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Serien-Comeback:"Wen liebt Rory? Darum geht es doch gar nicht!"

Für die beiden Hauptdarstellerinnen Lauren Graham und Alexis Bledel gilt dieses Schweigegelübde offenbar nicht. Wenn auch nicht im selben Tempo wie ihre Serienfiguren, sprechen sie darüber, wie es kam, dass Gilmore Girls im Laufe der Jahre zu einer Art feministischer Vorzeigeserie verklärt wurde. "Eine Serie über zwei Frauen, die nicht in erster Linie über ihre Männer definiert werden, sondern über ihre Interessen und ihre Beziehung zueinander, das ist im Fernsehen immer noch selten", sagt Lauren Graham, die in der Serie die Mutter spielt.

Die traurige Wahrheit ist, dass das vorwiegend weibliche Publikum vor dem Start der neuen Episoden dann doch vor allem eines wissen wollte: Mit welchem der drei Männer, die sie im Laufe der ersten Staffeln liebte, ist die Tochter Lorelai, Spitzname Rory, nach all den Jahren zusammen? "Ich will dann immer antworten: Leute, darum geht's bei uns doch gar nicht!", sagt Schauspielerin Alexis Bledel.

In der Serie ist es zum ersten Mal Sommer

Mag sein. Aber für Netflix war der Aspekt offenbar doch wichtig genug, jede Bemerkung zu Rorys oder Lorelais Liebesleben in die Schweigevereinbarung zu den neuen Folgen mitaufzunehmen. Wobei neue "Folgen" es nicht so richtig trifft: Vier neue Filme sind es geworden, jeweils gut neunzig Minuten lang. A Year in the Life ist der Untertitel der neuen Gilmore Girls, ein Film für jede Jahreszeit. Das hat den Nebeneffekt, dass es in der Serie zum ersten Mal in ihrer Geschichte Sommer sein darf.

"Sommer gab es bei uns früher nie, weil die Folgen immer im Herbst ausgestrahlt wurden", sagt Amy Sherman-Palladino. Die Struktur hat aber auch erzählerische Gründe. "Es musste in den Folgen eine gewisse Zeit vergehen, damit wir für jede Figur eine richtige Geschichte erzählen können", sagt Sherman-Palladino. Das gilt vor allem für die strenge Oma Emily Gilmore, gespielt von Kelly Bishop, die in diesem Jahr den Tod ihres Ehemannes Richard verwinden muss. Dessen Darsteller Edward Herrmann starb 2014.

Das übrige Personal aus den Gilmore Girls scheint sich allerdings wirklich fast vollständig wieder in dem fiktiven Örtchen Stars Hollow versammelt zu haben, auch Köchin Sookie, gespielt von Melissa McCarthy (Ghostbusters, Brautalarm), die in Hollywood mittlerweile so viel Geld verdient, dass es erst so aussah, als könne Netflix sie sich nicht leisten. Fans wird das freuen, bei weniger besessenen Zuschauern führt die Masse an Darstellern allerdings zu dem Eindruck, dass Lorelai und Rory etwa zwei Stunden lang Runden um den Dorfplatz drehen, um jeden einzelnen Nebendarsteller zu begrüßen und drei Worte mit ihm zu wechseln. Erst gegen Ende des zweiten Films nimmt die Geschichte Fahrt auf, um in Folge vier in ein nicht ganz unverkitschtes Finale zu münden.

Durch den verfrühten Ausstieg der Erfinderin bekam die Serie den Nimbus des unvollendeten Werkes

Sherman-Palladino hatte all die Jahre damit kokettiert, schon immer gewusst zu haben, was die vier letzten Worte in der letzten Folge der Gilmore Girls sein würden. Wegen ihres vorzeitigen Abgangs wurden diese Worte in der Serie damals aber nie gesprochen, was den Nimbus des unvollendeten Werkes noch verstärkte.

Das ist das größte Geheimnis, das Netflix zu hüten hat, so groß, dass nicht mal das Schweigegelübde ausreichte, es zu wahren. Sooft man zählt, es bleibt dabei: Die Version von Film vier, die die Presse zu sehen bekam, endet mit einem siebenwörtigen Satz, und zwar keinem besonders spektakulären. Das kann nur zwei Dinge bedeuten. Entweder, das richtige Ende fehlt, damit wirklich niemand irgendetwas vorab verraten kann. Oder aber: Das richtige Ende ist noch gar nicht geschrieben. "Das war jedenfalls die Geschichte, die wir jetzt erzählen wollten", sagt Sherman-Palladino zu dieser Frage. "Dabei sollten wir es belassen." Was man über die Zukunft aber schon jetzt verraten darf: Die Gilmore Girls sind immer noch am Leben.

Gilmore Girls, abrufbar auf Microsoft Store*, Netflix*, Maxdome*, Amazon* und Google Play Movies*

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© SZ vom 25.11.2016/efri
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