"Schulz in the box" bei ProSieben Da muss man doch was machen

Bei Joko und Klaas macht Olli Schulz sich gern zum Affen. Jetzt kriegt er seine eigene Sendung, in der er in einer Holzkiste in fremden Lebensentwürfen ausgesetzt wird. So weit, so hölzern - doch irgendetwas fehlt noch.

Von Carolin Gasteiger

Als die junge Frau ihren Kopf zwischen Tommys Lenden vergräbt, unterhält Olli Schulz sich gerade und will gar nicht hinschauen. In der ersten Folge von "Schulz in the box" sitzt der ProSieben-Mann auf dem linken Rand des Bettes, der blonde Norweger Tommy, den Schulz den "Silberrücken" der Hippie-Kommune nennt, liegt am rechten Rand. Und genießt. Am Kopfende hängt ein grün gesäumtes Kissen, auf dem steht: "Let Nature free."

Olli Schulz nennt die Zeit einen "Erneuerer", der das Fernsehen revolutionieren soll. Besonders gut sieht er nicht aus, er hat erste graue Haare, über dem kleinen Bauch spannt das Goofy-T-Shirt. Eigentlich ist er Musiker, pöbelte sich aber erfolgreich zum Sidekick von Joko und Klaas in Neo Paradise und Circus Halligalli. Als Charles Schulzkowski lallte er mit ordentlichem Pegel Bully Herbig auf der Berlinale hinterher, Joko Winterscheidt lud er zur eigenen Bunga-Bunga-Party. Bisschen nackig, bisschen pöbeln. Man mag dieses Jackass für kleine Jungs lustig finden oder nicht: Olli Schulz ist sich auf jeden Fall für nichts zu schade und sagt in Interviews gern: "Ich schäme mich für nichts."

Nun also "Schulz in the box": So weit, so hölzern. In einer Kiste lässt sich der 39-Jährige irgendwo auf der Welt (in der ersten Folge hofft er vergeblich auf die Malediven) aussetzen, um ihm unbekannte Lebensentwürfe kennenzulernen. Weder das Sendungsprinzip noch die platten Gags ("als wenn Unicef Youporn betreiben würde") sind neu. Auf seiner Webseite schreibt Schulz: "Jetzt werde ich 40 und da muss man wohl was machen." Klingt irgendwie verzweifelt.

In der ersten und bislang einzigen Folge besucht Schulz eine Hippie-Kommune in Berlin-Hellersdorf, deren Bewohner mit selbstgedrehten Pornos den Regenwald retten wollen. "Fuck for Forest" ist so simpel wie es klingt. Es kommt, wie es kommen muss: Junge Menschen mit langen Haaren sitzen in wild kombinierten Outfits, aber gern auch nackt, in einer bunt ausstaffierten Wohnung in Berlin-Hellersdorf herum, hören Musik, schwelgen in umfänglicher Unzufriedenheit mit dem System, Deutschland sei total langweilig. Dazwischen weiß Schulz im Goofy-Shirt nicht so recht wohin. Und dann redet nicht mal jemand mit ihm.

Als er mit den Hippies vor einem Schnellimbiss-Restaurant protestiert, kommt er sich dabei "hinterfotzig" vor, weil er selbst doch so oft da drin isst. Bald merkt er, dass das einfach nicht seine Welt ist. Aber er lässt sich drauf ein und versucht doch, sie irgendwie zumindest zu verstehen. Ein Auszug:

Schulz: "I never saw anybody having sex in front of me. You like having sex with all these people around you?"

Tommy (der "Silberrücken"): "No we hate it. We do it for the forest."

Mit seinen ehrlichen Kommentaren ("Da war ich beruhigt, weil ich dachte, dass ich so verklemmt bin") und dem Willen, diese so andere Welt kennenzulernen, und sei es noch so schwer, versucht Schulz, lustig zu sein. Vergeblich. Ob er mit dem Format zum Revolutionsführer des deutschen Fernsehens avanciert? "Irgendwie fehlt mir so ein bisschen der Fun-Faktor", sagt er nach etwa einer Viertelstunde und spricht dem Zuschauer aus der Seele.