Serie "Noch nie in meinem Leben...":Große Gefühle

Noch nie in meinem Leben

Die kanadisch-tamilischen Schauspielerin Maitreyi Ramakrishnan setzte sich nach einem Twittercasting-Aufruf gegen tausende Kandidatinnen durch.

(Foto: Netflix)

Der Vater tot, Devi kann nicht mehr laufen, da soll das neue Schuljahr wenigstens Party, Sex und Drogen bringen: Die Netflix-Serie "Noch nie in meinen Leben..." erzählt von Teenie-Problemen - geht aber in die Tiefe.

Devi (Maitreyi Ramakrishnan) will einen Neuanfang. Denn "das letzte Jahr war insgesamt ziemlich beschissen, da sind wir uns doch einig", erklärt sie mit gefalteten Händen den hinduistischen Göttern auf dem Altar in ihrem Zuhause. Devi hat ihren Vater verloren, und durch das Trauma dann auch noch für einige Monate die Fähigkeit zu laufen. Dass das neue Schuljahr der Hammer werden muss, das sind die Götter ihr gefälligst schuldig.

In der Netflix-Serie Noch nie in meinem Leben... (Originaltitel: Never have I ever) heißt ein Hammer-Schuljahr für die indisch-amerikanische Teenagerin vor allem eines: Party, Sex und harte Drogen. So zumindest der Plan. In der Realität muss Devi dann erst mal feststellen, dass das gar nicht so einfach ist als Klassenbeste und eher unbeliebte Schülerin - von den harten Regeln ihrer strengen Mutter (Poorna Jagannathan) mal abgesehen. Irgendwie schafft es Devi dann trotzdem, den coolsten Jungen der Schule (Darren Barnet) zu einem Treffen zu überreden, zu Partys eingeladen zu werden oder sich das erste Mal so richtig zu betrinken. Die Lügen, die sie deswegen absichtlich oder unabsichtlich verbreitet, nimmt sie gerne in Kauf.

Genau dieses Vorsichhinpubertieren ohne Rücksicht auf Verluste macht die von Comedienne Mindy Kaling und Drehbuchautorin Lang Fisher geschriebene und produzierte Serie so sympathisch. Devi kann nämlich ein richtiges Arschloch sein und trotzdem hat man sie gern. Denn auch wenn es oberflächlich in Noch nie in meinem Leben... um die klassischen Teenager-Probleme geht, dreht sich Devis Geschichte eigentlich um Traumaverarbeitung, Familie, die Konflikte mit der eigenen Kultur und der eigenen Sexualität. Devi kann laut werden, tritt gegen Spinde oder sagt zu ihrer Mutter Dinge wie "ich wünschte du wärst an seiner Stelle tot". Selbst ihre Therapeutin dringt oft nicht zu Devi durch.

Dass Devi als Figur so komplex, mutig und unberechenbar wirkt, liegt nicht nur an dem guten Drehbuch, sondern vor allem an der kanadisch-tamilischen Schauspielerin Maitreyi Ramakrishnan. Die 18-Jährige setzte sich nach einem Twittercasting-Aufruf von Kaling gegen tausende Kandidatinnen durch. Sie lässt Devi genug Raum, um einfach Fehler machen zu können, und zeigt, neben den rebellischen Anwandlungen, eine tief verletzliche Jugendliche. Ramakrishnan hebt sich mit ihrer Devi gelungen von den glatten, oberflächlichen Teenie-Figuren ab, die es in anderen Coming-Of-Age-Serienzu Genüge gibt.

Gleichzeitig lässt Noch nie in meinem Leben... auch eine ordentliche Portion Kitsch zu, um den absurden romantischen Sehnsüchten einer Jugendlichen gerecht zu werden. Vergisst dabei aber eine Sache nie: Auch den Kitsch sollte man erst nehmen, selbst wenn Teenies manchmal richtig nervig sein können.

Noch nie in meinem Leben, bei Netflix*

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© SZ vom 30.04.2020
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