Schauspielerin Sibel Kekilli:"Ich, von Beruf Schauspielerin"

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Sibel Kekilli wollte sich nicht festlegen, nicht für immer die Frau fürs Integrationskino sein, viele Angebote sagte sie ab. Andere Rollen scheinen dem Kino aber kaum für sie einzufallen. Und das Fernsehen? Ach. Deutsche TV-Frauen sind vor allem eines: total in Ordnung. Eine Figur mit einem echten Knall, wie sie Claire Danes in Homeland spielt, ist kaum denkbar, ein manipulatives Miststück wie Robin Wright in House of Cards schafft es nur zur Hauptfigur, wenn sie geläutert wird. Die Zuschauer sollen sich identifizieren können. Sibel Kekilli sagt, sie liebe Kommissarin Lund, die dänische Ermittlerin, "die ist so verbissen, so kompliziert". Sie kenne keine Frauenfigur im deutschen Fernsehen, die so ist. "Das ist wirklich schade."

Sibel Kekilli hat in den Jahren nach ihrem großen Erfolg sehr viel gewartet. Sie sagt: "Ich hatte zwischendurch schon Phasen, in denen es wirklich schwierig war, es gab schon harte Zeiten." Aber sie habe keine Kinder, sie müsse von ihrem Einkommen keine Familie durchbringen. "Ich halte meine Ansprüche auf Luxus lieber niedriger und bewahre mir dafür die Freiheit. Natürlich hätte ich gerne mal eine Chanel-Tasche, eine neue", sagt sie und lacht.

Selbstachtung statt Chanel-Tasche, bisher hat sie das gut durchgehalten. Immer nur glücklich macht es aber wohl nicht. Im April 2010, als sie für Die Fremde den Filmpreis gewann, lief Sibel Kekilli im Berliner Friedrichstadt-Palast nicht nur barfuß nach vorne und setzte sich im Rauschekleid auf die Bühne. Sie schrie auch eine Initiativbewerbung in den Raum: "Ich, von Beruf Schauspielerin, bin interessiert an guten Stoffen." Das Publikum klatschte mit dieser gewissen Mischung aus Faszination und Gönnertum.

In Finnland zum Tatort

Sie sagt, sie habe diese Rede schon ernst gemeint. "Ich dachte, ich bekomme jetzt einen Preis und dann passiert wie nach Gegen die Wand wieder erst mal nichts." Und sie habe gedacht: "Ich möchte nicht noch einmal solche Zeiten erleben, ich will meine Miete zahlen können. Aber ich will auch Projekte machen, bei denen ich mit dem Herzen dabei bin." Gemeldet hat sich auf ihren Auftritt hin Matthias Schweighöfer, der ihr eine Rolle in What a man verschaffte. Aber das sei jetzt auch schon wieder länger her - sie würde, sagt sie, immer noch gerne viel mehr drehen fürs Kino.

Man muss sich um die Miete von Sibel Kekilli wahrscheinlich keine akuten Sorgen machen, sie spielt in Game of Thrones, seit 2010 ist sie Ermittlerin im Kieler Tatort. Ihre Rolle als Sarah Brandt war kein Sozialprojekt des NDR nach Kekillis Arbeitsgesuch vor Millionenpublikum: Ein paar Wochen vor dem Filmpreis-Auftritt war sie im Urlaub in Finnland, nahe der russischen Grenze, "wo sonst wirklich niemand ist". Nur Axel Milberg, der einen Tatort drehte. Sie trafen sich beim Einkaufen, Milberg fragte die zuständige Redakteurin, ob Kekilli die Nachfolge seiner Co-Ermittlerin machen könnte. "Er meinte: Die scheint doch nett zu sein, fragen wir die mal."

Als Sarah Brandt, als Kommissarin mit deutschem Namen, ist Sibel Kekilli in der Mitte der Fernsehnation angekommen. Und sie hat sich ihre Räume geschaffen. Sarah Brandt ist Epileptikerin, "unberechenbar", sagt Kekilli. Für eine Tatort-Kommissarin ist das schon fast verrückt. Und sie ist Shae, Kurtisane in einer Welt, in der Frauen nicht mehr Skrupel haben als die Männer, mit denen sie schlafen.

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