Serie "Blaumacher" Grobhumorik

ZDF neo zeigt einen Mann in der Krise seines Lebens. Dann begegnet ihm ein Mädchen mit dem Spitznamen "Blasehase". Endlich kann er über alles reden.

Von Claudia Tieschky

Falls man die Blaumacher nicht nach fünf Minuten abschaltet, lässt sich ganz gut ein Unterhaltungsspiel damit veranstalten. "Oh, schau mal, Schatz, ein introvertierter Familienvater mit Midlifekrise in leicht bonbonfarbener Vororthölle - wann war noch mal American Beauty? 1999? Und jetzt schon im ZDF!" Oder: "Oh, Schatz, dieses entzückend unglückliche Mädchen da trägt genau wie Gillian Jacobs in Love fast die ganze Zeit Badesachen als Oberteil, und beide sind Alkoholikerin. Der rote Badeanzug von Mickey in Love war aber irgendwie eleganter."

Freunde von lauter Musik: Frank (Mark Ben Puch) und Nachbarin Sascha (Laura Berlin).

(Foto: Volker Roloff/ZDF)

Das grundsätzlich Erwartbare bei neuen deutschen Serien ist ja, dass sie ständig jede Menge andere, berühmtere Serien zitieren oder wenigstens zum Vorbild nehmen. Die Stammbäume sind inzwischen länger als die im Alten Testament. Bei den Blaumachern mit Bernd Lange und Sebastian Heeg als Hauptautoren könnte man fast vermuten, dass sie die Vorbilderei parodieren. Ganz sicher ist das aber nicht.

Frank Sporbert (Marc Ben Puch) schießt eines sonnigen Tages beim Versuch, sein Leben zu beenden, ein riesiges Loch in sein Einfamilienhaus, und zwar gleich vom Keller bis zum Dach. Nach dem Schuss klingelt die 19-jährige Sascha (Laura Berlin), die ständig halb nackt und ebenfalls lebensmüde ist, aber Frank vor allem mit Grobheiten für sich einnimmt. Es ist so, wie es selten ist im Leben und oft in Romanen, sie kennen sich nicht, aber erzählen sich alles voneinander. Weißt du, was mich glücklich macht?, fragt Frank, und man ahnt, dass er ihr das aufdrängt, weil ihn schon lange niemand mehr gefragt hat. Da Sascha zufällig eine Teufelsschlagzeugerin ist, kann Frank sogar tun, was ihn glücklich macht, nämlich Nirvana-Songs im Keller schrubben. Sie verabreden sich für den nächsten Tag, "nur damit keiner von uns auf dumme Gedanken kommt". Netter Satz eigentlich für die Konstellation blutjunges Mädchen und reicher Ehemann auf Abwegen.

Fortan flüchtet der derangierte Held öfter mal zur Nachbarin, die so verlässlich am Pool zu finden ist wie sonst nur ein imaginärer Freund. Nachts schießt sie mit Saugnapf-Pfeilen auf eine aufblasbare Palme, was man fast einen poetischen Moment nennen könnte, wenn poetische Momente hier nicht lediglich kurze Entspannungszeiten vor der nächsten steilen Wendung wären, die oft mit Tieren zu tun hat: Aus der Asche eingeschläferter Katzen wird der Diamant gepresst, mit dem ein rohe Eier verschlingender Fitnesstrainer Franks Frau Carmen einen Antrag macht, die ihn nur für Sex eingeplant hat. Carmen wiederum schlägt neu geborene Mäuse zu Mus. Und Saschas schwere Macke hat mit einem Autounfall zu tun, seit dem sie bei der Polizei "Blasehase" heißt.

Mehr Grobhumorik geht kaum noch. Je ernster es wird in der Serie, desto haarsträubender ist alles oder vielleicht auch umgekehrt. Macht kurz blau und dann schnell müde.

Die Blaumacher, ZDF neo, immer mittwochs, 21.45 Uhr. Alle Folgen bereits in der ZDF-Mediathek.