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Schweizer Rundfunk:Nach "No Billag": SRF setzt auf Kooperation

Die Bürger in der Schweiz haben sich in der Volksabstimmung für ihr Radio und Fernsehen entschieden. Doch der Rundfunk dort wird sich verändern. Die Reformen könnten Vorbild auch für Deutschland werden.

Von Charlotte Theile

SCHWEIZ INITIATIVE NO BILLAG

Mit 451 Franken jährlich finanzieren die Schweizer 17 Radio-, sieben TV-Sender und Online-Angebote in vier Sprachen - auch in Rätoromanisch.

(Foto: picture alliance/KEYSTONE)

Nach dem Bekenntnis zur Rundfunkgebühr im Volksentscheid am Sonntag hat das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) Reformen angekündigt. "Das Nein zu 'No Billag': eine Bestätigung, die verpflichtet" heißt es in einer Erklärung auf der Website der öffentlich-rechtlichen Sendergruppe. Dies sei "ein neuer Anfang", wird Generaldirektor Gilles Marchand zitiert.

Konkret plant das Medienhaus, das in den vergangenen Wochen heftiger Kritik ausgesetzt war, ein Sparpaket in Höhe von umgerechnet 86 Millionen Euro umzusetzen. Verwaltung, Infrastruktur, Technik und Produktion sollen effizienter werden. Da auch Arbeitsplätze betroffen sein sollen, gab es am Montag Kritik von den Gewerkschaften. Kürzungen seien jetzt das falsche Signal. Doch das Schweizer Radio und Fernsehen kündigte auch Investitionen an: Wurden 2016 noch 39 Prozent der Gebühreneinnahmen in Informationssendungen investiert, sollen es künftig 50 Prozent sein. Zudem soll verstärkt in einheimische Film- und Serienproduktionen investiert werden.

Um sich besser von der privaten Konkurrenz zu unterscheiden, verzichtet man künftig auf Werbeunterbrechungen bei Spielfilmen am Abend, auf zielgruppenspezifische Werbung und darauf, reine Textbeiträge ins Internet zu stellen. Letzteres hatte besonders die privaten Verlage verärgert. Auch sonst können private Journalisten in der Schweiz künftig mit mehr Entgegenkommen des größten Medienhauses rechnen: So plant der Rundfunk, sein Archiv auch für andere Medienanbieter zu öffnen.

© SZ vom 06.03.2018
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