bedeckt München 21°

Fernsehen und Streaming:Das sind die Serien des Monats

Serien des Monats

(Foto: Verleihe)

"Drei Meter über dem Himmel" lässt vom Urlaub an der Adria träumen. In "Trying" versuchen semi-hippe, semi-junge Großstädter, ihre Neurosen mit ihrem Kinderwunsch zu vereinbaren.

Hollywood

Was passiert: Der einstige Soldat Jack Castello (David Corenswet) will in Hollywood zum Star werden, arbeitet aber erst einmal an einer Tankstelle, wo vermögende Frauen junge Männer als, nun ja, Begleiter engagieren. Er schafft den Sprung ins Filmgeschäft, das viel verdorbener ist als die Arbeit an der Tankstelle. Es ist ein wunderbar produzierter Blick auf das Hollywood der 1940er Jahre - der jedoch am Ende seine Wirkung verliert, weil Regisseur Ryan Murphy unbedingt eine fiktive Happy-End-Ebene einführen will.

Heimlicher Star: Jim Parsons als bitterböser Hollywood-Kotzbrocken, der sich damit von seiner Rolle als neurotisches Genie Sheldon Cooper in The Big Bang Theory löst und Emmy-Kandidat sein dürfte.

Nicht geeignet für: Leute, die sich einen realistischeren Blick auf Hollywood wünschen, wie es zum Beispiel in Filmen wie Sunset Boulevard, The Player, Mulholland Drive passiert. Jürgen Schmieder

Zu sehen auf Netflix, sieben Folgen

Meine geniale Freundin

Was passiert: Lila (Gaia Girace) ist unglücklich verheiratet und wäre gern in der Schule. Elena (Margherita Mazzucco) ist gelangweilt von der Schule und wäre gern mit dem schönen Nino zusammen. Sie versuchen, innerhalb der eng gesteckten Grenzen ihres ärmlichen neapolitanischen Viertels so etwas wie ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Staffel zwei der Romanverfilmung von Elena Ferrante aber zeigt, dass Selbstbestimmung für Frauen in den frühen 60er Jahren nur zu einem extrem hohen Preis zu haben ist.

Heimlicher Star: Die Insel Ischia mit all ihren unverschämt mediterranen Verlockungen. Und Annarita Vitolo als Elenas Mutter. Als Elena an die Universität gehen will, macht sie eine riesige Szene, nur um später mit einem Topf voller Suppe mit dem Zug zu ihrer Tochter zu fahren.

Nicht geeignet für: Fans der Synchronisation - die deutsche Fassung wirkt seltsam platt. Man sollte die Serie im neapolitanischen Dialekt schauen. So wie die Schauspieler die Wörter kauen und hinspucken, bekommt man ein besseres Gefühl für den rauen Umgang im Viertel. Und es gibt ja Untertitel. Christiane Lutz

Zu sehen bei Magenta TV, acht Folgen.

Trying

Was passiert: Die Londoner Nikki und Jason sind Mitte dreißig und wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind. Weil sie auf biologischem Weg keins bekommen können, entschließen sie sich, zu adoptieren und müssen bald feststellen: Das ist gar nicht so einfach.

Heimlicher Star: Imelda Staunton als überarbeitete Jugendamtangestellte Penny. Mit einer Mischung aus Herzlichkeit und Galgenhumor navigiert sie Nikki und Jason durch alle demütigenden Befragungen, Selbstzweifelattacken und Beziehungskrisen, die so ein Adoptionsprozess mit sich bringt.

Nicht geeignet für: Menschen, die es überdrüssig sind, semi-hippen, semi-jungen Großstädtern beim Problemehaben zuzuschauen. "Wo die Neurosen wuchern, will ich Landschaftsgärtner sein", singen Element of Crime und ungefähr so kommt auch Trying daher. Luise Checchin

Zu sehen bei AppleTV, acht Folgen

White Lines

Was passiert: Nachdem die Leiche ihres vor zwanzig Jahren verschwundenen Bruders gefunden wird, begibt sich Zoe Walker (Laura Haddock) auf Spurensuche nach Ibiza. Dort umgibt sie sich mit den alten Freunden ihres toten Bruders und wird eingesogen in den Rausch der Insel, samt Party, Sex und Drogen. Wie das alles inszeniert ist, macht eine Menge Spaß.

Heimlicher Star: Nuno Lopes als Duarte "Boxer" Silva, Sicherheitschef der reichen Calafat-Familie und eigentlich ein ganz harter Kerl, der bei Zoe aber ganz weich wird, als er ihr geradezu herzzerreißend seine Gefühle gesteht.

Nicht geeignet für: Menschen, die eine Ab-neigung gegen Drogenkonsum in Serien haben. Gekokst wird viel - erwartbar bei dem Titel. Theresa Rauffmann

Zu sehen auf Netflix, zehn Folgen

Drei Meter über dem Himmel

Was passiert: Die Jugend, die Liebe, der Sommer. Die italienische Produktion spielt in einem Badeort, samt monotonen Bettenburgen, die aber nicht so aussehen. Protagonistin Summer (Rebecca Coco Edogamhe) hat Familienprobleme, fängt einen Job im Hotel an und verliebt sich in Alessandro (Ludovico Tersigni), der auch Familienprobleme hat und keine Lust mehr auf eine Karriere als Motorradrennfahrer. Das basiert auf einem Roman von Federico Moccia, der 2004 schon als italienischer Film und 2010 als spanisches Remake erzählt wurde und nun eben als Serie. Die hat tolle Musik zu bieten und so schöne Bonbonfarben, dass man gar nicht anders kann, als Urlaubsgefühle zu bekommen.

Heimlicher Star: Summers Skateboard. Ohne das sähe sie nur halb so cool aus und die Adria nicht wie Kalifornien.

Nicht geeignet für: Menschen, die nicht zum Genuss fähig sind, und die "Sex Education" auch schon zu hübsch fanden, um wahr zu sein. Elisa Britzelmeier

Zu sehen bei Netflix, acht Folgen

The Eddy

Was passiert: Elliot Udo (André Holland) betreibt gemeinsam mit seinem Kumpel Farid (Tahar Rahim) einen Jazzclub in Paris, das namengebende "Eddy". Aber Farid wird umgebracht, weil er sich auf Geschäfte mit den falschen Leuten eingelassen hat, Elliot hat Familienstress, weil seine minderjährige Tochter zu ihm zieht, außerdem Geldsorgen und eine nicht unkomplizierte Beziehung zur Sängerin Maja (Joanna Kulig). Dazwischen: Sehr, sehr viel Jazz und goldenes Licht. La-La-Land-Mastermind Damien Chazelle ist der ausführende Produzent dieser Serie und führte bei einigen Folgen Regie.

Heimlicher Star: Der Afro von Elliots Tochter Julie (Amandla Stenberg) und die Szene, in der ihr Vater ihn das erste Mal sieht. Dafür muss man aber bis zur vorletzten Folge durchhalten.

Nicht geeignet für: Leute, die Jazz hassen oder damit zumindest nicht viel anfangen können. Denn anders als in La La Land gibt es keinen Ryan Gosling, der die Skeptiker mitreißt. Theresa Hein

Zu sehen auf Netflix, acht Folgen

© SZ vom 28.05.2020/luch

Bücher des Monats

Eine Abschiedshymne auf das unvorsichtige Leben

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite