeiten: Auf einem Markt auf Sansibar trinkt die Titelheldin Queen Sono aus einer Kokosnuss (und prügelt sich), später fährt sie mit dem Fahrrad durch Johannesburg. Die Serie führt quer durch den afrikanischen Kontinent, bis in eine Diamantmine im Kongo und den Busch in Kenia.

Worum geht's: Spionage-Action in Bond-Manier. Die südafrikanische Agentin Queen Sono (Pearl Thusi) ist die Tochter einer legendären südafrikanischen Freiheitskämpferin. Sie wurde ermordet, als Sono noch ein Kind war. Die erste afrikanische Netflix-Originalserie zeigt ein klischeefreies modernes Bild von Afrika, anders als man es im Fernsehen gewohnt ist.

Selfie-Moment: Bei Sonnenuntergang auf dem Segelboot im Hafen von Sansibar.

Souvenir: praktischer Geschichtsunterricht über die Folgen des Kolonialismus, die bis in die Gegenwart reichen.

Wer es dort mag... macht auch gern einen Roadtrip durch Mexiko mit Unaufhaltsam (Netflix) oder reist nach Abu Dhabi mit Mirage (ZDF Mediathek). 6 Folgen, Netflix

Eis und Schnee mit "Arctic Circle"

Reiseziel: Ivalo in Finnisch-Lappland, 250 Kilometer nördlich des Polarkreises

Sehenswürdigkeiten: Einsame Hütten, schneebedeckte Wälder, überhaupt die Weite Lapplands. Wenn die Bewohner durch den Schnee stapfen, versinken sie bis zu den Knien, darum bewegt man sich mit Langlaufskiern fort. Wilde Verfolgungsjagden auf Motorschlitten gibt es auch.

Worum geht's: In dem kleinen Ort werden nicht nur Prostituierte ermordet, es bricht auch noch das tödliche "Jemen-Virus" aus. Die ortsansässige Polizistin Nina Kautsalo (Iina Kuustonen) bekommt Unterstützung vom deutschen Virologen Dr. Thomas Lorenz (Maximilian Brückner).

Selfie-Moment: am Flughafen mit den Rentieren, die dort vom Streusalz naschen.

Souvenir: Wenigstens eine Finnisch-Vokabel (das ZDF darf die Serie aus lizenzrechtlichen Gründen auch online nicht im Originalton zeigen). Nina nennt ihre Tochter Pupu - Hase.

Wer es dort mag... verreist auch gern nach Island mit Valhalla Murders (Netflix) oder in die verschneiten Alpen mit Der Pass (Sky, ZDF Mediathek). 10 Folgen, bis 14. April in der ZDF Mediathek

Städtereise mit "Followers"

Reiseziel: Tokio

Sehenswürdigkeiten: New York ist nicht die einzige Stadt, die niemals schläft. Followers begleitet die Nachwuchsschauspielerin Natsume in schrillbunte Einkaufszentren und ebensolche Partys. In der pulsierenden Hauptstadt Japans liefert sie mit dem Fahrrad Essen aus, ihr Weg führt auch über die berühmte Straßenkreuzung im Stadtbezirk Shibuya. Immer im Blick: die Skyline mit dem Tokyo Tower, der nach dem Vorbild des Eiffelturms gebaut wurde.

Worum geht's: Natsume (Elaiza Ikeda) hat keinen Erfolg als Schauspielerin, das ändert sich, als sie zufällig die erfolgreiche Modefotografin Limi (Miki Nakatani) trifft, die wiederum private Probleme hat. Lohnt sich vor allem wegen der Bilder von Tokio, die Story über eine Gesellschaft, in der es nur um Follower geht, ist leider etwas dünn.

Selfie-Moment: vor den unzähligen Kirschbäumen, die seit Ende März in Japan blühen.

Souvenir: die Idee von "Running Sweets" (wie Running Sushi, nur laufen kleine Desserts und Süßigkeiten übers Band), die sich in Japan längst durchgesetzt hat.

Wer es dort mag... verreist auch gern nach Berlin mit Unorthodox (Netflix) oder nach Timișoara im Westen Rumäniens mit Hackerville (bis 24.4. in der ARD-Mediathek, Joyn). 9 Folgen, Netflix

Kreuzfahrt mit "High Seas"

Reiseziel: Rio de Janeiro

Sehenswürdigkeiten: Wie bei jeder Kreuzfahrt ist auch hier der Weg das Ziel: die Überfahrt von Spanien nach Brasilien. Auf dem Schiff "Bárbara de Braganza" gibt es glamouröse Gala-Dinner, die Passagiere der ersten Klasse spazieren an Deck oder lehnen an der Reling mit Blick auf die Wellen. Die Enge in den billigeren Decks wird auch spürbar.

Worum geht's: In den 1940ern kommen auf einem Kreuzfahrtschiff Passagiere unter mysteriösen Umständen zu Tode. Neben einem Detektiv ermitteln auch die Schwestern Eva (Ivana Baquero) und Carolina (Alejandra Onieva), die mit ihrem Onkel reisen. Die spanische Serie erreicht nicht die Dynamik von Vorbildern wie Tod auf dem Nil oder Mord im Orient-Express, wegen der liebevollen Ausstattung ist sie trotzdem sehenswert.

Selfie-Moment: Am Frühstückstisch mit Meerblick.

Souvenir: Die Erinnerung daran, dass Aufs-Wasser-Starren immer glücklich macht, auch wenn das Panorama nur virtuell ist.

Wer es dort mag... verreist auch gern mit dem Traumschiff nach Marokko (am 12.4. im ZDF, ab 11.4. in der Mediathek). 16 Folgen in zwei Staffeln, Netflix

Wellness mit "Forever"

Reiseziel: die Vorstadt von Riverside in Kalifornien

Sehenswürdigkeiten: Nicht so viele, Forever ist Entschleunigung zum Streamen. Junes und Oscars Hauptbeschäftigung ist Spazierengehen und Shuffleboard-Spielen. June bringt sich selber Töpfern bei, Oscar versucht - mit mäßigem Erfolg - jeden Tag ein Kreuzworträtsel zu lösen ("Geht es um falschgeschriebene Bundesstaaten?"). Ihren Alltag sieht man in langen Einstellungen, auch wie sie minutenlang über existenzielle Dinge (die beste Art zu sitzen oder das beste Essen am Strand) philosophieren. Ohne zu langweilen, und das ist schon eine große Kunst.

Worum geht's: Schwer zu sagen, ohne schlimm zu spoilern. June (Maya Rudolph) und Oscar (Fred Armisen) sind seit zwölf Jahren glücklich verheiratet, besonders June ist aber etwas gelangweilt. Als sie Abwechslung in ihre Beziehung bringen, hat das ungeahnte Konsequenzen, die über "bis dass der Tod sie scheidet" hinausreichen. Komplett unaufgeregte Wohlfühlserie, tröstend und mit liebevollen Details.

Selfie-Moment: Bei Junes und Oscars Spaziergang am Meeresgrund zwischen Fischschwärmen und Seegras (warum sie das können, soll hier nicht verraten werden).

Souvenir: Handarbeitstipps von Junes und Oscars Nachbarin Kase, die keinen BH mehr tragen will und aus ihren alten einen riesigen Super-BH näht.

Wer es dort mag... fühlt sich auch mit Modern Love (Amazon Prime) und Love (Netflix) wohl. 8 Folgen, Amazon Prime

© SZ vom 04.04.2020/tmh
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