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Fernsehen und Streaming:Das sind die Serien des Monats

Baby Yoda muss zurück nach Hause - das ist nicht so einfach, aber dafür sehr niedlich anzuschauen. Und Ethan Hawke mimt den Sklavenbefreier in "The Good Lord Bird". Die Empfehlungen im November.

Von SZ-Autoren

The Mandalorian, Staffel zwei

Was passiert: Der grummelige Mandalorianer (Pedro Pascal) will das niedlichste Alien der Galaxis, besser bekannt als "Baby Yoda", das er in der ersten Staffel (vorerst) vor imperialen Schurken gerettet hat, zurück zu seinen Artgenossen bringen. Mando kurvt also durchs All, auf der Suche nach dem Ort, wo die Yodas wohnen. Dabei muss er nach dem Prinzip "Mission der Woche" Riesensandwürmer und grässliche Eis-Spinnen besiegen. Ein großes Action-Vergnügen mit viel Humor und Herz.

Heimlicher Star: Die Razor Crest, Mandos altersschwaches Raumschiff. Ständig kracht es auf Planetenoberflächen, verliert Teile und wird von wenig vertrauenswürdigen Mechanikern zusammengeflickt - auf einem Wasser-Mond sogar mit Schiffstau - und rumpelt trotzdem tapfer weiter durchs All.

Nicht geeignet für: Leute, die es schaffen, in Baby Yoda nichts weiter als ein clever konzipiertes Marketinginstrument zu sehen, mit dem haufenweise Lego-Sets, Plüschtiere und Bettwäsche verkauft werden sollen. Kathleen Hildebrand

The Mandalorian, Staffel zwei, acht Folgen, auf Disney+.

The Good Lord Bird

Was passiert: Ethan Hawke zieht im späten 19. Jahrhundert als Abolitionist John Brown durch den Mittleren Westen der USA, um Sklaven zu befreien. Mit im Schlepptau hat er Henry Shackleford, einen Sklavenjungen, den er fälschlicherweise für ein Mädchen, Henrietta, hält. The Good Lord Bird basiert auf James McBrides Romanvorlage und ist komisch, aufwühlend und grausam zugleich.

Heimlicher Star: Henry "Onion" Shackleford, der die Vorfälle klug und voller Ironie reflektiert. Joshua Caleb Johnson gibt seinem Henry die richtige Mischung aus Naivität, Ironie und Klugheit - und entlarvt John Brown auf seine Weise.

Nicht geeignet für: Geschichtspedanten, die sich daran stören, dass die Abläufe nicht historisch akkurat dargestellt werden. Aber erst diese Freiheit macht The Good Lord Bird einzigartig. Carolin Gasteiger

The Good Lord Bird, acht Folgen, auf Sky.

Und jetzt: Die Muppets

Was passiert? Ungefähr das, was zu den großen Zeiten in den Siebzigern auch passiert ist. Hensons Plüschgiganten - Kermit, Miss Piggy, Scooter und die anderen - begegnen sich selbst und dem Publikum und auch mal einem prominenten Gast. Allerdings nicht mehr, wie damals, in einem Varieté-Theater, sondern in einer Art Webshow. Ihre Bühne ist jetzt der geteilte Zoom-Bildschirm. Piggy ist Influencerin und der schwedische Koch tritt gegen Halbprominente in einer Kochshow an.

Heimlicher Star: Früher war das Gorgon Heap, ein Riesenmonster, das jedes Kind in Angst und Schrecken versetzte. Warum, steht in aller Lakonie auf der Muppet-Wiki-Seite: "Er wurde häufig gesehen, wie er andere Muppets aß." Keine Angst: So was gibt es heute nicht mehr, die Muppets sind braver geworden unter der Obhut von Disney. Und Punk ist eh tot.

Nicht geeignet für: Gorgon-Heap-Ultras und überhaupt alle Fans der Muppets von früher. Immerhin: Der Frosch sieht immer noch taufrisch aus. Holger Gertz

Und jetzt: Die Muppets, sechs Episoden, auf Disney+.

Ethno

Was passiert: Ben (Benaissa Lamroubal) hat sein Studium abgebrochen und muss nun seine Bafög-Schulden zurückzahlen. Deswegen beschließt er, sich als Stand-up-Comedian zu versuchen, um so hoffentlich schnell an Geld zu kommen. Sein Vater, ein Marokkaner, der ausgewandert ist, um seinen Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen, darf davon freilich nichts erfahren. Und auch sonst ist der Weg nach oben für Ben nicht gerade einfach: Erst als er das deutsche Publikum mit Terroristenwitzen versorgt, wird er schlagartig zum Comedystar. Wohl fühlt er sich in der Rolle nicht, aber sie bringt Ruhm und Erfolg, also: Warum eigentlich nicht?

Heimlicher Star: Der alte Mann im Bärenkostüm, der die ganze Serie über hinter Ben hergeht und um Aufmerksamkeit buhlt: sein fleischgewordener Migrationshintergrund.

Nicht geeignet für: Menschen, die über und nicht mit Migranten lachen. Marija Barišić

Ethno, vier Folgen, im WDR-Youtube-Kanal Comedy & Satire und in der ARD Mediathek.

The Crown, Staffel vier

Was passiert: In der neuen Staffel der großartigen Serie über die britische Königsfamilie geht es um die Achtzigerjahre. Sie sind ein bitteres Jahrzehnt für Großbritannien: Unter Margaret Thatcher als Premierministerin gibt es Sozialstaatsabbau, den Falklandkrieg, das Apartheid-Regime im Commonwealth-Land Südafrika - und das ist nur die Innen- und Weltpolitik. Zur selben Zeit tritt auch Lady Diana Spencer auf den Plan und wird zur Prinzessin von Wales und der Herzen, zur meistfotografierten, traurigsten schönen Frau der Welt. Emma Corrin spielt sie fast gruselig genau.

Heimlicher Star: Neben Diana wirkt Anne, die Schwester von Charles, wie die Prinzessin des Understatements. Ihr Pragmatismus, gepaart mit unterdrückter Wut (und sehr schicken Hermès-Seidentüchern, die sie unter der Reiterkappe trägt), machen sie aber zur coolsten und ja, auch sympathischsten Figur der Windsor-Familie.

Nicht geeignet für: Historiker. Denn auch wenn man dieser Serie alles glauben will, was sie zeigt, sind natürlich beinahe alle Dialoge - ob auf der Jagd im schottischen Hochland, im Schlafzimmer von Buckingham Palace und im Privatflugzeug der Krone - komplett ausgedacht. Kathleen Hildebrand

The Crown, Staffel 4, zehn Folgen, Netflix.

#heuldoch - Therapie wie noch nie

#heuldoch - Therapie wie noch nie

Gloria (Bärbel Schwarz) und Lin (Karin Hanczewski) geben sich als Therapeutinnen aus und drillen ihre Patienten.

(Foto: ZDF und Felix von Boehm)

Was passiert: Gloria (Bärbel Schwarz) und Lin (Karin Hanczewski) - eben aus dem Frauenknast geflüchtet - finden Unterschlupf in einem einsamen Landhaus. In diesem wohnt und praktiziert Verhaltenstherapeutin Dr. Charlotte Scharf (Belinde Ruth Stieve), die beim Anblick der beiden Eindringlinge mit letalen Folgen aus dem Bett fällt. Kurz nach dem Unfall erscheint eine Gruppe Therapiebedürftiger: vier Männer, allesamt überführte Sexualstraftäter, Prototypen des übergriffigen Sexisten. Und so erklärt sich das feministische Knast-Duo Gloria und Lin kurzerhand zum Therapeutinnen-Team. Es folgt ein Therapie-Theater, das gelegentlich platt daherkommt, aber meistens unterhaltsam ist und bitterböse.

Heimlicher Star: Die tote Dr. Charlotte Scharf, die fortan in der Kühltruhe weilt. Am Ende der Serie hat man das Gefühl, auch sie ist mit dem Geschehenen nicht unzufrieden ...

Nicht geeignet für: Menschen, die sich schnell fremdschämen. Die Sprache ist explizit und direkt, und einige Szenen, nun ja, sehr albern. Fabian Dombrowski

#heuldoch - Therapie wie noch nie. Fünf Folgen, in der ZDF- und Arte-Mediathek.

© SZ/tmh
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:Das sind die Serien des Monats

"I may destroy you" ist detektivisches Psychogramm und Generationenporträt, in "Das Damengambit" geht es um mehr als Schach und in "Barbaren" hört man wunderschönes Latein. Die Empfehlungen im Oktober.

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