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Schauspielerin:"Es geht um Ehrlichkeit"

Taylor Schilling

Orange is the New Black-Star Schilling: "Gezwungen, nicht mehr das gute Mädchen zu sein".

(Foto: Todd Williamson/Invision/AP)

Taylor Schilling über ihre Serienrolle als Knast-Insassin in "Orange is the New Black" und wie ihr Leben sich dadurch verändert hat.

Erst einmal sagt sie gar nichts. Taylor Schilling sitzt in einer Suite im Hotel Adlon und tippt auf ihrem Handy herum. Noch schnell ein paar Nachrichten abschicken, dann ist sie da. Und wie! Die Frau, die in der Netflix-Serie Orange Is the New Black die so zerbrechliche wie wilde Gefängnisinsassin Piper Chapman spielt, redet einfach drauflos - ohne jedes Wort zu wägen. Die 30-Jährige ist nach Berlin gekommen, um für den Start der dritten Staffel am 12. Juni zu werben. Sie streift die Schuhe ab, setzt sich in den Schneidersitz und bietet einem mitten im Gespräch ihren halb vollen Cappuccino an, sie mag es lieber entkoffeiniert. Danke.

SZ: Miss Schilling, was fasziniert die Zuschauer an kriminellen Frauen, die ihre Tage im Gefängnis absitzen? Die Schlägereien, der Sex, der Voyeurismus?

Taylor Schilling: In Orange Is the New Black geht es um Ehrlichkeit, es geht um richtige Charaktere, die das volle Spektrum menschlicher Erfahrung abdecken. In dieser Mischung aus Tragik und Humor kann ich mich selbst wiederfinden.

Sie spielen eine Yuppie-Prinzessin, die wegen eines lange zurückliegenden Verbrechens ins Gefängnis muss. Wenig später schon schlägt sie einer Insassin die Zähne aus, hat Sex unter der Dusche und besticht einen Mann mit ihrer dreckigen Unterwäsche. Damit sollen sich Frauen identifizieren?

Das, was ich an Piper liebe, kann man nicht an einer bestimmten Aktion festmachen. Sie ist eine Frau, die keine Angst davor hat, Risiken einzugehen. Bevor sie ins Gefängnis kommt, macht sie viele Dinge, um gemocht zu werden oder um sich sicher zu fühlen. Plötzlich wird sie dazu gezwungen, nicht mehr das gute Mädchen zu sein. Und das ist ja schon ein universeller Wunsch: Verhaltensweisen abzulegen - und mit allen Erwartungen zu brechen.

Gegen die starken Frauenfiguren stehen die Männer als Schwächlinge da.

Deswegen ist die Show ja auch so erfolgreich. Auch ich bin es leid, immer und immer wieder ein solch erschöpftes Frauenbild zu sehen: Frauen als Anhängsel des Mannes, als Mütter, als beste Freundinnen. Orange Is the New Black ist voll von Frauen-Biografien, die es wert sind, erzählt zu werden. Auch ohne Männer an ihrer Seite.

Sie haben die Rolle der Piper Chapman als "lebensverändernd" bezeichnet. Wieso?

Als Schauspielerin bin nun an dem Punkt angelangt, an dem ich meiner eigenen Entwicklung vertraue. Bevor ich diesen Job angenommen habe, gab es einen Teil in mir, der sagte: Ich weiß es überhaupt nicht.

Diesen Moment hat doch jeder in seinem Berufsleben, diese Zweifel müssen sein.

Ja, genau! Es gab viele Momente, wo ich dachte: Kriege ich Rollen, die ich wirklich spielen will? Was soll das alles, wenn ich nicht tun kann, was ich wirklich tun will?

Sie meinen Ihre beruflichen Enttäuschungen, bevor Sie Piper Chapman wurden?

Ja. Und ich bin sicher, dass es wieder Enttäuschungen geben wird. Aber das Gute ist: Die Serie hat mich geerdet und auf den richtigen Weg gebracht.

Nun sind Sie sogar der erste hausgemachte Netflix-Star.

Oh yeah!

Und wie ist das so, das Leben als Streaming-Berühmtheit?

Da entsteht einfach eine andere Intimität. Die Fans fühlen sich mir nah, und ich fühle mich den Fans nah. Sie können ja dreizehn Stunden am Stück mit mir verbringen.

© SZ vom 08.06.2015
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