Was passiert: King Lear trifft Rupert Murdoch trifft Axel Springer - und selbst dieser Dreiklang beschreibt den Irrsinn der Familiensaga nur ungenügend. Noch immer sucht der Medienmogul Logan Roy einen Nachfolger für sein TV- und Entertainment-Imperium. Noch immer hält er keines seiner Kinder, die sich gegen ihn verbünden, für würdig. Und doch muss und wird eine Entscheidung fallen. Erfinder und Drehbuchautor Jesse Armstrong hat angekündigt, dass die vierte Staffel die letzte sein wird. Das Ende ist nah.
Heimlicher Star: Die dritte Folge dieser Staffel, in der eine monumentale Wendung fast ausschließlich über verzerrte Handy-Anrufe erzählt wird. Serien-TV-Geschichte.
Nicht geeignet für: Freunde von Feuerbällen und Verfolgungsjagden. Spannung und Unterhaltung entstehen hier aus Dialogen, in denen jede Beleidigung, jedes Stottern mit dem Skalpell gesetzt ist. Fabian Heckenberger
Succession, zehn Folgen, auf Wow.

Was passiert: Danny Cho (Steven Yeun) und Amy Lau (Ali Wong) begegnen sich auf dem Parkplatz eines Supermarktes - oder besser: Sie prallen aufeinander. Ein Mini-Vorfall führt zu einer Verfolgungsjagd und dazu, dass sich die beiden einander im Verlauf der zehn Folgen der ersten Staffel immer schlimmere Dinge antun. Dabei würden sie erkennen, wenn sie nur einmal richtig miteinander redeten, dass sie einander bestens verstehen könnten.
Heimlicher Star: Die Stadt Los Angeles, die so gezeigt wird, wie sie tatsächlich ist: ein Ort von vergilbter Selbstverliebtheit, wo jeder am Ende lediglich die Nebenrolle im Leben anderer, meist mächtigerer Leute spielen darf.
Nicht geeignet für: Leute, die glauben, dass sie es schlimmer getroffen haben als andere. Die Serie führt einem vor Augen: Nein, es geht immer noch ein wenig schlimmer - und es interessiert niemanden, wie es einem selbst geht.
Beef, zehn Folgen, bei Netflix.

Was passiert: Miriam "Midge" Maisels Comedy-Karriere kommt zu einem Ende - oder fängt sie gerade erst an? In der fünften und finalen Staffel fängt die frühere Hausfrau, die zufällig ihr Comedy-Talent entdeckt hat, als Autorin einer Talkshow an. Und hofft auf den Durchbruch. Drumherum ist wieder ihre völlig verrückte Familie.
Heimlicher Star: Gar nicht so heimlich, aber im Finale wird umso verständlicher, warum Alex Borstein für die Rolle von Maisels Managerin Susie Myerson gleich zwei Emmys gewonnen hat. Unvergleichlich grummelig, grantig und trotzdem liebevoll.
Nicht geeignet für: Zen-Anhänger und Fans weniger Worte. Carolin Gasteiger
Marvelous Mrs. Maisel, neun Folgen, auf Amazon Prime.

Was passiert: Am ehesten einfach das Leben, oder was man eben in Serien gerade gern dafür ausgibt. Die Schauspieler Emil und Oskar Belton spielen also sich selbst, beziehungsweise eine irgendwie deformierte Version davon. Bruno Alexander, Max Mattis und Leo Fuchs sind auch dabei, auch unter ihren echten Namen und gemeinsam wühlen sie dann tief in den Eingeweiden der menschlichen Unzulänglichkeiten. Exorbitant tief. Es geht ungefähr an den Schmerzpunkten los, an denen die Serie Jerks die Hand zurückzieht.
Heimlicher Star: die Darstellungen von Sex. Es gibt viel davon, sehr explizit, aber nicht nur für eine Serie, die auf maximale Eskalation von Scham ausgelegt ist, ist das erstaunlich selten peinlich.
Nicht geeignet für: Menschen, denen Erzählstränge im herkömmlichen Sinne wichtig sind. Jakob Biazza
Intimate, acht Folgen, auf Joyn.

Was passiert: Die zu Beginn der Serie als Cocktail-Kellnerin in Las Vegas herumgammelnde Charlie wird zur Ermittlerin wider Willen. Wo sie hinkommt, wird gemordet, geschubst, vergiftet. Weil Charlie Lügen erkennt, immer, kann sie gar nicht anders, als die Fälle gleich aufzuklären. Das führt zu Schwierigkeiten, sie begibt sich flüchtend auf einen Roadtrip durch die mordenden USA. Großer Spaß!
Heimlicher Star: Natasha Lyonnes Stimme: Völlig zerkratzt und verraucht hört sie sich an, das passt perfekt zur Rolle.
Nicht geeignet für: Alle, die den Filmen "Glass Onion" oder "Knives Out" des Serienmachers Rian Johnson gar nichts abgewinnen konnten. Oder, wenn so etwas möglich ist, den guten alten Fernsehkommissar Columbo nicht mochten. Aurelie von Blazekovic
Poker Face, zehn Folgen, auf Wow.

