Seniorenmagazine Der Siegeszug der "Rentner-Bravo"

Der Markt für kostenlose Seniorenmagazine boomt. Die Zielgruppe ist eigentlich kaufkräftig - warum traut sich dann kaum ein Verlag, Geld für die Magazine zu verlangen?

Es ist ja eine eher neue Entwicklung auf dem Zeitschriftenmarkt, dass quasi jede Altersgruppe ein eigens für sie entwickeltes Magazin lesen kann. In Zeiten sinkender Auflagen und Werbeeinnahmen sind Hefte für Alterskohorten auch jenseits der klassischen Teenie-Titel ein naheliegender Weg, die Interessen der potentiellen Abnehmer - die junge Mutter (Gala Kids) oder die Frau über 40 (Freundin Donna) - möglichst genau zu treffen.

Magazine für Alte sind eine Gratwanderung. Authentisch zu sein, zu schmeicheln und Geld zu verdienen - das schaffen wenige.

(Foto: plainpicture/Reutter, T.)

Bestes Beispiel für den Erfolg des Prinzips ist das 2003 gegründete Junge-Leute-Heft Neon von Gruner + Jahr (Stern, Geo), eine Mischung aus gefühliger Nabelschau, guten Reportagen und einer aufwendigen Optik. Heute verkauft G + J durchaus beachtliche 231 739 Hefte im Monat (zweites Quartal 2011); 2009 kam Nido dazu - für jene Leser, die der Neon entwachsen sind.

Doch neben den am Kiosk erfolgreichen Zeitschriften gibt es noch ein anderes, weniger bekanntes Segment für Altersgruppen-Magazine. Eine riesige Anzahl an Seniorenheften, alle auf schwerem Hochglanzpapier gedruckt, alle mit regionalem Bezug, wird jeden Monat in kleinen Auflagen in Geschäften und Arztpraxen kostenlos ausgelegt. Beste Jahre oder Generation Plus heißen die Titel. Letzteres Heft etwa erklärt in der Unterzeile, ein "Best-Ager-Magazin für die Region Göttingen" zu sein. Finanziert werden die Magazine durch Anzeigen und nicht durch Verkaufserlöse, alle existieren sie unabhängig von den großen Verlagen.

Obwohl es allgemein als Tatsache gilt, dass die sogenannten Best Ager als Konsumenten wichtiger werden und die werbetreibende Industrie seit Jahren über eine Verschiebung der werberelevanten Zielgruppe von 14 bis 49 auf 20 bis 59 diskutiert: Die wenigsten Verlage versuchen, die Altersgruppe am Kiosk gesondert anzusprechen. Und vor allem die großen Medienhäuser trauen sich bislang nicht an ein solches kostenpflichtiges Heft heran.