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Serie: Wozu noch Journalismus? (14):Die Zukunft des Journalismus? Journalismus!

Die Welt von Presse, Fernsehen und Internet gehört den Medien-Nomaden. Doch nur wer Exklusives bietet, erreicht diese. Und das gelingt nur Redaktionen.

Wozu noch Journalismus? Die Ethik der Medienmacher ist in Gefahr: Journalisten werden zu Handlangern der Politiker, bloggen im Netz und werden durch Laien ersetzt. Wie ist der Journalismus zu retten - und wieso sollten wir das überhaupt tun? In dieser Serie - herausgegeben von Stephan Weichert und Leif Kramp - setzen sich angesehene Publizisten auf sueddeutsche.de mit dieser Frage auseinander.

Journalismus lebt vom Journalismus! Zuweilen hat man den Eindruck, dass Verleger, aber auch Journalisten dies vergessen. Die Verleger, weil sie am falschen Ort sparen. Die Journalisten, weil sie, so scheint es, in Anbetracht der Veränderungen, die sich in den Medien vollziehen, mutlos geworden sind, pessimistisch über die eigene Zukunft.

Die Medienbranche ist in ihrer ganzen Breite einem brutalen strukturellen Wandel unterworfen. Und es wäre völlig unrealistisch, anzunehmen, dass es nach der gegenwärtigen wirtschaftlichen Krise wieder wie zuvor sein würde.

Abschied nehmen

Nein, es gilt definitiv Abschied zu nehmen von den klassischen Regeln und Verhaltensmustern der Branche: Der Leser alter Prägung ist tot, ebenso der traditionelle Fernsehzuschauer! Geboren ist der Medien-Nomade! Er konsumiert transversal, nur seinen Neigungen entsprechend folgt er dem Angebot, das ihm Zeitungen, Zeitschriften Radio, I-phone und vor allem das Internet liefern. Keine Chance, ihn zu etwas zu überreden, was ihn nicht interessiert.

Möglichst exklusiv

Seine Konsumlust wird nur durch das Zeitbudget begrenzt. Während sich das Medienangebot ständig erweitert, bleibt die Konsumzeit begrenzt auf 24 Stunden pro Tag minus Schlaf minus Arbeit. Der neue Medienkonsument wendet sich nur dem zu, was ihn wirklich informiert oder unterhält, möglichst exklusiv. Ein Medien-Nomade, der alles kennt, alles probiert, aber letzlich nur das konsumiert, was ihm gefällt. Nicht das Medium an sich ist entscheidend, auf den Inhalt kommt es an! Und das ist die Chance des Journalismus.

Mit exklusiven Inhalten wird der Konsument heute allerdings nicht gerade verwöhnt. Die Globalisierung der Information, insbesondere der digitalen, hat nicht nur ihre Explosion, sondern auch ihre Banalisierung zur Folge: Jeder kommuniziert mit jedem, Maschinen aggregieren filterlos Nachrichten. In der Informationsgesellschaft 2.0 ist die Nachricht dabei, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die traditionellen Medien die Alarmglocke läuten sollten.