bedeckt München 32°

Satire-Ausgabe einer WDR-Zeitung:Maus mit Faust

WDR-Mitarbeiter haben eine gefälschte Ausgabe der Hauszeitschrift "WDR Print" verbreitet. Das täuschend echt gemachte Plagiat träumt auf satirische Weise von der Zukunft nach einem imaginären Kurswechsel von Intendantin Monika Piel.

Alles ist anders beim WDR. Das steht zumindest in der am Donnerstag frisch verteilten Ausgabe von WDR Print, der bunten Hauszeitung des Senders. Das Engagement von Günther Jauch ist demnach geplatzt, Chefredakteur Jörg Schönenborn arbeitet nun in einem Regionalstudio, und der als Sparkommissar verschriene Leiter Zentrale Aufgaben Fernsehen, Helfried Spitra, wurde zum privaten Billigsender "Center TV" abgeschoben.

WDR Print November 2011

Auf  November 2011 ist die satirische Zukunftsausgabe von "MDR Print" datiert.

Zu sehen ist ein frisch enttarntes geheimes WDR-Landesstudio, ein TV-Gulag, in dem Mitarbeiter noch heftiger ausgebeutet werden als im Hauptsender. Zudem ist die vom inzwischen abgelösten Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers angeschobene Zusammenarbeit mit der WAZ beendet und der Rundfunkrat zugunsten eines frei gewählten Zuschauerparlaments aufgelöst worden.

Intendantin Monika Piel, die ganz im Emma-Peel-Lederlook zu bewundern ist, bekennt sich zudem zur vollzogenen Wende im WDR. In den vergangenen 20 Jahren sei die Führungsebene einem falschen Zeitgeist hinterhergelaufen, habe zu sehr auf Quote geachtet. Dies ändere sich nun. Gute Sendungen würden, anders als bisher, direkt nach der Tagesschau gezeigt, die schlechten ins Spätprogramm abgeschoben. Dank sei dem Bürgerbündnis

"Wir sind WDR", schreibt die Chefin des Hauses. Und ihre TV-Managerin Verena Kulenkampff verkündet stolz, dass man die gerade preisgünstig zu verpflichtende Margarethe Schreinemakers engagiert habe. Die solle mit ihrer Gabe, turboschnell zu reden, in ihrer neuen Sendung "Ein Aufwasch" die Themen von vier billigen Servicesendungen aufkochen und so etliche Sendeplätze freischaufeln. "Und wir haben dann auch das Geld, auf diesen Sendeplätzen ein gutes Programm zu machen", wird Kulenkampff zitiert.

Spätestens bei diesen Worten muss jeder hellhörig werden, der die Fernsehdirektorin kennt. Das können unmöglich ihre Worte sein. Sind es auch nicht, denn es handelt sich bei dieser Ausgabe von WDR Print um eine Fälschung. Mehr als 50 feste und freie, nicht näher benannte Mitarbeiter des WDR haben sie als Protest gegen Spardiktate und zu niedrige Honorare täuschend echt gestaltet und ziemlich genau den sonst in der Postille üblichen Jubelton getroffen. Anders ist nur, dass sich der WDR in dieser Ausgabe so selbstkritisch gibt wie noch nie.

Letztlich ist das in einer Auflage von 10 000 Stück erschienene Plagiat, dessen Titel die hauseigene Maus mit erhobener linker Faust ziert, eine recht witzige Träumerei, die von der Gewerkschaft Verdi mit einem Druckkostenzuschuss gefördert wurde. Das gefiel sogar der Intendantin. Piel zollte dem Produkt trotz inhaltlicher Differenzen im Intranet Respekt: "Die Ausgabe ist witzig und phantasievoll gemacht, mit gelungenen Pointen und einem Layout von hoher Professionalität. Einmal mehr ein klarer Beleg dafür, dass der WDR eine Menge kluger Köpfe hat."