Schleichwerbung? Verschlafen

Im ARD-"Morgenmagazin" werden Mitarbeiter einer Werbeagentur interviewt - von einer Autorin, die Mitgründerin ist. Sie wurde wegen "Interessenkollisionen" kaltgestellt. Die freie Mitarbeiterin behauptet, "seit Jahren" ausgestiegen zu sein.

Von Benedikt Frank

Für seine Sommerinterviews hatte das ARD-Morgenmagazin einen Einfall: Auch mal die kleinen Leute zu Wort kommen lassen, statt immer nur politische Schwergewichte. Doch - und hier wird die eigentlich charmante Idee zum Problem - statt halbwegs willkürlich ausgewählter Durchschnittsbürger bat die RBB-Reporterin Viktoria Kleber am 12. August drei Mitarbeiter einer Berliner Werbeagentur zum Interview. Ganz schlecht: Sie selbst ist Mitgründerin und Gesellschafterin der Agentur.

"Haben Sie überhaupt was zu tun?", fragt Kleber, weil Urlaubszeit sei, worauf ihr Gründerkollege erklärt, ganz gut zu tun zu haben. Der Medienwebsite Übermedien war die Geschäftsverbindung der Reporterin zu den Interviewten zuerst aufgefallen. Sie wirft Kleber nun Schleichwerbung vor.

Beim RBB will man dieses Wort nicht benutzen, es sei juristisch nicht korrekt. Der Verstoß gegen journalistische Grundregeln sei nicht hinnehmbar, verkündet der Sender und verweist auf "Interessenkollisionen", die anzuzeigen berufsethisch sowie vertraglich verpflichtend gewesen sei. Anlass zum Zweifel an der Kollegin habe es bisher nicht gegeben. Jetzt stünden "sehr ernsthafte Gespräche" an, sagt RBB-Sprecher Justus Demmer. Die Zusammenarbeit mit Kleber ruhe, bis der Fall intern aufgeklärt sei. Am Dienstag bat diese die Redaktionen um Entschuldigung: Zwar behauptet sie, "seit Jahren nicht mehr in die Geschäfte der Firma involviert" zu sein, "keinerlei Gewinne" zu erhalten. Und doch sei ihr Verschweigen "ein großer Fehler" gewesen. Bei der Redaktion, die den Beitrag abgenickt hat, will man keine Mitschuld sehen. Das Interview wurde aus der ARD-Mediathek entfernt.