Wunderschöne, blasse Fabelwesen, die ewig leben und unsterblich lieben. So sieht der Mythos vom Vampir aus, dem Produktionen wie Twilight und Vampire Diaries zu einem echten Hype verhalfen. Aber in der neuen Netflix-Serie V Wars von William Laurin und Glenn Davis, die auf dem gleichnamigen Comic von Jonathan Maberry basiert, ist alles anders. Die Verwandlung eines Menschen in einen Vampir ist hier kein übernatürliches Phänomen, sondern ein Krankheitsbild. Ein über Jahrhunderte konserviertes Virus wird freigesetzt, weil das Eis der Arktis aufgrund des fortschreitenden Klimawandels schmilzt. Rasend schnell verbreitet es sich und verwandelt immer mehr Menschen in Vampire. Weil nicht alle die Genvariation in sich tragen, die den Ausbruch der Krankheit ermöglicht, spaltet sich die Welt. Schon bald heißt es: Vampire gegen Menschen.
Mitten in dieser Neuerfindung des Genres ist Ian Somerhalder, der acht Jahre lang den Blutsauger Damon Salvatore in der Erfolgsserie Vampires Diaries verkörperte. Bei V Wars ist er Hauptdarsteller, Mitproduzent und führt bei einer Episode Regie. Somerhalder spielt Dr. Luther Swann, Arzt und Spezialist für prähistorische Seuchen. Gemeinsam mit seinem besten Freund Michael Fayne (Adrian Holmes) ist er einer der Ersten, die sich mit dem Virus infizieren. Luther aber verwandelt sich nicht in einen Vampir, er ist genetisch bedingt immun. Nicht aber sein Freund Michael. Der mutiert zur blutsaugenden Bestie, es wird landesweit nach ihm gefahndet.
Weil das Virus höchst ansteckend ist, dauert es nicht lange, bis eine Vampir-Apokalypse ausbricht. Das Department für Nationale Sicherheit beauftragt Luther, ein Gegenmittel zu entwickeln um die Epidemie zu stoppen. Er ist der große Held der Serie. Sein Arztkittel flattert im Wind, wie bei Superman das Cape. Die Brille, die er ständig zurechtrückt, darf seinen Intellekt unterstreichen, die engen Hemden seinen muskulösen Oberkörper.
Weil ihm jegliche menschliche Schwächen fehlen, ist sein Charakter einfältig und seine Emotionen unglaubwürdig. In der ersten Folge wird seine Frau Jess (Jessica Harmon) zum Vampir und greift seinen Sohn an. Um ihm das Leben zu retten, bringt er sie um. Nicht einmal nach diesem vermutlich doch traumatischen Erlebnis nimmt man ihm seine Trauer wirklich ab. Das liegt wohl auch daran, dass er, heroisch wie er ist, sich sofort wieder auf die Rettung der Welt konzentriert.
Die Ehefrau ist nicht die einzige Figur, die niedergemetzelt wird, ohne dass es einen bleibenden Eindruck hinterlässt. In den zehn Episoden der ersten Staffel führen die Autoren viel zu viele Personen und Handlungsstränge ein, deren Auserzählung aber den zeitlichen Rahmen sprengen würde. Charaktere, die Potenzial hätten, wie die junge, schlagfertige Ärztin Theresa (Samantha Cole) oder der psychopathische Vampirjäger Bobby (Greg Bryk) werden, sobald sie interessant werden, ausgesaugt oder erschossen.
Nicht einmal die Grusel- und Schockelemente funktionieren, weil die "Bloods" - so nennen sich die Vampire - einfach nur lächerlich wirken. Ihre verkrampften, zähnefletschenden Fratzen sehen aus wie billige Gummimasken. Solche Trash-Ästhetik könnte durchaus ihren Reiz haben, würde sich die Serie nicht so todernst nehmen und sich immer wieder an philosophischen Debatten versuchen. Bei Dr. Swanns Floskeln über die fluiden Grenzen zwischen Gut und Böse wünscht man sich einfach eine gute alte melodramatische Vampirsaga zurück.
V Wars, bei Netflix.