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Serie:Nett, nichtssagend und äußerst erfolgreich

Schweighöfer ist im deutschen Unterhaltungsmarkt eine Konsensfigur. Seine selbstinszenierten Komödien What a Man und Schlussmacher sind nett, nichtssagend und äußerst erfolgreich. Als das US-Unternehmen Warner Bros. mit der Idee für diese Serie auf Amazon zuging, hatte der Streamingdienst gefunden, was er suchte. Nämlich keine Serie, die mit Gewohnheiten bricht und das Publikum möglicherweise überfordert.

Fragt man Christoph Schneider nach der Entstehungsgeschichte von You Are Wanted, dann sagt er: "Uns wurden viele Stoffe angeboten, die sich an spitze Zielgruppen richten und deshalb von den großen Sendern aus genau diesem Grund schon abgelehnt wurden. Da versprach man sich bei einem Streaminganbieter wohl eher eine Chance." Gerade die erste eigene Serie von Amazon Deutschland sollte "aber nichts allzu Spezielles für ein sehr kleines Publikum sein".

Ziel sei es, in Deutschland die am meisten abgerufene Serie in der Geschichte des Streamingdienstes zu werden, sagt Schneider. Das schafft man nur, wenn man sich mit seinen Darstellern und seiner Geschichte an ein großes Publikum richtet. Das ist vermutlich der Grund, dass You Are Wanted streckenweise dann doch stärker an einen Tatort erinnert als an das von Schweighöfer bemühte House of Cards.

Offensichtlich von Kinomachern gedreht

Man sieht You Are Wanted an, dass die Serie von Kinomachern gedreht wurde, oder, wie Schweighöfer es ausdrückt, "einen guten Look kreiert". Die Bilder sind toll, der Cast (Karoline Herfurth, Tom Beck und Model Toni Garrn) ist prominent - und manches ist so platt, dass man es jedem öffentlich-rechtlichen Durchschnittskrimi um die Ohren hauen würde. Die Kommissarin zum Beispiel, die unter der Last der Aufgabe immer abwechselnd an ihrer Kippe und dem Asthmaspray zieht, bevor sie Kollegen und Verdächtige anraunzt, wirkt wie ein qualmender Gruß aus einer weit entfernten Fernsehvergangenheit.

Dazu kommt, dass die große Stärke der Serie, ihr prominenter Protagonist, zugleich ihre größte Schwäche ist. Der Spiegel schrieb gerade über Matthias Schweighöfer, seine Paraderolle sei "der Schussel, der zu blöd ist, eine Frau richtig anzusprechen, aber am Ende kriegt er sie, weil er so ein Lieber ist". In You Are Wanted aber spielt er einen erfolgreichen Manager und Familienvater, der aufgrund der Umstände mit der dunklen Seite flirtet, und das Blöde ist, dass man ihm das nicht glaubt. Wenn Alexandra Maria Lara den gemeinsamen Sohn ins Bett bringt, wartet man im Grunde darauf, dass sie auch Lukas, ihrem Großen, eine Geschichte vorliest.

Vielleicht kann Schweighöfer nicht aus der Rolle, die seinen Erfolg begründete. Noch wahrscheinlicher ist, dass er es gar nicht will. Lukas Franke, den Schweighöfer ja nicht nur spielt, sondern als Regisseur der Serie auch selbst inszeniert hat, bleibt auch in den dunklen Stunden ein Kerl mit goldenem Herzen. Frank Underwood, die Hauptfigur in House of Cards, verführt gemeinsam mit seiner Ehefrau den Leibwächter. Lukas Franke hat an seinem Geburtstag Sex unter der Bettdecke.

Falls You Are Wanted am Ende doch ein Flop werden sollte, hat Amazon übrigens auch eine Version ohne Schweighöfer im Angebot. Den Roman zur Serie kann man dort schon jetzt als Taschenbuch bestellen.

You are wanted, bei Amazon Prime Video.

© SZ vom 17.03.2017/smb
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