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Pressefreiheit:Russland verweigert ARD-Journalist Zugang zu EM-Spielen

Sitzung der ARD-Intendanten

Der WDR sieht in der verweigerten der Akkreditierung für Kempe eine "Einschränkung der Pressefreiheit".

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Robert Kempe hat die WM in dem Land und das Wirken des Internationalen Olympischen Komitees kritisch beleuchtet. Nun lehnen russische Behörden eine Akkreditierung ab.

Dem ARD-Journalisten Robert Kempe ist nach Angaben des WDR die Zulassung zu EM-Spielen in Sankt Petersburg entzogen worden. "Wir sehen darin eine Einschränkung der Pressefreiheit, die für uns nicht akzeptabel ist", sagte WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni einer Mitteilung des Senders zufolge. Russische Behörden haben demnach nach einem "Hintergrund-Screening" eine Akkreditierung von Kempe abgelehnt. Nach Angaben der Europäischen Fußball-Union (Uefa) gilt die Akkreditierung des preisgekrönten Journalisten weiterhin für die anderen zehn Spielorte der Europameisterschaft.

WDR-Chefredakteurin Ehni forderte Aufklärung von Russland in der Sache. "Wir sehen darin eine Einschränkung der Pressefreiheit, die für uns nicht akzeptabel ist", sagte WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni: "Wir fordern Russland dazu auf, für Aufklärung zu sorgen und unserem Kollegen freien Zugang zu den russischen Venues zu gewähren, damit er seiner Arbeit als Journalist vor Ort nachgehen kann." Da der Journalist wegen der fehlenden Akkreditierung auch nicht einfacher an ein Visum komme, bemühe sich der Sender um andere Einreisemöglichkeiten für ihn. Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) übte heftige Kritik. "Das ist ein inakzeptabler Eingriff in die Pressefreiheit, der ein weiteres Mal zeigt, dass kritische Berichterstattung in Russland nicht nur unerwünscht ist, sondern auch Konsequenzen für die Journalisten hat", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall.

Vor drei Jahren war dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt das Visum für die Einreise zur Fußball-WM nach Russland verwehrt worden. Diese Entscheidung wurde - auch auf internationalen Druck - von Russland wieder zurückgenommen. Nach massiven Warnungen deutscher Sicherheitsbehörden sagte Seppelt die Reise aber ab. Seppelt hatte wesentlich zur Aufklärung des systematischen Sportbetrugs in Russland beigetragen und war deshalb in dem WM-Ausrichterland angefeindet worden.

2017 durfte Kempe nicht nach Bahrain einreisen

Auch Kempe hatte in der Vergangenheit in Dokumentationen die WM 2018 in Russland und das Wirken des Internationalen Olympischen Komitees kritisch beleuchtet. Er ist seit zehn Jahren für WDR und ARD tätig. "Robert Kempe ist ein exzellenter und unbescholtener Journalist", sagte die WDR-Chefredakteurin.

Für Kempe ist es nicht das erste Mal, dass ihm die Berichterstattung bei Sportereignissen erschwert wird. 2017 verweigerte ihm das bahrainische Ministerium für Information ohne Begründung die Einreise in das Land, wo Kempe über einen Kongress des Fußball-Weltverbands Fifa berichten wollte. Kempe hatte sich zuvor kritisch mit Mitgliedern der Königsfamilie des Golfstaats auseinandergesetzt, die in führenden sportpolitischen Funktionen tätig waren.

© SZ/dpa/saul/kml
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