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Satireaktion gegen Jack Warner:Aus seinen Witzen soll Wissen gedeihen

Ein kleiner Coup ist vor allem die Aktion an sich, weniger ihr Inhalt. Sein Opfer, dem er vor Gericht wenig Chancen ausrechnet, führt Oliver auf routinierte Weise vor ("Ich hab mal die Anklageschrift durchgeblättert und ... viel Glück damit."). In der Causa Warner zeigt sich die große Stärke und Ausnahmestellung des John Oliver: Der Exil-Brite ist der letzte große Aufklärer im US-TV.

Seit April 2014 verknotet der Mann, der mal der britische Sidekick von Jon Stewart war, in Last Week Tonight with John Oliver derbe Zoten und intellektuellen Anspruch wie kein Zweiter in seinem Geschäft. In den USA auf dem Bezahlsender HBO und - was viel wichtiger ist - für den Rest der Welt auf YouTube.

John Oliver macht Comedy in ihrer reinsten Form: zynisch, bitter, selbstironisch. Aber nicht zum Selbstzweck. Er hinterlässt keine verbrannte Erde. Aus seinen Witzen soll Wissen gedeihen. Das ist sein Auftrag. Nur Oliver ist gegenwärtig in der Lage, ein irre langweiliges - aber wichtiges - Thema wie die Netzneutralität auf irre witzige Weise der Masse der Nicht-Eingeweihten zu erklären. Wenn man will, dann ist Last Week Tonight with John Oliver so etwas wie die Sendung mit der Maus für desillusionierte Erwachsene.

Sperrige, abstrakte, bedeutende Themen: die erdrückende Last der Studentenkredite in den USA, die Gefahr von erhöhtem Zuckerkonsum, die Macht der Tabakindustrie. Und sein vielleicht größter Coup bislang: ein Exklusiv-Interview mit Whistleblower Edward Snowden.

"Können die meinen Schwanz sehen?"

Denn John Oliver hat ein grundlegendes Problem unserer Zeit erkannt: Warum empören wir uns nicht über die Massenüberwachung durch entfesselte Geheimdienste wie die NSA? Weil uns die Bilder fehlen, die Narration, die persönliche Betroffenheit. Und so bricht Oliver im Gespräch mit Snowden die ganze überbordende Debatte auf eine einzige Frage herunter: "Können die meinen Schwanz sehen?" Anhand eines Penisfotos erklärt Snowden die Möglichkeiten der Überwachung. NSA-Programm für NSA-Programm. John Oliver fragt immer und immer wieder mit stoischer Mine und heiligem Ernst: "Können die meinen Schwanz sehen?"

Während die Tränen in den Augen den Bildschirm verschwimmen lassen, realisiert man: Witziger und zugleich klarer ist diese Geschichte nicht zu erzählen. Ein Mann gegen die NSA, gegen die Fifa, gegen Sattheit und Gemütlichkeit. Die Welt braucht Typen wie John Oliver.

© SZ.de/pak/jobr

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