RTL-Dschungelcamp: Tag 3 "I am strong, Hilti, and full of energy!"

Evelyn Burdecki ist bereit, ganz dicke Bretter zu bohren. Die Leistungsbereitschaft der übrigen Camper liegt irgendwo zwischen "anwesend" und: "Also ich bleib' hier auf meinem Bett!"

TV-Kritik von Johanna Bruckner

Thema des Tages: Prinzipie, die, Substantiv. Geschlecht: nicht feminin, sondern Töpperwien. Grundlage, wegen der etwas aufge­bauscht wird. Die Prinzipie von RTL ist natürlich die Quote. Und weil die zum Auftakt schwächelt, muss nun Dramatisierung her. Direkt zu Beginn wird ein narratives Dreigestirn aufgeworfen: "Was ist denn jetzt mit Evelyn und Domenico? Gisele fragt sich: Wie besteht man eine Dschungelprüfung? Und wir fragen uns: Wer wird König oder Königin des Dschungels?" Nun lassen sich die ersten beiden Fragen schnell beantworten - mit: nüscht. Und der Rest ist irrelevantes Sendungsinventar. Wer die Show gewinnt, ist für das Konzept weitgehend unerheblich. Die wichtigeren Fragen lauten: Wer weint? Wer wütet? Wer würgt? Es geht hier schließlich um die Prinzipie!

Aber wie das manchmal so ist im Leben: Die eigenen Prinzipien sind das eine - aber die anderen müssen schon auch mitspielen. Und an Tag drei liegt die Teilnahmebereitschaft der Camper irgendwo zwischen "anwesend" und: "Also ich bleib' hier auf meinem Bett!"

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"Das ist ein reiner Provokant"

Tag zwei im Dschungel - und schon blättert der Putz. Chris Töpperwien entzaubert den "Miracle Morning" von Bastian Yotta. Und Camp-Heulsuse Gisele verweigert das Weinen.   TV-Kritik von Johanna Bruckner

Tragende Rolle: die Rollenlose. Doreen Dietel spielte zehn Jahre lang eine Figur namens "Trixi" im BR-Format Dahoam is dahoam. So anspruchsvoll sie in dieser Rolle mitunter auftrat, so aufopferungsvoll verhielt sie sich nach eigener Aussage am Set. Stellte ihre Gesundheit und das eigene Kind hinten an. Nur um dann ohne neuen Vertrag dazustehen. Schöne Scheiße! Oder wie es Doreen formuliert: "Hätte ich das gewusst, dass die mich rausschreiben, hätte ich öfter gesagt: 'Ich komm' heut' nicht, mein Kleiner hat Durchfall.'"

Und die Dschungelprüfung? Gegenfrage: Kennen Sie Mario Barth? Der deutsche Comedian hat 2004 einen Sprachführer mit dem Titel "Frau - Deutsch/Deutsch - Frau. Schnelle Hilfe für den ratlosen Mann" veröffentlicht. Das Werk - erhältlich in jeder gut sortierten Buchhandlung, Abteilung "Plumper Sexismus" - funktioniert nach dem Prinzip: Was sie sagt - und was sie eigentlich meint. Diese Art Übersetzungshilfe braucht es auch vor der Dschungelprüfung, in die die Zuschauer am Vortag einmal mehr Gisele Oppermann gewählt haben. Bei der schlägt die Gefühlswetterlage prompt von einer kurzen trockenen Phase in eine anhaltende Regenzeit um. Ihre Mitcamper versuchen, die Tränen zu trocknen - mit saugfähigen Allgemeinplätzen. Wir übersetzen mal für Sie.

Tommi Piper sagt: "Sie ist sehr sensibel und das Publikum ist gemein."

Tommi "Pythagoras" Piper meint: "a² + b² = Quälerei²"

Bastian Yotta sagt: "Gisele, du steigerst dich von Tag zu Tag."

Bastian Yotta meint: "Gisele, du steigerst dich von Tag zu Tag rein."

Chris Töpperwien sagt: "Gisele, das ist 'ne fucking Fernsehshow."

Chris Töpperwien meint: "Fuck, weniger Sendezeit für mich!"

Die eigentliche Prüfung mit dem Titel "Abgewrackt" ist im Übrigen schnell erzählt.

Gisele sagt: "Ich schaff's nicht."

Gisele meint: "Ich mach's nicht."

Null Sterne.

Worüber wurde am Lagerfeuer gesprochen? Über Regelverstöße. Als die Sendungsmacher die Camper mit diversen Verfehlungen konfrontieren, geht im Lager eine Diskussion um Schuld und Sühne los. Soll heißen: Keiner will's gewesen sein. Und Teamchef Domenico muss büßen. Seine beiden Luxusgegenstände (Haarwachs, Stillkissen) ist Signore de Cicco vorerst los. Aus lauter Frust verlässt ihn kurz darauf auch die Grammatik: "Wenn die nächsten Sachen auffallen: Immer in ein sachlichen Ton die Leute drauf aufmerksam machen. Die Laune ist eh im Arsch."

Satz für die TV-Annalen: "I am strong, Hilti, and full of energy!" (Sagt Evelyn Burdecki, die an Tag drei im Gegensatz zu ihren Mitcampern gewillt ist, ganz dicke Bretter zu bohren. Im Original im Übrigen von Motivationsmacker Bastian Yotta: "I am strong, healthy and full of energy!")

Moral der Geschichte? Die Welt gehört den Mutigen, heißt es. Der TV-Dschungel aber gehört den Genügsamen. Vor dem Fernseher in Deutschland und im Busch Down Under. Sex-Simulatorin Sibylle Rauch wäre schon froh, wenn mal irgendetwas passieren würde. Synchronsprecher Tommi Piper kann das noch unterbieten: "Ich wünsch' mir, dass der Reis heut' besonders schnell kocht und dass das Handtuch trocknet."

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