Schwarzwald-"Tatort" Wenn ein Schuss die Idylle zerstört

Wer hat die elfjährige Frieda im Wald erschossen? Die Nachbarn Jens Reutter (Godehard Giese), Martin Benzinger (Shenja Lacher, links) und Klaus Buchwald (Felix Knopp, rechts) zusammen mit Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau) am Tatort.

(Foto: SWR/Johannes Krieg)

Im ersten Schwarzwald-"Tatort" schwanken drei moderne, laktosefreie Paare zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Ein solider Dienstbeginn für das neue Team - auch ohne Harald Schmidt.

Von Holger Gertz

Auffallend, dass im Tatort die Tendenz zu verständlicher Handlung sich offenbar durchsetzt. Vor drei Wochen das Freiluftkammerspiel "Stau" vom SWR, diesmal vom selben Sender die Premiere des neuen Schwarzwaldkrimis. "Goldbach" von Robert Thalheim (Buch: Bernd Lange) hängt die Privatgeschichten der Kommissare nicht höher als nötig. Der Fall ist wichtiger als das Binnenverhältnis der Ermittler, ein Kontrastprogramm zu vielen Stücken der vergangenen Jahre, in denen die Befindlichkeit des schnüffelnden Personals angestrengt umtanzt wurde.

Eine psychologisch interessante Konstellation

Die Freiburger Hauptkommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) suchen den Mörder eines elfjährigen Mädchens, das im Wald umgebracht worden ist. Der Schuss zerreißt am Anfang des Films die Stille; das Verhängnis zerstört eine Idylle, die wie jede Idylle nur scheinwahr ist. Das Mädchen war unterwegs mit zwei befreundeten Jungs, von denen einer wieder aufgetaucht ist und der andere noch vermisst wird. Psychologisch interessante Konstellation: Drei befreundete Elternpaare sind aufs Land gezogen, damit ihre Kleinen schön Platz zum Spielen haben. Und jetzt trauert ein Paar um sein totes Kind, ein Paar hofft noch auf die Wiederkehr. Ein Paar hat seinen Jungen schon glücklich zurück.

Menschen, die Hoffnung haben, verlieren augenblicklich die innere Verbindung zu denen, die nicht mehr hoffen können. "Eure Kinder leben, und mein Kind ist tot", sagt ein Vater bei einem Treffen der Elternpaare: ein Moment, bei dem die Erosion aller Beziehungen schön sichtbar wird. Denn auch diese jungen, modernen, laktosefreien Menschen verlieren das Gefühl für den richtigen Ton. Wo eine konstruktives Mitdenken einfordert, sagt der erloschene Vater: "Ich hab gar kein' Bock auf konstruktiv."

Der Tod eines Kindes ändert alles. Und niemand ist ihm gewachsen. Dieser Tatort ist stark, wenn er nah bei seinen Figuren bleibt. Ein weiter Erzählstrang will die Themen Waffenhandel und Verbindungen zu den högschden Kreisen der Landespolitik einbinden, was aber nicht richtig funktioniert.

Solider Dienstbeginn, auch ohne Harald Schmidt, der einen Kriminaloberrat hätte spielen sollen, dann aber absagte.

Schmidt fehlt nicht.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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