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Serie "Mapa":Leben ohne Weichzeichner

Der Dreh mit Baby war eine Herausforderung, sagt Hauptdarsteller Mauff. Das hat in seiner Rolle eine Klobürste als Lieblingsspielzeug.

(Foto: Carolin Weinkopf/Joyn)

Ein verwitweter Vater und ein Baby: Die Serie "Mapa", Untertitel "Keine Mutter, Vater, Kind" ist wie ein trauriger Popsong , den man immer wieder hören will.

Von Hans Hoff

Wenn die Katastrophe von der Seite ins Leben grätscht, wenn sich von einer Minute zur anderen alles ändert, wenn sich plötzlich Fragen stellen, die alle bisherigen Fragen banal wirken lassen, dann ist Mapa, Untertitel "Keine Mutter, Vater, Kind". Eben noch ist der Fernsehautor Metin ein nicht sehr inspirierter junger Mann, der eine ganz gut zu ihm passende Frau gefunden hat und sich gemeinsam mit eben dieser müht, nach der Geburt des ersten Kindes den beschwerlichen Weg in eine nicht unbedingt vielversprechende, aber doch zu meisternde Familienzukunft anzutreten. Doch auf einmal stirbt die Frau, ohne Vorwarnung, ohne Vorerkrankung. Einfach so ist sie weg aus dem Leben von Metin und seiner Tochter Lene.

"Mapa" ist kein Rührstück geworden, vielmehr eine große Geschichte

Wie Metin das hinkriegt oder eben nicht hinkriegt mit dem Dasein als alleintrauernder Vater, wie er auf einmal Ma und Pa gleichzeitig sein soll, davon handelt diese sechsteilige Serie. Sie nennt sich in Anlehnung an das bekannte Lachsalven-TV-Format Sitcom und unter Berücksichtigung des tragischen Hintergrunds einfach mal Sadcom.

In der Tat ist sehr vieles sehr traurig in diesen feinen Halbstündern, in denen man vor allem Metin beim beständigen Versuch, das Leben wieder in den Griff zu kriegen, beobachten kann und miterlebt, wie ihm eben dieses partout nicht gelingen will. "Der muss sich komplett neu erfinden", sagt Metin-Darsteller Max Mauff, der sehr glücklich ist, auch mal eine andere als die in Serien übliche Seite spielen zu dürfen. "Mir hat das in anderen Projekten gefehlt, einfach mal traurig sein zu dürfen."

Als Glück im dargestellten Unglück erweist sich dabei, dass die Traurigkeit nicht an den Bildschirm gekleistert wird; sie kommt vielmehr im Kleid jener Art von Melancholie daher, die man von diesen tollen Lieblingsliedern kennt, die vom Verlassenwerden handeln, die immer wieder die Tränen ziehen, von denen man aber aus irgendeinem Grund nicht lassen mag.

Was Alex Lindh als Headautor und Regisseur Jano Ben Chaabane da geschaffen haben, lässt sich deshalb auch genießen wie ein wunderbar melancholischer Popsong, vielleicht wie "Fix You" von Coldplay, wo es ja auch um das vielfache Scheitern geht und um das Versprechen, dass man das alles wieder in Ordnung bringen wird. Der Vergleich drängt sich auch deshalb auf, weil Hauptdarsteller Max Mauff als Metin oft aussieht wie die unausgeschlafene Version des Coldplay-Frontmannes Chris Martin. Das mit der Ähnlichkeit will Mauff aber rasch überwinden. "Wie gut, dass ich Schauspieler bin und in meinem nächsten Film sicherlich wieder anders aussehen werde", sagt er.

Trotz der schön ausgespielten Trauer ist Mapa kein Rührstück geworden, es ist vielmehr eine große Geschichte, die sich um das Überleben in schweren Zeiten dreht und zeigt, wie man das auf vielen verschiedenen Ebenen mit der Hilfe von gelungenem Galgenhumor schafft. Es sind die Menschen um Metin herum, die ihm das Leben leichter machen wollen, es oft aber nur weiter erschweren. Da ist seine Mutter, die ihre Chance sieht, wieder Besitz vom widerborstigen Sohn zu nehmen; da ist das Autorenteam einer TV-Soap, das vor lauter Zynismus kaum laufen kann; da sind die gutmeinenden Freunde, die nicht wirklich wissen, wie sie sich verhalten sollen.

Und dann sind da noch die Rückblenden in jene Zeit, als Metins Frau noch lebte, als sich die junge Familie in Richtung Glück entwickeln und auf diesem Weg alles richtig machen wollte, aber irgendwie gegen all die Zweifel, die einem das Leben so vor die Füße wirft, nicht wirklich ankam. Es sind Erzählungen vom Gestern und vom Jetzt, und sie sind fein verwoben, was sich zeigt, als Metin nach dem Tod der Frau vor der Frage steht, ob er ihr Handy kontrollieren soll. Was, wenn er entdeckt, dass sie heimlich auf Abwegen unterwegs war?

Das Drehen mit dem Baby, das in seiner Rolle ausgerechnet eine Klobürste als Lieblingsspielzeug auserkoren hat, ohne die es nicht einschlafen mag, war eine große Herausforderung für das Team. "Wir hatten eine kleine Diva am Set. Alles hat sich nach ihr gerichtet", berichtet Mauff von der Arbeit mit dem Kind, das zwischendrin auch mal bitterlich weinend zu sehen ist. "Drumherum haben mehr Leute graue Haare bekommen als das Kind", antwortet Mauff, wenn man ihn fragt, ob das Baby da nicht gelitten habe.

Man kann das alles hoffnungslos naiv und auch ein bisschen seifig finden, aber man kann sich auch dem betörend-melancholischen Grundton ausliefern und gemeinsam mit Metin versuchen, die harten Tage zu meistern und zu lernen, dass auch schwere Zeiten leichte Seiten und manchmal sogar richtig komische Momente haben können.

Mapa, bei Joyn.

© SZ vom 18.04.2020
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