Serie:Harte Tour

Serien Still // HANNA // Pressematerial

Mit Kampf- und Überlebenstalenten gesegnet: Hochleistungskillerin Hanna, gespielt von Esme Creed-Miles.

(Foto: Amazon Studios)

Vom Kinofilm zur Serie: der Actionthriller "Hanna" erzählt von einer Hochleistungskillerin, die sich gegen große Gefahren und bittere Wahrheiten durchsetzen muss.

Von Patrick Heidmann

Ein junges Mädchen, das in den Wäldern fernab der Zivilisation von seinem Vater zur Hochleistungskillerin trainiert wird? Gut möglich, dass diese Geschichte, mit der die Serie Hanna unvermittelt beginnt, bekannt vorkommt. Sollte das nicht der Fall sein, wäre das allerdings auch nicht weiter verwunderlich. Denn der gleichnamige Kinofilm aus dem Jahre 2011 (deutscher Titel: Wer ist Hanna?), auf dem diese Amazon-Prime-Produktion basiert, ist kein sonderlich großer Erfolg gewesen. Womit Hanna unter den Serien nach einer Leinwand-Vorlage eher die Ausnahme ist. Denn auch Kult wie etwa Fargo ist der Film nie geworden - und für nostalgische Anwandlungen à la Lethal Weapon taugt er nach acht Jahren auch noch nicht.

"Ich hatte es nicht mehr zwingend auf der Agenda, aber doch das Gefühl, dass die Story noch manchen nicht zu Ende gebrachten Aspekt barg", erinnert sich David Farr im Interview an seine Reaktion, als man ihm eine Serien-Adaption vorschlug. Der britische Drehbuchautor (The Night Manager) und Theatermacher, der bereits an der Kino-Version beteiligt war, zeichnet nun für alle acht Folgen verantwortlich. "Ich war mir sicher, dass es noch einen politischeren, auch psychologisch tiefer gehenden Zugriff auf diese Coming-of-Age-Geschichte der etwas anderen Art gibt."

Auf der Handlungsebene ähnelt Hanna dem Original vor allem in der ersten Serienhälfte trotzdem unerwartet stark: das isolierte Idyll der Eingangsszenen findet ein jähes Ende, als die zwielichtige Geheimagentin Marisa Wiegler (Mireille Enos) der mit außergewöhnlichem Kampf- und Überlebenstalenten gesegneten Titelheldin (Esme Creed-Miles) und ihrem einstigen CIA-Agenten-Vater (Joel Kinnaman) auf die Spur kommt und letztere schnell voneinander getrennt werden. Es entspinnt sich ein Katz- und Maus-Spiel, das - einmal mehr - aus dem kalten Norden in die Wüste Marokkos führt, von dort mit einer urlaubenden Familie nach Europa und schließlich bis nach Berlin. Dort warten unter anderem Benno Fürmann, bittere Wahrheiten und jede Menge Gefahren.

Farr gelingt es recht überzeugend, seine Geschichte auf Serienformat zu dehnen und in den Details auszubauen, ohne bei leicht gedrosseltem Tempo, aber gesteigerter Brutalität die Spannung aus dem Blick zu verlieren. Hanna wirkt nie wie ein in die Länge gezogener Film, und auch die Besetzung überzeugt. Das mit The Killing bekannt gewordene Duo Enos (deutlich zurückgenommener als Cate Blanchett damals im Kino) und Kinnaman (weniger eindimensional als zuletzt in Altered Carbon) nun als Gegenspieler zu sehen, hat seinen Reiz. Die eigentliche Entdeckung ist allerdings Newcomerin Creed-Miles, die den Vergleich mit ihrem Leinwand-Counterpart Saoirse Ronan kaum scheuen muss.

Wer den Kinofilm nicht kennt, ist dennoch besser dran. Nicht so sehr, weil so manche Story-Wendung überraschender kommt. Sondern weil man das, was den Film ausgezeichnet hatte, nun doch vermisst. Regisseur Joe Wright hatte ihm mit exaltierten Bildern, Elektro-Score und Überzeichnungen ein fast märchenhaft-schräges Flair verliehen. In den Händen seiner nun verantwortlichen vier Kolleg*innen wird Hanna dagegen zum eher konventionellen Actionthriller. Ohne Frage kurzweilig, aber auch ohne unverwechselbare Handschrift.

Hanna, bei ZDF Herzkino Channel Amazon* und Amazon Prime*

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