Fortsetzung der Serie "The Leftovers":Das Puzzle geht nicht auf

'The Leftovers', Staffel 2

Die zweite Spielzeit von The Leftovers beginnt in einem texanischen Dorf, in dem niemand verschwunden ist, und das nun zur Pilgerstätte derer geworden ist, die an göttliche Vorsehung glauben.

(Foto: obs/Sky Deutschland)

"The Leftovers" beruht auf einem Roman. Obwohl der nach einer Staffel auserzählt ist, geht die Serie weiter. Und ist eine faszinierende Studie der menschlichen Psyche.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Man hat schon eine Weile geplaudert in jenem Moment, als plötzlich Damon Lindelof auftaucht, und er, der Erfinder der Serie The Leftovers, das Gespräch mit seinen Darstellern Justin Theroux und Carrie Coon in Sekundenschnelle verändert. Dabei sieht man Lindelof nur aus der Ferne, er lacht und hebt die Hand, und auf einmal geht es hier auf dieser Terrasse in Beverly Hills nicht mehr um Dreharbeiten mit Babys oder um Coons Knieverletzung. Es geht um Philosophie, Psychologie und Kunst.

Vor allem aber geht es endlich um die Frage, was das alles soll - und warum das alles sehr viel mit eben diesem Damon Lindelof zu tun hat. Das alles, das ist die zweite Staffel von The Leftovers, die es eigentlich nicht geben dürfte.

The Leftovers basiert auf dem gleichnamigen Roman von Tom Perrotta, der nun auch an der Serie beteiligt ist. Zu Beginn verschwinden zwei Prozent der Menschheit. Einfach so, ohne Grund. 140 Millionen Menschen sind weg, überall auf der Welt, jeder verliert jemanden, den er kennt. Nur: Die Geschichte des Buches ist nun nach der ersten Staffel fertig erzählt, die Serie müsste an dieser Stelle vorbei sein, und doch gibt es mehr Folgen, die seit diesem Sonntag bei HBO und in Deutschland bei Sky Go zu sehen sind.

Langsam könnte sich Martin beeilen mit neuen Geschichten

Fernsehsender und Streamingportale bedienen sich nicht erst seit dem gewaltigen Erfolg von Game of Thrones, das auf der Buchserie A Song of Ice and Fire von George R. R. Martin basiert, gerne bei erfolgreichen und beliebten Romanvorlagen. Hier funktioniert das Zusammenspiel perfekt, und zu Beginn gab es auch genügend Material. Nur langsam könnte sich Martin etwas beeilen mit neuen Geschichten aus Westeros und Essos.

Ähnlich verhielt es sich in diesem Sommer mit der wunderbaren Serie Wayward Pines: In zehn Folgen wird die Roman-Trilogie von Blake Crouch über eine postapokalyptische Kleinstadt abgearbeitet, trotz des Erfolges planen die Macher bislang keine zweite Staffel.

Diese Einstellung jedoch können oder wollen sich andere nicht leisten: Aus mehr als 1000 Vorschlägen pro Spielzeit werden etwa 70 als Serie bei Sendern und Streamingportalen aufgenommen - in den vergangenen zehn Jahren wurden davon durchschnittlich nur 25 Prozent um eine zweite Staffel verlängert. Wem das angeboten wird, der wäre alleine aus finanzieller Sicht töricht, dieses Angebot abzulehnen, auch wenn es durchaus künstlerische Gründe gäbe.

Under The Dome etwa, das auf dem Roman von Stephen King basiert, war zu Beginn begeistert gefeiert worden, mehr als 13 Millionen Menschen hatten im Juni 2013 die erste Folge gesehen. Das Ende der dritten Staffel vor drei Wochen taten sich nur noch vier Millionen Menschen an, in den Kritiken kamen Wörter wie "albern" und "absurd" vor. Nun wurde die Serie abgesetzt.

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