Schauspieler Vadim Glowna wird 70 Wahrheiten über das deutsche Fernsehen

Die Richtung war in den 70ern und 80er auch ein bisschen Paris, ein bisschen Los Angeles. Glowna spricht gut Französisch und Englisch so akzentuiert, dass er in französischen und englischsprachigen Filmen spielte. Aber er war dann doch nicht der Franzose für die Franzosen oder der Amerikaner für die Amerikaner. Er war auch nie einer für die Komödie. Er mag Komödie. Im Theater, sagt er, "kann ich auch komisch sein". Aber die komischen Rollen kriegte er im Film nicht, was er, sagt er, "richtig" findet. Wird man nicht in Deutschland vor allem mit Komödien populär?

Manchmal mehr Erfolg im Ausland

Es gibt während des Gesprächs einen Bezug zur Qualität des deutschen Fernsehens. Ein Bezug, der nicht mehr als zehn Sätze groß ist und nicht mehr Zeit verbraucht als zwei Minuten, Schweigen inklusive. Glowna, der mehr als zwanzig Jahre mit der Schauspielerin Vera Tschechowa verheiratet war, der viel mehr Regie führt, als einem das klar ist, der auch viel erfolgreicher ist, als einem das bekannt ist, sagt: "Es gibt einen Spruch: Im Ausland werden Filme von Regisseuren gemacht, in Deutschland von Redakteuren. Da steckt viel Wahrheit drin."

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Den Eindruck hat man schnell, dass er meint, was er sagt und überlegt, bevor er redet. Er hat keine Botschaften. Vielleicht ist das seine Taktik. Er hat seine Wahrheiten und Geschichten. Eine Wahrheit ist, dass sein bislang letzter Film, Das Haus der schlafenden Schönen, in Deutschland nicht ankam, aber in New York ein halbes Jahr lief. Glowna hat ihn ohne Sender finanziert, schrieb das Drehbuch und führte Regie: "Es geht ums Sterben". Eigentlich auch ein deutsches Thema.

Es gab viele deutsche Themen für Glowna. 1977 lernte er Sam Peckinpah kennen, der Steiner, das Eiserne Kreuz im damaligen Jugoslawien inszenierte und später väterlicher Freund wurde. Der Kriegsfilm zeigt deutsche Soldaten an der Front, die nicht mehr an Hitlers Führung glaubten und nur noch ums Überleben kämpften.

Betrunken beim Vorsprechen

Glowna ging nüchtern ins Vorsprechen im Münchner Hotel Königshof, kam betrunken heraus mit der Zusage für eine kleine Rolle, die er bald umschrieb - um sie größer zu machen. Peckinpah sei, als ihm das neue Skript vorgelegt wurde, "explodiert wie eine Sonne". Doch die Wut war gespielt, ihm gefielen die Änderungen der Szenen. Er drehte schließlich alles so, wie Glowna es sich ausgedacht hatte. Einzige Bedingung: "Don't tell anybody."

Peckinpah, der drei Flaschen Schnaps am Tag leerte, angeblich nie Steuern bezahlte, nachts die Cutter in den Schnitt bestellte, starb 1984: mit 59 Jahren. "Er sah aus wie 75", sagt Glowna, "aber ich habe ihn nie lallen gehört, er behielt seinen scharfen Blick für alles."

Vadim Glowna schaut von sich aus selten zurück. Sagt er. Es gebe Pläne, Drehbücher. Und es gibt neue Erkenntnisse. Er habe festgestellt, dass nachts, nach 24 Uhr, gute Filme im Fernsehen laufen. Das stimmt. Doch ist er wirklich ein Gründgens-Typ?