Sendestart von "Nix":Macht mal

Helmut Thoma

Helmut Thoma gilt als "Mr RTL". Er leitete den Sender zu seinen Anfangszeiten und war bis zum Ende der 90er-Jahre Geschäftsführer. Er erlebte schon einmal, wie Print und TV zusammenarbeiten sollten: "Wir sind gescheitert."

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Helmut Thoma wusste mal, wie Privatfernsehen geht - er hat RTL groß gemacht. Dann wollte er Regionalfernsehen neu erfinden unter dem Label Volks TV. Daraus wird nun "Nix": Mit dem Jugendkanal, den die Zuschauer entscheidend mitgestalten sollen, will er allen vormachen, wie so etwas geht.

Von Hans Hoff

Von Nix kommt Nix. Natürlich hat Helmut Thoma mit Wortspielen gerechnet, als er für das, was er seinen neuen Fernsehsender nennt, den Namen Nix kreierte. "Aus Volks TV wird Nix", das hat der ehemalige RTL-Chef selbst gesagt - und sich damit gleichzeitig von einem Namen getrennt, der ihn langsam aber sicher zum Gespött der Branche werden ließ.

Die regionalen Fernsehsender der Republik wollte er unter dem Titel Volks TV mit einem Mantelprogramm vernetzen. Aber es gab mehr Schwierigkeiten als gedacht. Mal fehlten Investoren, dann waren die Verträge noch nicht unterschrieben, dann stellte sich heraus, dass die gefundenen Investoren die falschen waren.

Was Thoma indes nicht daran hinderte, immer wieder den baldigen Start von Volks TV anzukündigen. Daraus wird nun Nix.

Thoma nennt Nix einen Sender. Das ist etwas vollmundig formuliert, denn vorerst ist Nix ein Zweistundenprogramm, das der 75-jährige Österreicher von Mittwoch an beim Regionalsender NRW.TV, wo er inzwischen als alleiniger Geschäftsführer fungiert, ausstrahlen will.

Jeden Werktag soll Nix von 20 bis 22 Uhr senden und all jenen, die von einem Jugendkanal träumen, vormachen, wie das geht.

Kulisse wie ein Loft

Weil noch nicht viel Geld in der Kasse ist, hat Thoma kurzerhand 40 Studenten von privaten Medienhochschulen in Nordrhein-Westfalen rekrutiert und lässt die nun in einer alten Wellblechhalle im Düsseldorfer Medienhafen Programm machen. "Wir machen Nix. Mach mit." So steht es auf einem Plakat, das einen Großteil der angekündigten Truppe zeigt.

Die probt seit ein paar Monaten, aber mehr zu sehen als das Plakat gibt es vorab nicht. Man könne das, was da auf Sendung gehe, vorab nicht angemessen abbilden, sagt Thoma und entschuldigt damit das Ausbleiben von optischen Belegen seiner Ankündigungen. Schließlich gehe es darum, so Thoma, dass die Zuschauer vor den Bildschirmen und den Second Screens die Sendung entscheidend mitgestalten.

Inszeniert wird das Ganze in just jener Kulisse, in der bislang ein paar Hipster für NRW.TV stundenweise juvenilen Bildungswillen simulieren. Es ist das Studio, in dem vor der Jahrtausendwende auch schon der inzwischen wieder eingestellte Spartensender Giga junges Fernsehen startete.

Und ein bisschen sieht es aus, als habe sich seitdem nicht viel geändert. Immer noch wirkt die Kulisse wie ein Loft, das etwas bemüht die Atmosphäre von populären Sitcoms wie Big Bang Theory einfangen soll. Bestenfalls soll Nix auch genau jene Stimmung transportieren.

Erweisen wird sich das von Mittwoch an - in den Haushalten, die Nix in NRW über Kabel erreicht und in jenen, die sich über die Netzadresse nixtv.de zuschalten. Bald soll es auch eine App geben. Bald soll der Sender auch in weitere Kabelnetze eingespeist werden. Bald soll auch die Sendezeit ausgeweitet werden. Bald. Bald. Bald. Sagt Thoma. Er glaubt fest daran, dass aus Nix etwas wird.

© SZ vom 16.06.2014/pak
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