Serie "Ellerbeck" mit Cordula Stratmann Die Pfiffigste unter den Naiven

Vom Kindergarten in die Politik: Cordula Startmann als Sabine (im Bild mit Widersacher Alexander ten Hensen alias Markus John).

(Foto: ZDF und Frank Dicks)

Lohnen sich die neuen Serien mit Cordula Stratmann? Entscheiden Sie selbst: Zum Start von Ellerbeck zeigen wir Ihnen nochmals die Besprechung von TV-Kritiker Hans Hoff.

Von Hans Hoff

"Ich kann mit meinen Händen sehen, wo was nicht stimmt", sagt Belinda. Sie ist von Beruf so eine Art Heilpraktikerin und tastet Tiere ab, fühlt sich aber berufen, auch menschliches Leid zu lindern, wann immer es ihr begegnet, was dauernd passiert. Das ist normal, denn Belinda lebt am Vorabend, und am Vorabend haben die Menschen im Fernseher menschliche Probleme zu haben, damit die Menschen vor dem Fernseher etwas zu lachen bekommen. Deshalb heißt der tote Hamster Gandalf, die schmatzende Kuh Mutti, und der Ponybesitzer leidet unter Milcheinschuss. Willkommen im Humor der ARD, willkommen bei der Kuhflüsterin im Ersten.

Gleich zwei Serien hat Cordula Stratmann nach langer Babypause gedreht, eine für die ARD und eine fürs ZDF. Einmal heißt sie Belinda, einmal Sabine. Nun will es der Zufall, dass ihre ARD-Serie am Vorabend an diesem Freitag startet und in drei Wochen just dann ausläuft, wenn ein paar Stunden später im ZDF Ellerbeck zu bewundern ist. So etwas könnte man Koordination nennen, wenn es denn nicht so penetrant nach purem Zufall aussähe.

Nicht viel Spielraum für Nuancen

Dass die eine Serie quasi das Vorprogramm der anderen bestreitet, passt indes prima, weil die Stratmann in beiden im Grunde dieselbe Person verkörpert. Sie ist beide Male nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht alt. Sie ist engagiert und als Freundin unglaublich patent. So patent, dass man sie eigentlich beim zuständigen Amt anmelden müsste.

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Cordula Stratmann spielt in der ihr eigenen Art, und die lässt in Serie ganz offensichtlich nicht so arg viel Spielraum für Nuancen. Oder sind es die Drehbücher, die sie einengen? Auf jeden Fall ist alles nett, alles gleich. In beiden Serien schart sie angetrottelte Vertraute um sich, und ist natürlich meist die Pfiffigste unter den Naiven. Wo sie in der ARD mit der Gewerbeaufseherin wegen der unzulässigen Behandlung von Menschen aneinander gerät, ist es im ZDF der frühere Bürgermeister, der sauer ist, dass eine Kindergärtnerin, die nur ein bisschen protestieren wollte, nun seinen ihm quasi durch Geburt zustehenden Job hat.

Wäre man wohlwollend, könnte man sagen: Unterhaltung, die niemandem wehtut

Das ist in beiden Fällen genauso harmlos, wie es sich anhört. Wäre man wohlwollend, könnte man sagen: Familienunterhaltung, die niemandem wehtut. In der Marktforschung zur ZDF-Serie hat eine Frau ihrem Krimiüberdruss Luft gemacht. "Endlich mal was zum Lachen, wo keine Leichen drin vorkommen", hat sie gesagt.

Das mit dem Lachen fällt aber nur dann leicht, wenn man sonst auch Katzenvideos lustig findet. Es ist die Krux beider Serien, dass man den Figuren sofort ansieht, welchen Charakter sie durch die Gegend tragen sollen. Und prompt zieht neben der Kuhflüsterin ein blendend aussehender Junggeselle ein, der früher mal Personenschützer war, und freiwillig nichts sagt.

Dafür sagen die Protestierer im Ellerbeck-Emsland umso mehr. Sie sind gegen die neue Schweinemastanlage und halten Schilder hoch: "Mast not be" steht da drauf. Dem ist mit Blick auf beide Serien nichts mehr hinzuzufügen.

Die Kuhflüsterin, ARD, Freitag, ab 18.50 Uhr // Ellerbeck, ZDF, Freitag, 22.30 Uhr