"Mighty Ducks - Game Changer" bei Disney+:Gewinnen ist nicht alles

Mighty Ducks auf Disney+

Alex (Lauren Graham) sucht für ihren Sohn einen neuen Trainer.

(Foto: Disney/ABC/Liane Hentscher)

"Mighty Ducks: Game Changer" ist die Fortsetzung der legendären Teenager-Sportfilme der 1990er. Die Serie nimmt die Sorgen und Ängste junger Leute ernst.

Von Jürgen Schmieder

Die wichtigste Nachricht zuerst: Gordon Bombay ist kein Miesepeter. Es wäre einfach gewesen, wie es es mit einstigen Helden in der amerikanischen Popkultur oft passiert, aus dem Eishockeytrainer der Mighty-Ducks-Filme in der Serien-Fortsetzung Game Changer einen Grummler zu machen, der auf den rechten Weg geführt werden muss. Nein, Gordon Bombay ist ein netter Kerl, und die Welt kann nette Kerle gerade dringend gebrauchen.

Bombay, der in der 1990er-Filmreihe einen Haufen Misfits zum Eishockeyteam Ducks formt und mit unkonventionellen Methoden zum Erfolg führt, leitet nun eine heruntergekommene Eishalle in Minnesota. Genau das, was die verzweifelte Mutter Alex (Lauren Graham, die bereits in Gilmore Girls wunderbar eine solche Rolle spielte) sucht: Ihr zwölfjähriger Sohn Evan ist von den mittlerweile unbesiegbaren Ducks wegen fehlender Begabung hinausgeworfen worden. Er will nun ein neues Team gründen, bei dem es nicht nur ums Gewinnen, sondern ums Spaßhaben geht. Sie brauchen eine Halle, und sie brauchen einen Trainer. Was für ein Zufall!

Das Sujet ist natürlich nicht neu, man kann bereits nach einer von zehn Folgen erahnen: Bombay, dessen schlimmstes Vergehen es ist, nach Kindergeburtstagen die Kuchenreste zu stibitzen, wird die Ansammlung untalentierter Außenseiter trainieren, und am Ende wird es zum Duell mit dem übermächtigen Rivalen kommen. Man kennt das aus Filmen wie Cool Runnings, Rocky oder Karate Kid.

Durchgeknallt - und eine scharfsinnige Beobachtung abstruser Talentförderung

So vorhersehbar das Muster ist - trotzdem ist es interessant. Der Disney-Konzern hatte den ersten Mighty Ducks-Film im Jahr 1992 auch deshalb veröffentlicht, weil die Profiliga NHL ein neues Team (die Mighty Ducks, Besitzer: Disney) gegründet und die Heimstätte direkt neben dem Disneyland im kalifornischen Anaheim erbaut hatte. Die Drehbücher der drei Filme schrieb Steve Brill, er ist nun auch Autor der Serie. Schon damals im Film ging es weniger um Sport als um Identitätsfindung; also um die Sehnsucht junger Leute, sich abzugrenzen und gleichzeitig zugehörig zu fühlen - und um die Probleme der Erwachsenen damit.

Die Serie zeichnet diese Konflikte nun, ohne sich über die Figuren zu erheben: Es gibt das Mädchen, das lieber Eishockey spielen will, als in der Schule am Tisch der Königinnen zu sitzen. Es gibt den Skater, der merkt, dass ein Team auch Individualisten braucht. Und den Videospiel-Zocker, der feststellt, dass die am Controller erlernte Hand-Augen-Koordination einen brauchbaren Torwart aus ihm macht. Das ist die Jugend von 2021, und die ist ziemlich in Ordnung.

Die zweite große Stärke der Serie: Die Gegenspieler sind keine puren Bösewichte. Ja, die Ducks ordnen alles dem Erfolg unter, sie debattieren über siegbringende Snacks, beschäftigen Privattrainer, Physiotherapeuten und Psychologen für Zwölfjährige. Völlig durchgeknallt, klar, wie Mutter Alex in einem Wutausbruch deutlich macht. Aber eben auch eine scharfsinnige Beobachtung der Talentförderung, die schon Prä-Teenager zu Profis züchtet. Game Changer ist, zumindest am Anfang, eine Wohlfühl-Geschichte. Während etwa in der Karate-Kid-Neuauflage Cobra Kai bei ähnlicher Grundkonstellation eine Spirale der Gewalt losbricht.

Wie der Titel andeutet, erzählt Game Changer eine Abkehr von den traditionellen Underdog-Geschichten. Gut möglich, dass am Ende die Entwicklung der Charaktere wichtiger ist als der Triumph. Wie damals bei Rocky. Er verlor seinen ersten Kampf als Boxer, gewann aber so viel mehr als Mensch.

Mighty Ducks - Game Changer. Auf Disney+

© SZ/ebri
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