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Berliner Zeitungsmarkt:Sebastian Turner hört beim "Tagesspiegel" auf

Sebastian Turner Tagesspiegel

Sebastian Turner stieg 2013 beim "Tagesspiegel" ein.

(Foto: Reiner Zensen/imago images)

Sieben Jahre nach seinem Einstieg bei der Berliner Tageszeitung geht der Herausgeber und Anteilseigner. Er wolle sich einem neuen Unternehmen widmen.

Von Kathleen Hildebrand

Rein biografisch schien es nur folgerichtig, dass Sebastian Turner Anfang 2013 zum Tagesspiegel kam. Seine Laufbahn hatte im Zeitungsgeschäft begonnen: Als Schüler gründete er am Stuttgarter Karlsgymnasium eine Schülerzeitung, die wenig später zur besten in Deutschland gekürt wurde. Mit 18 Jahren gründete er ein Magazin für Journalisten, das bis heute eines der großen ist: das Medium Magazin. Als Werber bei der Großagentur Scholz and Friends belebte er den wohl bekanntesten Slogan wieder, den eine Zeitung in diesem Land hat: "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" für die FAZ. Und: Sein Vater, George Turner, ehemaliger Berliner Wissenschaftssenator, ist langjähriger Kolumnist des Tagesspiegels.

Die letzte Karrierestation des 54-Jährigen wird der Tagesspiegel nun aber nicht bleiben. Am Freitag gab der Verlag der Berliner Tageszeitung bekannt, dass Turner das Unternehmen zum Jahresende verlassen wird, als Herausgeber, der er gemeinsam mit Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo war, und als Co-Gesellschafter. Seine Anteile am Tagesspiegel-Verlag, zwanzig Prozent, gehen an Dieter von Holtzbrinck zurück, der ihn in der Pressemitteilung mit großen Worten verabschiedet: "Das Kreativitäts-Genie Sebastian Turner", schreibt er, habe in seinen sieben Jahren im Haus die erfolgreiche Entwicklung des Tagesspiegels stark mitgeprägt.

Tatsächlich hat sich der Tagesspiegel in dieser Zeit an die Spitze des harten Berliner Zeitungsmarkts gekämpft. Mit einem Marktanteil von 40 Prozent - eine Steigerung um 19 Prozent in zehn Jahren - ist das Blatt Marktführer in der Hauptstadt und wird auch im Rest der Republik gelesen. In der Tagesspiegel-Redaktion betrachteten selbst Fürsprecher Turners Engagement bei der Zeitung anfangs skeptisch - wegen seiner Vergangenheit als Werber. Er galt jedoch als kluger, schneller Kopf und als hervorragend vernetzt, heißt es aus der Redaktion.

Turner stellte das auf den Printmarkt konzentrierte Geschäft mit Paid-Content-Formaten, E-Paper, Newslettern und Digitalkonferenzen aufs Digitale um. Das Berliner Stadtmagazin Zitty, das zum Tagesspiegel gehörte, musste hingegen schließen.

Es klingt, als sei sein Weggang wirklich nur eine weitere Erfolgsgeschichte, hinter die Sebastian Turner ein Häkchen setzt. Dass er 2012 parteiloser Bürgermeister von Stuttgart werden wollte, sich aber Fritz Kuhn geschlagen geben musste, wirkt in seinem Lebenslauf fast wie eine Fußnote.

Dem Medienportal Kress sagte Turner in einem Interview, dass gerade sein Erfolg beim Tagesspiegel der Grund dafür sei, dass er nun gehe. Er wolle sich in Zukunft ganz seinem Unternehmen Trafo widmen, das er vor zwei Jahren gegründet hat, eine Art Venture-Capital-Firma, die Beteiligungen an mehreren kleineren Tech-Unternehmen im Medienbereich hält. Dazu gehören die Meinungsforschungsunternehmen Civey und Opinary, eine KI-Firma und sogenannte Micropublisher, die auf sehr kleine, aber zahlungskräftige Fachzielgruppen zugeschnitten sind. Laut Turner soll Trafo aber "auch eigene publizistische Projekte anstoßen, die Technologie und Publizistik verbinden".

© SZ/cag
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