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"The Walking Dead: World Beyond" auf Amazon:Sie sind immer noch da

The Walking Dead: World Beyond

Zuschauer nach 17 Staffeln? Oder doch ganz normale Zombies?

(Foto: Sarah Shatz/Amazon Prime)

Die irre erfolgreiche Zombie-Serie "The Walking Dead" ist nach insgesamt 17 Staffeln Zombie-Drama doch sehr auserzählt. Und fast machen die Wiederholungen mehr Angst, als die Zombies selbst.

Von Nicolas Freund

In der Popkultur tauchen Zombies meistens dann auf, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Seit den Achtzigern stehen die schlurfenden Untoten für das verdrängte Aids-Problem, aber auch für den Wahnsinn der Konsumgesellschaft. Bei The Walking Dead sind die Monster eine universelle Bedrohung, die alle etwas angeht, wie der Klimawandel oder eine Pandemie. Zur Erinnerung: The Walking Dead ist diese irre erfolgreiche Zombie-Horror-Politik-Drama-Serie, die in mittlerweile zehn Staffeln in allen blutigen Details aushandelt, was schiefgehen kann, wenn die Menschheit nach einer globalen Katastrophe versucht, wieder so etwas wie eine Gemeinschaft aufzubauen. Das interessierte auch schon vor Corona so viele Menschen, dass die Macher das vor ein paar Jahren mit Fear the Walking Dead völlig schamlos ganze sechs Staffeln lang einfach noch mal erzählten, nur mit anderen Schauspielern und statt an der Ostküste eben an der Westküste der USA.

Als hätte die Corona-Pandemie das Thema noch virulenter gemacht, folgt nun mit The Walking Dead: World Beyond der zweite Ableger, in dem einige Fragen geklärt werden sollen, die in den anderen beiden Serien aufgeworfen, dann aber vor lauter Gemetzel, Intrigen und Dramen nie weiterverfolgt wurden. Besonders eine Frage beschäftigt die Fans seit Jahren: Woher kommt eigentlich das Zombievirus? World Beyond spielt zehn Jahre nach dem Ausbruch der Krankheit, die Infizierte in hirnlose Fressmaschinen verwandelt. Geändert hat sich nicht viel, das Virus ist noch da, außerhalb der eingezäunten Ortschaften streifen nach wie vor Zombiehorden durchs Land und die Menschen tun in ihren Gated Communities so, als gäbe es dieses elende Draußen gar nicht. Also ein bisschen so, wie es auch ohne Zombievirus wäre.

Auf dem Campus der Universität von Nebraska, wo die Serie beginnt, wird sogar wieder unterrichtet, und zwei Schwestern, Iris und Hope - eine schwarz, eine weiß, eine Streberin und eine Rebellin - müssen sich zu allem Unglück, das über die Welt gekommen ist, mit den üblichen Jugendproblemen herumschlagen. Und natürlich schleppen die beiden auch noch ein schreckliches Trauma mit sich herum. World Beyond soll, das wird sofort klar, gezielt ein etwas jüngeres Publikum ansprechen, was eine beliebte Strategie für dritte und vierte Serienableger ist, denn im besten Fall führt man so auch noch neue Zuschauer an die Hauptserie heran. Für Kinder ist World Beyond aber definitiv nicht geeignet, noch immer werden die Untoten ausführlich und mit Liebe zum Detail dargestellt, um dann in ihre Einzelteile zerlegt zu werden.

Es ist ja eigenartig, dass zehn Jahre nach Ausbruch der Katastrophe die Zombies noch immer da sind und das, obwohl es in der neuen Serie nun wieder so eine Art Regierung gibt, die superwichtig in schwarzen Hubschraubern durch die Gegend braust. Hope ist natürlich sofort misstrauisch, wie es Amerikanerinnen gegenüber der Regierung oft sind, Iris dagegen will den Wichtigtuern um ihre Anführerin Elizabeth (Julia Ormond) lieber mal vertrauen. World Beyond versucht sich kurz vor der US-Wahl offensichtlich als Gegenwartsallegorie. Nach insgesamt 17 Staffeln Zombie-Drama wirken die Mittel der Serie aber trotz eines neuen Settings und interessanter Charaktere sehr auserzählt. Die Zombies machen weniger Angst vor gesellschaftlichen Problemen, als vor den nicht totzukriegenden Wiederholungen ihrer eigenen Serie.

The Walking Dead: World Beyond. Bei Amazon Prime Video, jeden Freitag eine neue Folge.

© SZ/cag/ebri
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