Rundfunk Kreativpause

Der BR wirbt mit Politikern und Kühen auf Plakaten für seine reformierte "Rundschau" - und wirft dabei ein paar Fragen auf.

Von Benedikt Frank

Die 42 hat ausgedient - zumindest beim BR: "Die Antwort auf alle Fragen ist 18:30", wirbt der Sender in Anspielung auf den Science-Fiction-Klassiker "Per Anhalter durch die Galaxis" für den Relaunch und die neue Sendezeit seiner Nachrichtensendung Rundschau. Die Plakate indes provozieren selbst Fragen, etwa das, auf dem Angela Merkel und Horst Seehofer in seltener Eintracht zu sehen sind: Ja, ist denn schon wieder Bundestagswahlkampf? "Wer hat die Hosen an?", fragt das Plakat. Distanz zur Union im Allgemeinen und zur CSU im Besonderen betont man so wohl eher nicht.

Liegt die unglückliche Bildsprache am Geldmangel, wie vieles beim BR in letzter Zeit? Ist der Sender so klamm, dass er alte Wahlwerbung recyceln musste? Der Sinn für alles Bildliche ist auf jeden Fall verdorrt. Vielleicht sollte, wer kein Geld und/oder keine Ideen hat, besser mit den Porträts seiner Protagonisten werben? Da wäre etwa die neue Moderatorin Ursula Heller beim Publikum bekannt zu machen. Im BR wollte man augenscheinlich kreativer sein. Was die Kampagne gekostet hat, will der Sender nicht verraten. 1100 Plakate hat man an Bayerns Straßen anbringen lassen, darunter noch zwei weitere Motive. Exklusiv in Franken hängt eines mit Energieversorger-Anmutung: Strommasten vor Sonnenuntergang. Die Frage dazu: "Steht Franken bald unter Strom?" Um das zu verstehen, müsste man wohl wirklich mal die Rundschau gucken. Und dann ist da noch das Plakat mit der Kuh: "Ist Bayern die Melkkuh der Nation?" Das ist eine rhetorische Frage, oder? Immerhin das Alpenpanorama können die Saupreißn dem bayerischen Steuerzahler nicht wegnehmen, der, implizit als Rindvieh bezeichnet, auch nicht wirklich gut wegkommt. Diese wohl unfreiwillige Publikumsbeschimpfung ist, um im Bild zu bleiben, auf dem Mist der Hamburger Agentur Fischer-Appelt gewachsen.