Serie:Seltsames Wiedersehen

Stills aus YouTube Original "Weird City"

Verspielter Blick in die Zukunft: In Weird City geht es selten düster zu – vielmehr seltsam.

(Foto: Lisa Rose/YouTube Premium)

Wenn die Dating-App direkt den Mann fürs Leben schickt - obwohl man auf der Suche nach einer Frau war: Youtube Premium zeigt eine sechsteilige Zukunfts-Comedy. Darin tauchen viele bekannte Gesichter auf.

Von Benedikt Frank

Diesmal muss es wirklich klappen. Der junge Stew probiert die Dating App "The one that's the one" aus, die verspricht, mithilfe neuester Wissenschaft eben den Einen oder die Eine zu finden - hundertprozentige Erfolgsgarantie. Doch dann steht ein älterer Herr vor der Tür. Und bisher war Stew nicht schwul.

Youtube versucht seit einigen Jahren beim Seriengeschäft mitzumischen, vor allem um seinen kostenpflichtigen Abodienst wertvoller zu machen. Gab es dort zunächst Dokus und Reality mit bekannten Youtubern, produziert man mittlerweile auch Fiktion, letztes Jahr etwa die Fortsetzung von Karate Kid, Cobra Kay. Mit Weird City kommt jetzt eine Anthologieserie ins Programm. Thematisch bedient sie sich ganz offensichtlich am aktuellen Vorbild dieser Form, in der jede Episode für sich steht: An der Science-Fiction-Serie Black Mirror - aber als Comedy.

Das Rezept von Black Mirror ist aus vier Staffeln und einem Film seit 2011 wohlbekannt. Technik, die heute schon existiert, wird in der Serie um ein paar Entwicklungsstufen weitergedacht. Das Ergebnis ist mal mehr Satire, mal mehr Thriller oder Horror. Immer aber handelt die Serie von der Hybris einer technikverliebten Gesellschaft, die zu Katastrophen führt. Wenn Adam Bernstein als Regisseur und Jordan Peele als Produzent aus diesen pessimistischen Zukunftsvisionen nun für Youtube Komödien machen, müssen sie das Rezept an entscheidenden Stellen ändern. In der ersten Folge, mehr wurden der Presse vorab nicht gezeigt, ist die auffälligste Abweichung zu Black Mirror das Happy End. Als Spiegelbild der Tragödie, in der immer einer tief stürzen muss, kann es nicht allzu lustig sein, wenn alles darauf hinausläuft, dass die Zukunft ganz fürchterlich wird. Weird City, die Stadt in der alle Folgen spielen, ist zwar eine Klassengesellschaft, es gibt eine feste Grenze zwischen den Habenichtsen und den Reichen, aber sie ist vor allem seltsam, nicht bedrohlich.

Der Zuschauer trifft in den sechs Folgen einige bekannte Seriengesichter wieder

Dazu spendiert Youtube der Serie eine ganze Menge bekannte Seriengesichter: In der Premierenfolge lernen sich auf seltsame Weise etwa Teen Wolf Dylan O'Brien und Ed O'Neill kennen, der Al Bundy in Eine Schrecklich nette Familie gespielt hat. Auch wenn die halbstündige erste Folge nicht so fesselnd ist wie viele Episoden von Black Mirror, hat sie eine Botschaft, die im sympathischen Kontrast zur depressiven Dauerdystopie steht: Nicht die Menschen versagen, sondern die Technik - und das macht aber nichts, man muss sie ja nicht ernst nehmen.

Weird City, Youtube Premium*

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© SZ vom 14.02.2019
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