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Serie: Wozu noch Journalismus? (13):Die lästigen Leitartikler

Journalistische Traditionsmarken als zuverlässige Quelle: Die Macher beim heute-journal arbeiten noch mit einer Taskforce, die Nachrichten prüft, wertet und aktiv sucht.

Wozu noch Journalismus? Die Ethik der Medienmacher ist in Gefahr: Journalisten werden zu Handlangern der Politiker, bloggen im Netz und werden durch Laien ersetzt. Wie ist der Journalismus zu retten - und wieso sollten wir das überhaupt tun? In dieser Serie - herausgegeben von Stephan Weichert und Leif Kramp - setzen sich angesehene Publizisten auf sueddeutsche.de mit dieser Frage auseinander.

Wozu noch Journalismus?

"Stimmen der Sicherheit in einer unsicheren Welt sein" - Marietta Slomka über ihren Beruf.

(Foto: Fotos: dpa, Ap, Grafik: sueddeutsche.de)

"Er war jemand, dem wir vertrauen konnten, dass er uns durch die schwierigsten Themen des Tages bringt - eine Stimme der Sicherheit in einer unsicheren Welt" - Barack Obama 2009 über Walter Cronkite.

Wir heute-journal-Moderatoren sind natürlich keine lebenden Legenden wie der im vergangenen Jahr verstorbene US-Nachrichtenanchor Walter Cronkite eine war. Und wir werden das in diesem multimedialen Leben auch nicht mehr werden - was weiß Gott niemand bedauern muss. Allerdings: zwischen Ikone und Bildschirm-Icon liegt ein weites Feld, und bloße Icons möchten wir dann doch auch nicht sein, sondern "Anker" bleiben und uns als solche bemühen, "Stimmen der Sicherheit in einer unsicheren Welt" zu sein.

Warhol'sche 15 Minuten

Reale Menschen also (auch in einem virtuellen Studio!), die eine reale Welt zeigen, erklären, einordnen. Vertraute Gesichter in einer Welt des Wandels.

Moderatoren, die nicht nur präsentieren, sondern politische Journalisten sind, die vom Korrespondentenplatz vor die Kamera wechselten - das war und ist Selbstverständnis und Tradition unserer Sendung und ihrer Anchor.

Haben wir und unsere Redaktionskollegen damit noch eine Zukunft? Oder sind wir Relikte einer bald vergangenen Zeit, weil das Internet klassische journalistische Institutionen obsolet macht? "In the future everybody will be a journalist"?

Bei der Abwandlung von Andy Warhols berühmter Fernseh-Prognose sollte man allerdings den zweiten Teil des Zitats nicht vergessen: "... for 15 minutes". Diese Warhol'schen 15 Minuten geben mir besonders zu denken, gerade im Nachrichtenjournalismus.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Nachrichtenjournalisten auch "Informationsköche" sind.