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RTL zeigt US-Fernsehserie "White Collar":Beau und Biedermann

Ein wunderschöner Verbrecher und ein bestenfalls durchschnittlich attraktiver Ermittler - aus diesem Gegensatz zieht die US-Fernsehserie "White Collar" einen großen Teil ihres Humors. RTL bringt die erfolgreiche Krimikomödie nun ins deutsche Fernsehen.

Die Jagd des FBI nach Frank W. Abagnale, man weiß das alles ja aus Steven Spielbergs Film, endete im Jahr 1969 in Frankreich. Der junge Mann, damals gerade mal 21 Jahre alt - in Catch me, if you can gespielt von Leonardo di Caprio - hatte die US-Behörden jahrelang durch die Welt gehetzt mit seinen immer neuen Einfällen, sich mit gefälschten Schecks und Urkunden ein recht ausschweifendes Leben zu finanzieren.

Mit Hilfe der attraktiven Galerieeinkäuferin Taryn (Deanna Russo) hat Neal (Matt Bomer) versucht, dem mysteriösen Franzosen das gestohlene Bild abzukaufen, doch der Deal scheitert.

(Foto: Laissez-faire)

In Frankreich nun geht Abagnale dem FBI, bei Spielberg in Gestalt von Tom Hanks, in die Falle, womit der Film eigentlich schon zu Ende wäre, säßen die beiden Männer sich nicht bald darauf im Knast gegenüber und betrachteten einen gefälschten Scheck. Der Betrüger erklärt dem Ermittler, mit welchen Tricks das Dokument getürkt wurde.

Kurz darauf wird der Häftling in einen Anzug gesteckt, um dem FBI in Sachen Scheckbetrug beim Ermitteln zu helfen. Ein Duo aus Agent und Kriminellem: Man hat in den wenigen Filmminuten, in denen Tom Hanks morgens nervös die Bürotür fixierte, aus Angst, sein neuer Mitarbeiter könnte wieder einmal unerlaubt ein Flugzeug bestiegen haben, das Potenzial so einer Kombination erahnen können.

Die Serie, die RTL nun ins Programm nimmt, erzählt die jahrelange Jagd des FBI-Manns Peter Burke (Tim DeKay) nach dem genialen Kunstfälscher Neal Caffrey (Matt Bomer) in wenigen Sätzen. White Collar, seit 2009 erfolgreich im amerikanischen Fernsehen (USA Network), setzt ein, als Caffrey dem ehemaligen Verfolger den Deal anbietet: Du holst mich aus dem Gefängnis, dafür helfe ich dir, ein paar andere dort hineinzubringen. Caffrey bekommt eine elektronische Fußfessel um den Knöchel gelegt, 700 Dollar im Monat, vor allem bekommt er drei Quadratkilometer Freiheit.

Es mag an dieser Stelle etwas unsachlich klingen, doch man kann White Collar - der Begriff steht im Englischen für Wirtschaftskriminalität - nicht beschreiben ohne zu erwähnen, dass Neal Caffrey, der Gauner, unglaublich gut aussieht. Ein großer Teil des Humors der Serie spielt mit den Gegensätzen des biederen und bestenfalls durchschnittlich attraktiven Ermittlers zum fußgefesselten, wunderschönen Verbrecher. Dass zu einem Krimi immer zwei Kommissare gehören, die möglichst wenig miteinander anfangen können, ist ja im öffentlich-rechtlichen Kriminalfilm mittlerweile wichtiger als das Auffinden einer Leiche.

Mit White Collar ist der einzige neue amerikanischen Lizenzeinkauf des Kölner Privatsenders in dieser Saison. RTL holt sich damit nach Monk und Psych eine weitere Krimikomödie ins Programm - wobei ein Vergleich mit Monk für die aller wenigsten Serien ein dankbarer ist, auch nicht für White Collar. Privatdetektiv Adrian Monk braucht - so als Fernsehermittler - kein Ying zu seinem Yang. Er ist seltsam genug, um zwischenmenschliche Konflikte innerhalb eines Teams großenteils einfach mit sich selbst auszutragen.

Im Pilotfilm zur ersten Staffel suchen die beiden Agenten nach einem Herren, den sie den Holländer nennen und der auf herausgerissenen Innenseiten spanischer Kinderbücher historische Kriegsanleihen nachdruckt. Nebenbei lernt Caffrey eine Witwe kennen, die ihn einlädt, in ihrer Stadtvilla zu leben.

Schnell also trägt der schöne Gauner einen seidenen Morgenmantel zur Fußfessel. Und wenn er immer mal wieder das Foto seiner geliebten, aber verschwundenen Kate aus der Tasche zieht, darf man wohl davon ausgehen, dass Agent Burke sich bald wieder auf die Suche nach ihm machen wird.

White Collar, RTL, Dienstag, 22.15 Uhr.

© SZ vom 13.09.2011/pak
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