Serien des Monats Mai:Man könnte sich ertappt fühlen

Lesezeit: 2 min

Judy Davis als Hedda Hopper (l.) und Jessica Lange als Joan Crawford. (Foto: Disney+/Suzanne Tenner/FX)

"Feud: Capote vs. The Swans" hat nichts mit Capotes Literatur zu tun, Sunnyi Melles brilliert in "Die Zweiflers" und Ewan McGregor in "Ein Gentleman in Moskau": Die Empfehlungen des Monats Mai.

Von Johanna Adorján, Jakob Biazza, Carolin Gasteiger, Fritz Göttler, Harald Hordych und Susan Vahabzadeh

Feud: Capote vs. the Swans

Worum geht's: Der Schriftsteller Truman Capote (Tom Hollander) ist Darling der High-Society-Damen von Manhattan, die er seine Schwäne nennt. Die Frauen, allen voran Babe Paley (Naomi Watts), vertrauen ihm ihre intimsten Geheimnisse an - und eines Tages veröffentlicht er eine Geschichte, in der er alles ausplaudert. Die Serie ist in weiten Teilen von Gus Van Sant ("Elephant") inszeniert und sinniert opulent über den Ursprung und die Folgen dieses Verrats.

Heimlicher Star: die Räume und Roben der New Yorker Oberschicht der Sechziger- und Siebzigerjahre. Eine Pracht.

Nicht geeignet für: Literaturfans - was Capote tatsächlich geschrieben hat, spielt kaum eine Rolle. Susan Vahabzadeh

Acht Folgen, auf Disney Plus.

Dark Matter - Der Zeitenläufer

Joel Edgerton als Jason Dessen in "Dark Matter". (Foto: Apple TV+)

Worum geht's: Das alte Problem mit Schrödingers Katze - welche verrückten (und fatalen) Folgen es haben muss, wenn man in andere Zeiten und andere Welten überwechseln kann. Und wie man sich am anständigsten verhält, wenn man in einem Diner mit sich selbst an einem Tisch sitzt.

Heimlicher Star: Jennifer Connelly, die ungemein jugendlich wirkt, als Ehefrau und Mutter oder als Künstlerin.

Nicht geeignet für: Alle, denen es wichtig ist, in jedem Erzählmoment die Kontrolle zu behalten, und die zurückschrecken vor der Tür, die wir nie geöffnet haben. Fritz Göttler

Neun Folgen, auf Apple TV+.

Player of Ibiza

Player (Abbildung ähnlich). (Foto: Kleine Brüder/dpa)

Worum geht's: Fünf auf unterschiedliche Art auch charakterlich sehr brünftige junge Männer nehmen an der namensgebenden TV-Show "Player of Ibiza" teil. Denken sie. Tatsächlich gab es beim Sender eine kleine Programmänderung. Statt Eimersaufen am Strand erwartet sie nun ein Feminismus-Bootcamp in Buchholz, Niedersachsen.

Heimlicher Star: Redakteurin Amelie (Larissa Sirah Herden), die das Geschehen in sehr lebensmatten Augen spiegelt.

Nicht geeignet für: Freunde von leisen, fein gezeichneten und in mildem Sepialicht ausgeleuchteten Charakteren. Fans von "Dschungelcamp" und ähnlichen Menschenverachtungen könnten sich außerdem ertappt fühlen. Jakob Biazza

Fünf Folgen, in der ARD-Mediathek .

Die Zweiflers

Jüdische Großfamilie: Lilka (Eleanor Reissa, li.), Mimi (Sunnyi Melles, 2. v. li.), Jackie (Mark Ivanir, re.), und Symcha (Mike Burstyn, 2. v. re.). (Foto: ARD Degeto/HR/Turbokultur/Phillip Kaminiak)

Worum geht's: Die jüdische Großfamilie Zweifler hat im Frankfurter Bahnhofsviertel ein Delikatessen-Imperium aufgebaut. Das Oberhaupt der Familie, sozusagen der Pate, Symcha Zweifler, will sich aus dem Geschäft zurückziehen. Aber wer wird ihn beerben? Und was bedeutet es für die Familie, dass der junge Samuel Zweifler ein Kind mit einer Frau erwartet, die nicht jüdisch ist?

Heimlicher Star: Sunnyi Melles strahlt aus dem großartigen Ensemble vielleicht am intensivsten heraus. Sie spielt die Mutter mit einer solch hinreißend kaum kontrollierten Hysterie, dass es zum Niederknien ist.

Nicht geeignet für: Menschen ohne Herz. Johanna Adorján

Sechs Folgen, in der ARD-Mediathek .

Ein Gentleman in Moskau

Für sie ist das Hotel Metropol eine Art Familienwohnsitz: Anna (Mary Elizabeth Winstead), Graf Rostow (Ewan McGregor) und Nina (Alexa Goodall). (Foto: Jason Bell/Paramount+)

Worum geht's: Der russische Graf Alexander Rostow überlebt die Oktoberrevolution, muss aber als Adliger in lebenslangen Hausarrest. Ins noble Hotel Metropol.

Heimlicher Star: Ewan McGregor ist als charismatischer, lässiger Graf wirklich unterhaltsam - ein tolles Gegenstück zu Obi-Wan Kenobi.

Nicht geeignet für: Realisten. Es geht manchmal fast schon magisch zu. Carolin Gasteiger

Acht Folgen, auf Paramount Plus

The Tattooist of Auschwitz

Berührend: Jonah Hauer-King als Lali Sokolov und Jonas Nay als Nazi-Offizier (r.). (Foto: Martin Mlaka)

Worum geht's: Nach Motiven der wahren Lebensgeschichte des Auschwitz-Überlebenden Lali Sokolov wird eine unmögliche Lovestory im Konzentrationslager erzählt. Der Tätowierer Lali verliebte sich in Gisa und erzählt als 80-Jähriger vom Grauen und vom Glück, das er gleichermaßen gefunden hat.

Heimlicher Star: Jonas Nay, der seine Rolle als machtgetriebener wie empathischer SS-Offizier brillant ausbalanciert.

Nicht geeignet für: Menschen, die Gemeinheit, Erniedrigung und Gewalt als atmosphärischen Grundton nicht akzeptieren können. Harald Hordych

Sechs Folgen, auf Sky/Wow.

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