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Serie "Pose":Gemeinsam dank Madonna

POSE, Netflix

Subkultur-Saga Pose, hier mit Dominique Jackson.

(Foto: Macall Polay/FX/Netflix)

In der zweiten Staffel von "Pose", der Serie rund um die New Yorker Ballroom-Subkultur, solidarisieren sich LGBT-Gruppen untereinander - endlich.

Im März 1990 erscheint Madonnas Single "Vogue", die weltweit die Charts erobern wird. Ein neues Zeitalter der Ballroomkultur bricht an. In dieser Ära startet nun die zweite Staffel der Serie Pose . "Vogue" eröffnet die erste Episode, über vier Szenen hinweg ertönt die Musik. Sie begleitet das Amateurfotoshooting von Angel (Indya Moore), setzt sich über Aufnahmen der Skyline von Manhattan fort, läuft im Radio, als Blanca (MJ Rodriguez) die Fingernägel einer Kundin pflegt und findet ihren fulminanten Höhepunkt im Ballroom, wo Angel eine Trophäe entgegennimmt. Pose erzählt in Staffel zwei also die Figuren aus der New Yorker LGBT-Subkultur weiter.

"Vogue" ist nun im Äther und scheint Binaritäten wie Innen- und Außenraum, Tagesgeschäft und Nachtkultur, arm und reich, schwarz und weiß außer Kraft zu setzen. Blanca, Matriarchin des "House of Evangelista", einer Wohnung, in der sie Transgenderkids und schwulen Teenagern Zuflucht gewährt, ist euphorisiert von der Musik. Sie kann es kaum fassen, dass "die berühmteste Frau der Welt" das Vogueing besingt. Steven Canals, Ko-Produzent der Serie, honoriert damit Madonnas Leistung, das Vogueing aus der Sub- in die Popkultur zu heben. Tatsächlich vermittelte Madonna in ihrem Videoclip, der damals auf MTV in Dauerschleife lief, einem szenefernen Publikum einen ersten Eindruck. Der Begriff, dem Namen der Modezeitschrift Vogue entlehnt, umschreibt die Selbstermächtigung zunächst mittelloser Performer*innen, die sich durch Nachahmung ein scheinbar unerreichbares Uptown-Schönheitsideal zu eigen machen. Im Ballroom reinszenieren sie Looks und Attitüden aus der High Society.

In der fünften Episode zeigt sich dann, dass Madonna dem Ballroom die erhoffte Anerkennung bringt. Der Vorwurf der kulturellen Aneignung liegt noch fern, Vogueing setzt sich überraschenderweise als Trend durch, mit Medienberichten und Kursen für Anfängerinnen. Hier hat sich etwas verschoben. In der ersten Staffel von Pose war den Transfrauen of color auf dem Spektrum der Minderheiten ein Platz am alleräußersten Rand zugewiesen worden. Beispielhaft dafür stand eine Szene in der schwulen Bar Boy Lounge, deren Betreiber Blanca und Lulu (Hailie Sahar) aus seinem Lokal schmiss. Aus seinen abfälligen Bemerkungen wird deutlich, dass sich die Rassentrennung auch im New Yorker Nachtleben fortsetzt. "Alle wollen sich allen anderen irgendwie überlegen fühlen," klärt Lulu die fassungslose Blanca auf. Zwar stehen auch die weißen (oder die als solche durchgehen), cis-gender Schwulen gesellschaftlich ganz weit unten - aber doch hoch genug, um auf die Transfrauen herabzuschauen. "Vogue" durchbricht diesen Teufelskreis der Exklusion, und das war auch höchste Zeit: Die AIDS-Epidemie, auch das arbeitet die Serie gleich zu Beginn der zweiten Staffel heraus, erfordert die Solidarisierung der Randgruppen untereinander, um politisch organisiert gegen die grausame Haltung von Regierung, Pharmakonzernen und Kirche vorgehen zu können. Mehr denn je geht um die Selbstbehauptung und die Frage nach der richtigen Haltung in einem oft feindseligen Milieu.

Pose, Staffel 2, auf Netflix.